Editorial

Am 3. Mai wird in 113 Gemeinden Südtirols ein neuer Rat und Bürgermeister gewählt. Derzeit sind jedoch mancherorts gar manche politische Parteien oder Bürger-Initiativen noch auf der Suche nach geeigneten Kandidaten. Dabei erhalten sie vielfach eine Absage. Die Gründe sind dabei meist folgende: Keine Zeit, habe eh keinen Einfluss, muss mich um die Kinder kümmern, bin zu alt oder bin zu jung, habe Angst vor vielleicht unguten Kommentaren in sozialen Medien… Was sind aber die wichtigsten Eigenschaften, die sich der gemeine Bürger von der künftigen Vertretung seiner Interessen in seinem engen Lebensumfeld erwartet und wünscht?
Mitreden und mitbestimmen sind die wichtigsten Motive von Gemeinderatskandidaten – egal, ob es sich um alte Hasen oder hoffnungsvolle Neulinge handelt.
Eigennutz darf jedoch auf keinen Fall das entscheidende Motiv einer Kandidatur sein. Ein Gemeinderatsmandat verspricht vielleicht Ansehen und kann auch Sprungbrett für Karrieren sein. Ähnlich wie damals im Eiskunstlauf, gibt es auch hier „Pflicht und Kür“. Die Pflicht – Fraktions- und Ausschusssitzungen, Aufsichtsratsmandate, Gemeinderatssitzungen – nimmt allein schon viel Zeit in Anspruch. Bei der Kür hängt viel von der Person selbst ab. Etwa, wie Mandatsträger in der Partei, in Vereinen oder Stadtvierteln bzw. Fraktionen verankert sind. Viele Wochenstunden gehen drauf und die Aufwandsentschädigung ist dann kein Anreiz mehr.
Der typische Gemeinderat ist immer noch männlichen Geschlechts, verheiratet, lässt sich in der Kirche blicken und ist nicht mehr ganz jung. Er verdient recht ordentlich und ist ortsverbunden. Beim ersten Mal wurde er gewählt, weil er beruflich oder als Vereinsmitglied im Ort bekannt ist, kandidiert hat er nicht nur aus parteipolitischen Motiven. Parteipolitik sollte meines Erachtens in den Gemeinden die geringste Rolle spielen. Beste Verwaltung im Sinne und Dienst der Gemeinde, nur dies sollte zählen!

von Walter J. Werth
23. September 2019

Die Qual der (Vor)Wahl

Am 3. Mai wird in 113 Gemeinden Südtirols ein neuer Rat und Bürgermeister gewählt. Derzeit sind jedoch mancherorts gar manche politische Parteien oder Bürger-Initiativen noch auf […]