


Am 21. September wurde in Bozen der Tauschvertrag zwischen dem Land Südtirol und der staatlichen Agentur für Staatsgüter unterzeichnet. Damit ist auch die zweite Teilfläche der ehemaligen Rossi-Kaserne in Meran formell an das Land übergegangen. Ein erster Teil war bereits 2022 übertragen worden. Das Areal umfasst rund 30 Hektar und wird mit einem Wert von etwa 38 Millionen Euro angegeben. Für Merans Bürgermeisterin Katharina Zeller ist damit ein entscheidender Durchbruch gelungen: „Es ist ein wichtiger Schritt, auf den wir seit Jahren gewartet haben, und eine große Chance für die zukünftige Entwicklung Merans.“, erklärte sie anlässlich der Vertragsunterzeichnung. Gleichzeitig richtet Zeller den Blick bereits auf die nächsten Aufgaben. Die ehemalige Kaserne soll möglichst rasch für eine sinnvolle Zwischennutzung geöffnet werden. Durch die Abtrennung vom weiterhin militärisch genutzten Bereich der Battisti-Kaserne seien dafür nun die notwendigen Voraussetzungen geschaffen. Gemeinsam mit Vizebürgermeister Nerio Zaccaria und Landeshauptmann Arno Kompatscher will Zeller zeitnahe über die nächsten Schritte sprechen. Das Land soll geeignete Flächen und Gebäude für eine vorübergehende Nutzung zur Verfügung stellen.

Denkbar sind Veranstaltungen, Initiativen, Vereinsaktivitäten oder Angebote für Jugendliche. Welche Teile des Areals tatsächlich genutzt werden können, muss allerdings erst geprüft werden. Entscheidend sind der bauliche Zustand der Gebäude, die technischen Voraussetzungen und vor allem die Sicherheit. Noch bedeutender ist allerdings die langfristige Perspektive. Mit rund 30 Hektar verfügt Meran über eine außergewöhnlich große innerstädtische Entwicklungsfläche. Hier liegt ein Potenzial, das weit über einzelne Gebäude oder kurzfristige Projekte hinausgeht. Die ehemalige militärische Fläche könnte langfristig Raum für Wohnen, Bildung, Kultur, Wirtschaft, sowie neue Grün- und Freiflächen schaffen. Welche Nutzungen tatsächlich kommen werden, ist derzeit noch offen. Frühere Diskussionen haben unterschiedliche Modelle hervorgebracht, einen endgültig beschlossenen Masterplan für das gesamte Areal gibt es jedoch noch nicht. Gerade deshalb legt Zeller großen Wert auf eine Gesamtplanung. Das Gelände soll nicht Schritt für Schritt durch einzelne Projekte aufgeteilt werden, ohne dass zuvor geklärt ist, wie die verschiedenen Bereiche miteinander verbunden werden können. Dabei geht es nicht nur um neue Gebäude. Die große Chance besteht darin, ein Stück Stadt von Grund auf neu zu denken: mit leistbarem Wohnraum, attraktiven Freiräumen, zeitgemäßer Infrastruktur, kurzen Wegen und einer guten Anbindung an die bestehenden Stadtteile. Entscheidend wird sein, diese unterschiedlichen Anforderungen zu einem zusammenhängenden Konzept zu verbinden. Die Geschichte dieses Prozesses reicht weit zurück. Grundlage ist ein bereits 2007 zwischen Staat und Land vereinbartes Modell zur Neuordnung militärischer Infrastrukturen. Das Land übernahm im Rahmen dieses Abkommens Investitionen in weiterhin benötigte militärische Einrichtungen und erhielt im Gegenzug nicht mehr benötigte staatliche Liegenschaften. Mit der nun erfolgten vollständigen Übertragung ist eine der wichtigsten Etappen abgeschlossen. Für Meran und seine Bürgerinnen und Bürger geht es nun darum, aus einer ehemaligen Militärfläche einen neuen, gut geplanten und mit dem bestehenden Meran verbundenen Stadtteil zu entwickeln und dabei die außergewöhnliche Chance dieses Areals nicht durch kurzfristige Einzelentscheidungen zu verspielen.
Thomas Kobler