
Kaum eine andere Gemeinde in unserem Land kann so viele Persönlichkeiten aus
Wissenschaft, Forschung und Lehre vorweisen wie Algund. Deren Wege führten
sie an Universitäten, in Labore und Kliniken auf mehreren Kontinenten.
Was sie alle verbindet, ist mehr als nur die gemeinsame Herkunft. Sie haben in ihren Disziplinen Maßstäbe gesetzt: der Physiker und ETH-Rektor Günther Dissertori, der Chirurg und Klinikleiter Lukas Prantl, der Chemieprofessor Stefan Stoll, der Geruchsforscher Johannes Frasnelli, der ORF-Meteorologe Daniel Schrott und die Sinologin und Universitätsprofessorin Anna Stecher. Sie alle stammen aus Algund, haben hier ihre Kindheit verbracht und sind hier zur Schule gegangen. Mehrere von ihnen haben das Realgymnasium Meran besucht und den Futura-Förderpreis für junge Südtiroler im Ausland erhalten: Günther Dissertori (1998), Stefan Stoll (2004), Anna Stecher und Lukas Prantl (2008). Auf Einladung der KVW-Ortsgruppe kommen sie am 15. Mai im Rahmen eines Heimatfernen-Treffens zu einem Abend unter dem Motto „Algunder in der Welt“ in ihr Heimatdorf zurück. In der Aula der Mittelschule erzählen sie von ihren außergewöhnlichen Lebens- und Berufswegen.
Günther Dissertori – An der
Spitze der ETH Zürich
Der Weg von Günther Dissertori begann 1969 in Algund. Seine Karriere führte ihn von hier bis an die Spitze einer der bedeutendsten technischen Hochschulen der Welt. Heute ist er Professor für Teilchenphysik und Rektor der ETH Zürich. Schon früh zeigte sich sein Interesse an Technik und Naturwissenschaften. Von 1983 bis 1988 besuchte er das Realgymnasium „Albert Einstein“ in Meran. Astronaut zu werden, war lange ein ernsthafter Traum von ihm. Tatsächlich bestand er sogar die ersten Auswahlrunden der italienischen Raumfahrtbehörde. Ein medizinisches Problem beendete diesen Traum, doch die Begeisterung für die Physik blieb bestehen. Nach der Matura begann Dissertori ein Physikstudium an der Universität Innsbruck. Während dieser Zeit wuchs sein Interesse an der Grundlagenforschung. Ein entscheidender Schritt war seine frühe Beteiligung an einem Forschungsprogramm der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) bei Genf. Dort sammelte er erste Erfahrungen in der internationalen Teilchenphysik.

Forschung am CERN
1997 promovierte Dissertori in Innsbruck mit „summa cum laude“ und arbeitete anschließend am CERN an hochkomplexen Experimenten der Teilchenphysik mit. Besonders bedeutend war seine Mitarbeit am CMS-Experiment am „Large Hadron Collider“, dem weltweit größten Teilchenbeschleuniger. In einem 27 Kilometer langen Ringtunnel, der 100 Meter unter der Erde liegt, werden Protonen oder Ionen mit nahezu Lichtgeschwindigkeit kollidiert, um fundamentale Bausteine der Materie und die Bedingungen kurz nach dem Urknall zu erforschen. Dieses Experiment trug maßgeblich zum Nachweis des „Higgs-Bosons“ bei, einer fundamentalen Entdeckung der modernen Physik, für die Peter Higgs und François Englert 2013 den Nobelpreis erhielten. Dissertori arbeitete dabei eng im internationalen Forschungsteam zusammen.
Physikprofessor an
der ETH Zürich
Günther Dissertori wurde im Jahr 2001 im Alter von 31 Jahren zum Assistenzprofessor an der ETH Zürich berufen. Die ETH Zürich ist eine der weltweit führenden Universitäten für Technologie und Naturwissenschaften und kann zahlreiche Nobelpreisträger vorweisen, darunter auch ihren berühmtesten Absolventen und ehemaligen Professor Albert Einstein. 2007 erfolgte seine Ernennung zum ordentlichen Professor für Teilchenphysik. Durch seine Tätigkeit an der ETH und am CERN etablierte sich Dissertori als einer der führenden Experimentalphysiker seiner Generation. Neben der Forschung wurde auch die Lehre zu einem zentralen Bestandteil seiner Arbeit. Für seine Lehrtätigkeit wurde er mehrfach von Studierenden ausgezeichnet. Er selbst betont, dass man komplexe Inhalte erst dann wirklich verstanden habe, wenn man sie verständlich erklären könne. Für Aufsehen sorgte im Jahr 2022 die Nachricht, dass Dissertori zum Rektor der ETH Zürich gewählt wurde. Damit ist er für die gesamte Lehre der Universität verantwortlich. Günther Dissertori steht exemplarisch für eine Generation Südtiroler Wissenschaftler, die international Spitzenpositionen erreicht haben – so wie auch der nur um ein Jahr ältere Lukas Prantl.
Lukas Prantl – Spitzenchirurg und Forscher in Regensburg
Auch Lukas Prantl (* 1968) begann seinen Weg in Algund. Nach dem Abschluss der Matura an der Lehrerbildungsanstalt (LBA) in Meran studierte er Medizin in Innsbruck, wo er 1994 mit Auszeichnung promovierte. An führenden Kliniken in Deutschland setzte er seine medizinische Ausbildung fort. Am „Klinikum rechts der Isar“ der Technischen Universität München, das zu den 20 besten Krankenhäusern weltweit zählt, absolvierte er seine Facharztausbildung in Chirurgie. Anschließend spezialisierte er sich an der Universität Regensburg in den Bereichen plastische und ästhetische Chirurgie (Facharzt 2004) sowie Handchirurgie (Zusatzbezeichnung 2008). 2007 habilitierte er sich an der Medizinischen Fakultät der Universität Regensburg und legte damit den Grundstein für seine universitäre Laufbahn. Ein bedeutender Abschnitt seiner Karriere war im Jahr 2009 ein Forschungsaufenthalt als Gastprofessor am renommierten M. D. Anderson Cancer Center in Houston (University of Texas), das zu den weltweit führenden Zentren für Krebsforschung zählt.

Universitätsprofessor
und Klinikleiter
2010 wurde Prantl zum Direktor des Hochschulzentrums für Plastische, Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie an der Universität Regensburg und dem Caritas-Krankenhaus St. Josef ernannt, das er in den Jahren zuvor aufgebaut hatte. Anlässlich der Eröffnungsfeier hielt Reinhold Messner die Laudatio. Das Hochschulzentrum gilt heute als eines der führenden Zentren seiner Art in Deutschland und ist als europäisches Trainingszentrum für Fachärzte anerkannt. Im Jahr 2019 absolvierte Prantl zusätzlich ein Studium im Bereich Gesundheitsmanagement und erwarb den „Master of Health Business Administration“ (MHBA) an der Universität Erlangen-Nürnberg. Lukas Prantl ist nicht nur klinisch tätig, sondern auch stark in der Forschung verankert. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte umfassen die Gewebedurchblutung und Mikrozirkulation, die regenerative Medizin, die Nutzung von Fettgewebe und Fettstammzellen zur Gewebeerneuerung, die rekonstruktive Chirurgie nach schweren Verletzungen und Tumorerkrankungen sowie die Erforschung ästhetischer Wahrnehmungen und menschlicher Attraktivität. Er ist Präsident mehrerer Fachgesellschaften, darunter der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) sowie der Deutschen Gesellschaft für Klinische Mikrozirkulation und Hämorheologie (DGKMH). Im Jahr 2025 wurde er zudem zum Vizepräsidenten der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie gewählt. Damit übernimmt er eine zentrale Führungsrolle in einer der ältesten medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften Deutschlands. Besonders große Hoffnungen setzt der Mediziner auf Stammzellen aus körpereigenem Fettgewebe – etwa zur Wundheilung oder Rekonstruktion nach Tumoroperationen. In der Ärzteliste von FOCUS Gesundheit wird Lukas Prantl regelmäßig unter Deutschlands Top-Medizinern geführt – unter anderem in den Bereichen Wiederherstellungschirurgie, Brustchirurgie sowie Lip- und Lymphödem.
Johannes Frasnelli –
Geruchsforscher in Kanada
Gerüche wecken Erinnerungen, lösen Gefühle aus und ziehen uns entweder an oder stoßen uns ab. Genau hier setzt die Arbeit von Johannes Frasnelli an: Er hat den menschlichen Geruchssinn ins Zentrum seiner Forschung gestellt. Frasnelli wurde 1974 zwar in Luzern, dem Heimatland seiner Mutter, geboren. Aufgewachsen ist er jedoch in Algund und besuchte das Realgymnasium in Meran. Schon sein biografischer Weg – zwischen Schweiz, Südtirol und später Kanada – spiegelt wider, was seine Karriere prägt: internationale Offenheit und wissenschaftliche Neugier ohne Grenzen.


Zwischen Europa,
USA und Kanada
1993 begann er ein Medizinstudium an der Universität Wien, welches er 2001 abschloss. Bereits seine Doktorarbeit beschäftigte sich mit einem ungewöhnlichen Thema: „Riechen und Schmecken bei chronischer Niereninsuffizienz“. Damit war der Grundstein für seine spätere Spezialisierung gelegt. Nach dem Studium führte ihn sein Weg an das „Interdisziplinäre Zentrum für Riechen und Schmecken“ der Technischen Universität Dresden. Dieses Zentrum ist weltweit führend, wenn es um die Erforschung und Behandlung von Riech- und Schmeckstörungen geht. Dort arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Es folgten internationale Stationen, die seine wissenschaftliche Laufbahn entscheidend prägten: Von 2006 bis 2007 forschte er an der McGill University in Kanada, die zu den führenden Zentren für Neurowissenschaften zählt. Danach war er am Kinderkrankenhaus Centre hospitalier universitaire Sainte-Justine in Montréal tätig. Im Jahr 2009 habilitierte er sich an der TU Dresden mit einer Arbeit über das intranasale trigeminale System – ein komplexes Nervensystem, das eng mit der Wahrnehmung von Reizen in der Nase verbunden ist.
Was passiert im Gehirn,
wenn wir riechen?
Nach Forschungsaufenthalten am Monell Chemical Senses Center in den USA und weiteren Jahren in Montreal übernahm Frasnelli im Jahr 2014 eine Professur im Fachbereich Anatomie an der Université du Québec à Trois-Rivières. Heute lebt und arbeitet er in Kanada, bleibt jedoch wissenschaftlich und persönlich eng mit Europa und insbesondere Südtirol verbunden.
Frasnellis Forschung zeigt, dass der Geruchssinn anders funktioniert als das Sehen oder Hören. Gerüche gelangen unmittelbar in jene Hirnregionen, die für Emotionen, Erinnerung, Lernen und Belohnung zuständig sind, das sogenannte limbische System. Das erklärt, warum Gerüche so stark mit Erinnerungen verbunden sind. Er beschreibt die Nase deshalb bildhaft als eine „Kathedrale“: klein am Eingang, aber weit verzweigt und tief ins Gehirn hineinreichend.
Geruchssinn als Frühwarnsystem
Ein wichtiger Schwerpunkt seiner Forschung ist die medizinische Bedeutung des Geruchssinns. Frasnelli untersucht, inwiefern Geruchsstörungen mit Krankheiten zusammenhängen können. Besonders relevant sind dabei neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer. Bei bis zu 90 – 95 % der Parkinson-Patienten treten Geruchsstörungen bereits 10 bis 15 Jahre vor den klassischen Symptomen auf. Ein weiterer faszinierender Aspekt seiner Forschung ist die Verbindung zwischen Geruch und Emotion. Gerüche beeinflussen unser Verhalten oft unbewusst – von der Partnerwahl bis hin zur Erinnerung an Menschen oder Orte. Dies spielt auch im Alltag und in der Wirtschaft eine Rolle: Düfte werden gezielt im Marketing und in der Produktgestaltung eingesetzt, um Emotionen auszulösen und Kaufentscheidungen zu beeinflussen.
Neben seiner Forschung ist Frasnelli auch als Wissenschaftsvermittler aktiv. Er hält Vorträge, tritt in Podcasts auf und veröffentlicht populärwissenschaftliche Bücher. Sein Buch „Wir riechen besser als wir denken“ wurde als Wissenschaftsbuch des Jahres ausgezeichnet.
Stefan Stoll – Der Chemieprofessor in Seattle
Der Weg von Stefan Stoll (* 1973) führt von Algund über Österreich und die Schweiz bis in die USA – und mitten hinein in die Forschung zu den Energiequellen von morgen. Der Chemiker lehrt heute an der University of Washington in Seattle und beschäftigt sich mit Fragen, die angesichts des Klimawandels und steigender Energiebedürfnisse immer drängender werden. Stoll verbrachte seine Schulzeit in Algund und am Realgymnasium in Meran. Nach dem Abitur zog es ihn nach Graz, wo er Technische Chemie studierte. Es folgte die Promotion in Physikalischer Chemie an der ETH Zürich.
Forschungsaufenthalte, unter anderem an der University of California in Davis, erweiterten seinen wissenschaftlichen Horizont, bevor er im Jahr 2011 an die University of Washington in Seattle berufen wurde. In einem internationalen Auswahlverfahren setzte er sich dort gegen mehr als 200 Bewerber durch. Im Mittelpunkt seiner Forschung steht die physikalische Chemie komplexer Systeme. Er gilt als international führender Experte für EPR-Spektroskopie. Diese Erkenntnisse sind entscheidend, um biochemische Prozesse zu verstehen, etwa jene, die im Herzmuskel ablaufen oder bei der Energieumwandlung eine Rolle spielen.
Daneben beschäftigt sich Stoll mit Zukunftstechnologien zur Energiegewinnung.
In seinen Vorträgen spricht er unter anderem über Lithium-Luft-Batterien, die Elektroautos deutlich größere Reichweiten ermöglichen könnten. Auch Plastik-Solarzellen zählen zu seinen Forschungsinteressen. Es handelt sich um dünne, flexible Materialien, die sich sogar auf Fensterflächen aufbringen lassen und so Energie direkt im Alltag erzeugen. Besonders visionär ist die künstliche Photosynthese, ein Verfahren, bei dem Sonnenenergie genutzt wird, um Wasserstoff oder Methanol zu produzieren. Diese Stoffe könnten als saubere Energieträger der Zukunft dienen. Neben der Forschung spielt auch die Lehre eine wichtige Rolle. In Seattle leitet Stoll ein internationales Team von Nachwuchswissenschaftlern und vermittelt komplexe Inhalte aus den Bereichen Chemie, Physik und Biologie.
Seine Arbeit wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit renommierten Nachwuchspreisen in der physikalischen Chemie. Weniger bekannt ist seine zweite Leidenschaft: die Musik. Stoll studierte neben Chemie auch Querflöte, arbeitete als freischaffender Musiker und spielte unter anderem mit den Wiener Symphonikern.

Daniel Schrott – Südtirols
Meteorologe beim ORF in Wien
Auch Daniel Schrott (* 1981) hat seine Wurzeln in Algund. Er besuchte ebenfalls das Realgymnasium in Meran. Heute lebt er in Wien, wo er als Meteorologe beim ORF arbeitet. Derzeit nimmt er eine Auszeit für die Elternzeit. Seit 2006 gehört er zur Wetterredaktion und ist regelmäßig im beliebten Radioprogramm Ö3 zu hören. Schrott beschäftigt sich vor allem mit der Wetterentwicklung und den Folgen des Klimawandels. In seinen Vorträgen betont er, dass der Klimawandel bereits Realität ist und Anpassungsstrategien notwendig sind. Besonders der Alpenraum werde sich seiner Meinung nach stark verändern. Schrott erklärt, dass sich die Temperatur im Raum Meran in den vergangenen hundert Jahren um rund drei Grad erhöht hat. Dies könne langfristig Auswirkungen auf die Landwirtschaft, den Tourismus und den Lebensraum haben. So könnten künftig andere Kulturen angebaut werden und touristische Schwerpunkte könnten sich in höhere Lagen verlagern. In seinen Vorträgen erläutert er zudem, wie moderne Wetterprognosen mit Satelliten, Radar und komplexen Modellen entstehen. Trotz moderner Technik bleibt die Wettervorhersage jedoch immer auch mit Unsicherheiten verbunden.

Anna Stecher – Die
Sinologin in Neapel
Der Schwerpunkt von Anna Stecher (* 1980) liegt auf der chinesischen Literatur- und Theaterwissenschaft. Aufgewachsen in Algund, begann sie ihre akademische Laufbahn mit einem Studium der Orientalistik an der Universität Bologna. Schon früh zog es sie nach China, wo sie nicht nur studierte, sondern auch tief in Sprache, Literatur und Kultur eintauchte. Es folgten längere Aufenthalte in Peking, unter anderem im Rahmen eines Masterstudiums in moderner und zeitgenössischer chinesischer Literatur an der Beijing Normal University. Diese frühe, intensive Auseinandersetzung mit China prägte ihren wissenschaftlichen Zugang nachhaltig: Stecher versteht Literatur nicht nur als Text, sondern als kulturelles Ereignis, das in engem Zusammenhang mit gesellschaftlichen Entwicklungen steht. Ihre akademische Ausbildung setzte sie später in Europa fort. An der Ludwig-Maximilians-Universität München promovierte sie in Theaterwissenschaften; darüber hinaus verfügt sie über eine zweite Promotion im Bereich der modernen chinesischen Literatur. Diese doppelte wissenschaftliche Verankerung – in Europa und China – bildet die Grundlage ihrer heutigen Forschung. Beruflich lehrte Stecher viele Jahre am Institut für Sinologie der LMU München, bevor sie 2022 an die Universität Neapel „L’Orientale“ wechselte, wo sie heute als Associate Professor tätig ist. Dort forscht und lehrt sie zu zeitgenössischem chinesischem Theater, Literaturtransformationen und kultureller Übersetzung.

Vermittlerin zwischen
Europa und China
Ein zentrales Thema ihrer Arbeit ist das moderne chinesische Theater und dessen Entwicklung im Spannungsfeld von Tradition, Politik und globalem Austausch. Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit ist sie auch als Übersetzerin und Herausgeberin aktiv. Sie hat zahlreiche chinesische Theaterstücke ins Deutsche übertragen und an Sammelbänden mitgearbeitet, die den kulturellen Dialog zwischen China und Europa beleuchten. Ihre Übersetzungen gelten als präzise und zugleich literarisch sensibel, da sie nicht nur Inhalte, sondern auch kulturelle Nuancen zu vermitteln versucht.
Auch als Autorin hat sie sich einen Namen gemacht. In ihren literarischen Arbeiten verarbeitet sie eigene Erfahrungen zwischen Europa und Asien. China war 2009 Gastland der Frankfurter Buchmesse. Anlässlich dieses Ehrengastauftritts hat das chinesische Staatsamt für Presse und Publikationen (GAPP) Übersetzungsförderungen vergeben. Zu den ausgewählten Übersetzerinnen gehörte auch Anna Stecher, die zusammen mit ihrer chinesischen Kollegin Zhang Weiyi den Roman „Dida” der jungen Autorin Xu Lu ins Deutsche übersetzte. Anna Stecher ist Herausgeberin der „Hefte für Ostasiatische Literatur“ und der „Contemporary German–Chinese Cultures in Dialogue“. Für ihre Leistungen wurde Anna Stecher bereits früh ausgezeichnet, unter anderem mit dem Förderpreis für junge Südtirolerinnen im Ausland. Dieser würdigt besonders jene, die außerhalb Südtirols in Wissenschaft, Kultur oder Wirtschaft herausragende Beiträge leisten.
Siegmar Ladurner –
Der Volksmusiker in Tirol
Es gäbe noch mehr „Algunder in der Welt“ zu nennen: Thomas Stoll, Professor für Mathematik an der Université de Lorraine, seine Schwester Marion Stoll ist Oberärztin für Innere Medizin mit den Schwerpunkten Hämatologie und Onkologie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien. Alexandra Illmer arbeitet für das Kinderhilfswerk UNICEF. Und dann wäre da noch der langjährige Banker Siegmar Ladurner, der in Tirol als Musiker bekannt ist. Besonders prägend ist seine langjährige Mitwirkung im sogenannten Ötztaler Viergesang („Ö4“), einer Gesangsformation, die sich auf traditionelle Volkslieder spezialisiert hat. Ein wesentliches Merkmal seiner Arbeit ist die Verbindung von Musik und Erzählung. Ladurner und seine Mitmusiker gestalten Abende, bei denen nicht nur gesungen, sondern auch erklärt wird, woher die Lieder stammen und welche Lebensrealitäten sie widerspiegeln. Dadurch entsteht ein Zugang, der Volksmusik nicht als museale Folklore versteht, sondern als lebendige kulturelle Praxis. Volksmusik ist für ihn kein nostalgisches Relikt, sondern ein kulturelles Gedächtnis. Sie erzählt von Arbeit, Gemeinschaft und regionaler Identität und bleibt gerade deshalb relevant, weil sie Erfahrungen festhält, die sonst leicht verloren gehen würden.

Heimatfernen-Treffen am
15. und 16. Mai in Algund
„Wir freuen uns darauf, am 15. und 16. Mai viele Algunder aus aller Welt bei uns begrüßen zu dürfen“, sagt KVW-Ortsobfrau Monika Illmer. „Wir sind neugierig auf ihre Erinnerungen und Erfahrungen und darauf, wie sie heute auf ihre Heimat blicken, wo sie aufgewachsen sind, zur Schule gingen und gelebt haben.“ Auf dem Programm stehen neben der öffentlichen Begegnung am Freitagabend, am Samstag eine kulturhistorische Exkursion zum Thema „Steinach und Wein“, die Besichtigung von Sennerei und Pfarrkirche, eine Filmvorführung über Algund sowie ein gemeinsames Mittagessen im Thalguterhaus.
Josef Prantl