Editorial

In Bozen ist das Gerichtsgebäude eingestürzt. Nicht etwa wegen eines Erdbebens. Nein, die Justiz ist schlicht unter der unerträglichen Last ihrer eigenen Existenz kollabiert. Genauer gesagt: unter den tonnenschweren Bergen unerledigter Papierakten, die sich über Jahrzehnte hinweg zu papiernen Wolkenkratzern auftürmten, bis die Statik endgültig kapitulierte. Das Problem der ewigen Verfahrensdauern hat sich somit auf physikalischem Wege elegant selbst gelöst. Doch während die Bürokratie im Erdboden versinkt, schlug die gesellschaftliche Debatte im Salurner Schwimmbad ganz andere Wellen. Salurn beweist Mut zur Lücke und gewährt allen Frauen einmal pro Woche einen Badeabend. Dabei gäbe es noch reichlich Kapazitäten für weitere Spezial-Nutzungen. Etwa für militante Nichtschwimmer, die das Becken gerne komplett ohne Wasser nutzen möchten. Und wie wär’s mit interreligiöser Nutzung unserer immer leerer werdenden Kirchen? Nach der Formel: sonntags Rom, montags Mekka … Ende der Ironie!

Walter J. Werth

wjw@bezirksmedien.it

23. September 2019

Akten und Fakten

In Bozen ist das Gerichtsgebäude eingestürzt. Nicht etwa wegen eines Erdbebens. Nein, die Justiz ist schlicht unter der unerträglichen Last ihrer eigenen Existenz kollabiert. Genauer gesagt: […]