

Die entscheidenden Weichen für Sprache werden bereits in den ersten Lebensjahren gestellt. Wer Kinder stärken will, muss deshalb auch ihre Eltern frühzeitig begleiten. In den vergangenen Monaten habe ich mit Fachleuten und Einrichtungen gesprochen, die Familien mit Migrationshintergrund unterstützen. Dabei wurde eines besonders deutlich: Es gibt bereits gute Lösungen. Projekte wie „Intermed” oder „Brücken bauen” in Lana zeigen, dass Sprachförderung besonders dann gelingt, wenn sie alltagsnah ist, die Eltern aktiv einbezieht und mit Kinderbetreuung verbunden wird. Doch genau hier liegt das Problem. Viele dieser Angebote sind nur zeitlich befristete Projekte. Dabei wissen wir längst, dass frühe Unterstützung wirkt. Werden sprachliche oder soziale Herausforderungen erst im Kindergarten oder in der Schule sichtbar, ist der Aufwand für alle Beteiligten deutlich größer. Deshalb braucht es jetzt den nächsten Schritt. Frühkindliche Sprachförderung darf nicht von einzelnen Projekten oder dem Engagement weniger Personen abhängen. Sie braucht eine dauerhafte Verankerung und vor allem klare Zuständigkeiten. Gerade der Spracherwerb vor dem Schuleintritt fällt heute oft zwischen den Bereichen Bildung, Soziales, Integration und Gemeinden.
Aus diesem Grund habe ich das Thema im Landtag aufgegriffen. Mein Ziel ist es nicht, immer neue Projekte zu schaffen. Vielmehr müssen wir bewährte Modelle langfristig absichern und Familien in ganz Südtirol zugänglich machen.
Denn frühkindliche Sprach- und Elternarbeit ist keine Zusatzleistung. Sie ist eine Investition in gleiche Bildungschancen, gelingende Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wer Familien von Anfang an begleitet, kann viele Probleme verhindern, bevor sie entstehen, und schafft damit die besten Voraussetzungen für die Zukunft unserer Kinder.
Harald Stauder