Editorial

Ja, tragisch. Tragisch wird stets als Adjektiv bei einem Verkehrsunfall verwendet. Dabei ist die Mehrzahl der Unfälle nicht tragisch, sondern eher fahrlässig. Tragisch bedeutet laut Definition des Duden: „auf verhängnisvolle Weise eintretend und schicksalhaft in den Untergang führend und daher menschliche Erschütterung auslösend“. Es sind die in letzter Zeit so „tragischen“ Unfälle auf unseren Straßen, die mich nachdenklich stimmen. Speziell die Motorradunfälle. Mag sein, dass junge Menschen von Natur aus weniger Gefahren sehen, dass die Fahrzeughersteller sich in der Produktion und dem Angebot wahrer Geschosse überbieten. Aber was nützt es dann nach „tragischen“ Unfällen über die Toten und Verletzten zu klagen? Was nützen sogenannte Sensibilisierungskampagnen, wie es die Plakate „No Credit“ sind? Was soll ein Plakat bewirken, das ein rasender Motorradfahrer ja gar nicht sehen kann? Er muss ja auf die Straße schauen. Ja, es gibt auch gemütliche „Biker“. Die könnten das Plakat vielleicht lesen. Aber für Sie ist es ja nicht gedacht. Vorausgesetzt, man versteht, was da gemeint ist, mit „No Credit“. Klingt irgendwie nach abgelehntem Kreditansuchen bei einer Bank. Mit dem Geld, das für diese Augenauswischerei-Plakate ausgegeben wird, könnten gezielte Geschwindigkeitskontrollen finanziert werden. Sicher effizienter und lebensrettender.
Was die seit Jahren laufende Kampagne gebracht hat, sagen die Zahlen der Statistik von 2018. Es gab 1710 Verkehrsunfälle mit Verletzten oder Toten. Im Vergleich zum Vorjahr sind dies um 55 Unfälle, 56 Verletzte und 3 Tote mehr.
Auch wenn die Statistik bessere Zahlen liefern sollte, so ist trotzdem jeder Unfall und jeder Verletzte oder gar Tote zu viel. Verschärfte Gesetze und Kontrollen wegen Alkohol scheinen hingegen zu wirken. 2017 wurden 624 Führerscheine wegen Trunkenheit am Steuer eingezogen. 2008 gab es noch 1.160 eingezogene Führerscheine wegen Trunkenheit!

von Walter J. Werth

10. September 2019

No credit? Tragisch!

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