

Marling hat sich mit seiner „WeinKultur“ eine eigene Marke geschaffen, die zwei wichtige Kernthemen des Dorfes miteinander verbindet. Die Initialzündung für die Marlinger WeinKultur ging vom langjährigen Bürgermeister Walter Mairhofer aus. Als Koordinator der Arbeitsgruppe ist sein Entdeckergeist bis heute ungebrochen.Was sich in den vergangenen Jahren rund um die Marlinger Initiative entwickelt hat und wie es mit der WeinKultur weitergeht, erzählt uns Mairhofer im Interview.

Herr Mairhofer, die Entstehung der Marlinger WeinKultur ist eng mit Ihrer Amtszeit als Bürgermeister verknüpft. Wie blicken Sie heute auf die Anfänge dieser Initiative zurück?
Walter Mairhofer: Wir hatten das Glück, dass die Kellerei für den Meraner Raum in Marling ausgebaut wurde und hier ihren Sitz hat. Daher fühlten wir uns verpflichtet. Außerdem suchten wir schon länger nach einem Themenschwerpunkt, für den Marling stehen könnte – etwas, das das Dorf von anderen unterscheidet und gleichzeitig vielfältig und interessant für Tourismus, Wirtschaft und Landwirtschaft, aber auch für Einheimische und Besucher ist. Die Weinkultur hat in Marling eine lange Tradition. Wir haben viele freie Weinbauern, die Genossenschaft, Brennereien und Sektproduzenten.
Wann fanden damals die ersten richtungsweisenden Gespräche statt – und wer waren Ihre wichtigsten Weggefährten und Mitstreiter der ersten Stunde?
2016 wurde das Thema WeinKultur erstmals offiziell als Positionierung des Dorfes thematisiert. Aktionen und Gespräche gab es natürlich schon viel früher. Etwas muss langsam wachsen, wenn es sich etablieren und langfristig nachhaltig wirken soll. Bereits 2014 wurde eine Arbeitsgruppe gebildet und das „Burggräfler Weinbiachl“ herausgebracht. Als Weggefährten kann ich eigentlich das ganze Dorf nennen. Der Gemeinderat war vom Konzept überzeugt, der Tourismusverein hat sofort seine Unterstützung und Mitarbeit zugesagt. Projekte in Zusammenarbeit mit der Landeshotelfachschule Kaiserhof waren ebenfalls ein wichtiger Mosaikstein – und letztlich auch die Meraner Kellerei sowie die Weinbauern, die immer wieder mit spannenden Ideen an mich herangetreten sind.

Im Jahr 2016 mündete die Initiative in die Eintragung von „WeinKultur“ als geschützte Marke. Warum war dieser rechtliche und identitätsstiftende Schritt damals so entscheidend?
Die Eintragung von „WeinKultur“ als geschützte Marke war 2016 ein entscheidender Schritt, weil damit aus einer zunächst gemeinsam entwickelten Idee eine klar erkennbare Identität für Marling wurde. Die WeinKultur sollte bewusst weit mehr sein als die Vermarktung von Wein: Sie verband Weinbau, Geschichte, Kultur, Landschaft, Tourismus, Gastronomie und die Menschen im Dorf. Mit der Marke und der Weinranke bekam diese Idee einen Namen und ein Gesicht. Die verschiedenen Projekte konnten dadurch unter einem gemeinsamen Dach auftreten und nach außen ein einheitliches Bild vermitteln. Gerade für das Ortsmarketing war das wichtig: Marling sollte nicht nur als Weindorf wahrgenommen werden, sondern als Ort, an dem Wein und Kultur miteinander verbunden sind. Rückblickend war die Markeneintragung deshalb auch ein identitätsstiftender Schritt. Sie machte aus vielen einzelnen Aktivitäten eine gemeinsame Geschichte – die Marlinger WeinKultur. Wir sprechen deshalb immer auch gerne von Marling, einer Cuvée aus Wein und Kultur.
In der Folge entstanden zahlreiche Initiativen – vom WeinKulturWeg über das Weinkochbuch, den Marlinger Stangenkäse und die Marlinger Weinpraline bis hin zum WeinKulturFest und den WeinKultur-Erlebnissen. Welche ersten Projekte sind Ihnen besonders lebhaft in Erinnerung geblieben?
Einen besonders sichtbaren Ausdruck fand die Idee mit dem WeinKulturWeg. Uns ging es von Anfang an darum, Wein nicht isoliert zu betrachten, sondern seine Verbindung mit Geschichte, Kultur, Landschaft und Kulinarik sichtbar zu machen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das „Prickelnde Dorf“. Es war eine außergewöhnliche und kreative Idee, die gezeigt hat, wie vielfältig und überraschend WeinKultur sein kann.

Ein Meilenstein war 2018 die Einführung des „Südtiroler WeinKulturBotschafters“, der seither jährlich in Marling verliehen wird. Welchen Stellenwert hat diese Auszeichnung heute für das Renommee des Dorfes und die gesamte Weinlandschaft?
Die Auszeichnung hat einen besonderen Stellenwert, weil sie bewusst über Marling hinausblickt. Von Anfang an war klar: Wir wollen uns nicht selbst auszeichnen. Deshalb werden bewusst keine Marlinger ausgezeichnet. Der WeinKulturBotschafter ist außerdem kein klassischer Weinpreis. Es geht nicht um den besten Wein oder den erfolgreichsten Betrieb, sondern um Menschen, Institutionen oder Organisationen, die die Südtiroler WeinKultur nachhaltig prägen, neue Initiativen setzen, innovativ sind und über die Landesgrenzen hinauswirken. Dahinter steht auch der Gedanke, dass der „Prophet im eigenen Land“ nicht immer die Anerkennung bekommt, die er verdient. Marling möchte deshalb eine Bühne schaffen und besondere Leistungen sichtbar machen. So wird die Auszeichnung gleichzeitig zu einem Botschafter für die gesamte Südtiroler Weinlandschaft. Besonders freut mich, dass die Auszeichnung seit einem Jahr gemeinsam mit den Vinum Hotels im Rahmen ihrer Generalversammlung verliehen wird. Damit erhält die Auszeichnung nochmals eine größere Bühne und wird stärker in der Südtiroler Wein- und Tourismuslandschaft wahrgenommen.
Wenn Sie das vergangene Jahrzehnt Revue passieren lassen: Welche Momente zählen zu Ihren ganz persönlichen Höhepunkten?
Ein besonderer Höhepunkt war für mich sicher die Entstehung und Entwicklung der Marlinger WeinKultur – von einer Idee zu einer festen Größe, die heute weit über Marling hinaus bekannt ist. Besonders freut mich, dass daraus so viele unterschiedliche Projekte entstanden sind. Sehr persönlich ist für mich auch die Begegnung mit den vielen Menschen, die diese Projekte mitgetragen haben – Winzer, Gastronomen, Kulturschaffende und Partner aus ganz Südtirol. Wenn aus einer Idee etwas entsteht, das von anderen weitergetragen wird, ist das für mich eigentlich der schönste Höhepunkt.

Ein langjähriges Herzensanliegen war der Versuch, die Südtiroler Weinstraße offiziell bis nach Marling zu verlängern. Dass dies nicht geglückt ist, blieb ein kleiner Wermutstropfen. Wie sehen Sie diese Thematik heute – ist das Kapitel endgültig abgeschlossen?
Ganz abgeschlossen ist das Kapitel für mich nicht. Es war damals nicht ganz leicht nachzuvollziehen, dass eine „Südtiroler Weinstraße“ nicht das gesamte Weinland Südtirol umfasst. Wir haben die damalige Entscheidung aber respektiert. Heute sehe ich das Thema entspannter. Es gibt inzwischen Annäherungen und Überlegungen, in bestimmten Bereichen zusammenzuarbeiten oder auch einmal gemeinsame Aktionen zu planen. Das finde ich erfreulich. Letztlich geht es nicht nur um eine Mitgliedschaft oder einen Namen, sondern darum, die Südtiroler Weinkultur gemeinsam sichtbar zu machen.
Auch nach Ihrem Ausscheiden aus dem Bürgermeisteramt leiten Sie die Arbeitsgruppe WeinKultur weiterhin als Koordinator. Was treibt Sie persönlich an, sich unvermindert für dieses Projekt zu engagieren?
Mich treibt vor allem die Freude daran an, aus einer Idee etwas Nachhaltiges zu entwickeln. Die WeinKultur ist für mich längst mehr als ein Projekt – sie verbindet Wein, Kultur, Menschen und unsere Heimat. Wichtig ist dabei auch, dass der Tourismusverein und die Gemeindeverwaltung voll dahinterstehen und die WeinKultur mittragen. Diese Unterstützung gibt dem Projekt die nötige Kraft und Perspektive. Solange ich das Gefühl habe, etwas beitragen und neue Ideen einbringen zu können, mache ich das gerne weiterhin ehrenamtlich.

Ein solches Zehn-Jahres-Jubiläum lädt zum Innehalten, aber vor allem zum Vorausschauen ein. Welche neuen Vorhaben stehen bei der Marlinger WeinKultur als Nächstes an?
Wir haben bereits einige neue Ideen in Vorbereitung. Besonders freue ich mich auf den Traubengugelhupf in Marmor – die „süßeste Versuchung, seit es Gugelhupf gibt“, würde ich sagen. Dabei wollten wir wieder zum Ausgangsmaterial zurück: zur Traube. Der Gugelhupf soll etwas für Groß und Klein sein, handlich und etwa so groß wie eine Tortenscheibe, damit er stets frisch genossen werden kann.
Etwas ganz Besonderes ist auch, dass die Marlinger WeinKultur bald Eingang in einen Roman einer jungen Südtiroler Autorin findet, der im Rahmen ihrer Gardasee-Romane spielt. Darin kommen unter anderem der Marlinger Waalweg, der Stangenkäse, der WeinKulturWeg und die Weinpraline vor. Dass unsere WeinKultur auf diese Weise Teil einer literarischen Geschichte wird, ist für mich etwas ganz Besonderes. Es zeigt, dass WeinKultur immer wieder neue Wege findet – nicht nur im Glas, sondern auch auf dem Teller, in der Landschaft und sogar in der Literatur.
Sie waren in Ihrer politischen Laufbahn stets dafür bekannt, vorausschauend und langfristig zu denken. Wo sehen Sie die Marke „WeinKultur Marling“ in weiteren zehn Jahren?
Ich wünsche mir, dass die WeinKultur Marling in zehn Jahren noch immer für das steht, was sie von Anfang an ausgemacht hat: für neue Ideen, Qualität und die Verbindung von Wein, Kultur, Landschaft und Menschen. Dabei muss sich die WeinKultur natürlich weiterentwickeln und immer wieder neue Wege gehen. Wenn sie offen für neue Ideen bleibt und gleichzeitig ihre eigene Identität bewahrt, bin ich überzeugt, dass sie auch in zehn Jahren noch lebendig und relevant sein wird. Und vielleicht gibt es bis dahin noch einige Überraschungen, an die wir heute noch gar nicht denken.
Was wünschen Sie der WeinKultur in Marling für die Zukunft?
Ich wünsche der WeinKultur, dass sie neugierig und offen bleibt, immer wieder neue Ideen entwickelt, Menschen begeistert und noch viele Jahre Menschen verbindet.

Aktiver Standort Marling
Auch wenn sich Marling vor allem als Wein- und „prickelndes Dorf“ einen Namen gemacht hat und mit dem Sitz der Kellerei Meran eine der wichtigsten Kellereigenossenschaften des Landes beheimatet, reicht der Wirtschaftsstandort weit über die Landwirtschaft hinaus. Neben traditionsreichen Unternehmen in der Gastronomie und Hotellerie, bietet das Ortszentrum mit Arzneimittelausgabestelle, Bäckerei, Post, Bankfiliale und einem Nahversorger eine verlässliche Infrastruktur. Im Niederdorf hingegen, unmittelbar an der Durchzugsstraße in Richtung Gampenpass, haben sich mittelständische bis größere Betriebe mit teils internationalem Renommee angesiedelt. Ein wesentlicher Teil davon befindet sich in der Gewerbezone „Neuwies“, die neben engagierten Handwerks- und Gewerbetreibenden auch vielfältige Dienstleister und Handelsbetriebe umfasst. Über die alte Anbindungsstraße an die MeBo gelangt man zudem in die Marlinger Sportzone, wo Sportbegeisterte nicht nur in Nörders Musikantenstadl das Tanzbein, sondern auf den Tennis-, Badminton- und Beachvolleyballplätzen auch den Schläger und das „Sportbein“ schwingen können. Ausreichend Parkmöglichkeiten sowie die hervorragende Anbindung an die MeBo und das übergemeindliche Radwegenetz unterstreichen die Erreichbarkeit des Standortes. Marling ist und bleibt somit jederzeit einen Besuch wert.
Philipp Genetti