Wo Geschichte auf Moderne trifft

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8. Mai 2026
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Wo Geschichte auf Moderne trifft

Der historische Bio-Bauernhof Stein unter Lebenberg wirkt auf den ersten Blick als idyllischer, landwirtschaftlich geprägter Weiler aus dem 13. Jahrhundert. Hinter den dicken Mauern verbirgt sich eine Symbiose aus Geschichte, naturnaher Architektur und modernem Wohnkomfort.

Die Geschichte des Anwesens reicht bis ins Jahr 1217 zurück, als das kleine Schloss Stein erstmals urkundlich erwähnt wurde. Über viele Generationen hinweg war es Sitz des landesfürstlichen Gerichts der „Richter von Stein“. Im Laufe der Zeit wandelte sich der repräsentative Schlossbau schrittweise zu einem lebendigen Bauernhof, der sich seit 1858 im Besitz der Familie Ladurner befindet – und das spürt man an jedem Stein, in jedem verwinkelten Gang. Auch heute noch erzählen Mauern, Gewölbe und Details von der langen Geschichte dieses besonderen Ortes und verleihen ihm eine unverwechselbare Atmosphäre, die Vergangenheit und Gegenwart auf eindrucksvolle Weise verbindet. Über die Jahrhunderte hinweg wurde hier gearbeitet, gelebt, gewirtschaftet und immer wieder angepasst – ohne den Charakter des Ortes zu verlieren. Jede Epoche hat ihre Spuren hinterlassen, die sich heute zu einem vielschichtigen Gesamtbild verweben, das Besucher unmittelbar in seinen Bann zieht.

Behutsamer Wandel
mit Feingefühl

Mit viel Respekt und architektonischem Feingefühl hat Daniel Ladurner das Erbe seiner Vorfahren neu interpretiert. Er wollte kein Museum schaffen, sondern die historische Grundlage mit modernem Leben füllen. So sind vier individuelle Ferienwohnungen entstanden, die jeweils ihren eigenen Charakter besitzen. Klare, moderne Linien treffen auf massive Holzdecken, Kalkputzwände und Böden aus einheimischer Eiche. Diese hochwertigen Naturmaterialien schaffen nicht nur eine warme und geschützte Atmosphäre, sondern sorgen auch für ein besonders angenehmes und gesundes Raumklima. Licht, Material und Raum wirken dabei bewusst zurückhaltend und lassen die historische Struktur weiterhin sichtbar und erlebbar. Große Fensteröffnungen holen zusätzlich die umliegende Landschaft ins Innere und verbinden Wohnraum und Natur auf natürliche Weise. Die baulichen Maßnahmen, geplant von Geometer Günther Kiem & Partner, wurden mit großer Sorgfalt umgesetzt. Im Erdgeschoss wurde die bestehende Holzdecke durch eine Stahlbetondecke ersetzt, um Platz für moderne Haustechnik, Abflussleitungen und eine flächendeckende Fußbodenheizung zu schaffen. Fenster und Balkontüren wurden erneuert und mit integrierten Beschattungssystemen ausgestattet, die sich dezent in die historische Bausubstanz einfügen. Besonders wichtig war dabei, dass keine zusätzliche Wohnkubatur geschaffen wurde. Das äußere Erscheinungsbild blieb unverändert, während die Innenräume zeitgemäß und komfortabel gestaltet wurden. Durch das Entfernen überflüssiger Trennwände entstanden offene, lichtdurchflutete Grundrisse, die den heutigen Ansprüchen an Wohnqualität entsprechen. Gleichzeitig wurde durch die Erneuerung von Böden und Aufbauten auch die Energieeffizienz verbessert. Die sorgfältige Sanierung zeigt eindrucksvoll, wie sich historische Substanz und moderne Anforderungen in Einklang bringen lassen. Große Sorgfalt galt auch der Wiederverwendung vorhandener Materialien, wo immer dies möglich war, um Ressourcen zu schonen und die ursprüngliche Bausubstanz wertzuschätzen. Dadurch bleibt der authentische Charakter des Hauses nicht nur erhalten, sondern wird bewusst weitergetragen.

Gelebte Philosophie

Für Daniel Ladurner ist Nachhaltigkeit gelebter Alltag. Ein Großteil des Energiebedarfs wird über Photovoltaik- und Solaranlagen gedeckt, wodurch der Hof weitgehend unabhängig betrieben werden kann. Diese Haltung zeigt sich auch im täglichen Umgang mit Wasser, Energie und regionalen Produkten. Kreislaufwirtschaft und kurze Wege spielen dabei eine zentrale Rolle. Auch Erweiterungen wurden zurückhaltend umgesetzt. An der Nordseite entstand ein eingeschossiger Zubau mit Aufenthaltsraum und Hofladen, der sich ins Gesamtbild einfügt. Ein zusätzlicher Kellergang verbessert die Abläufe. Park-, Grün- und Spielflächen sind klar gegliedert und durch natürliche Elemente getrennt. Ergänzt wurde der Hof durch ein kleines Schwimmbecken, das sich unaufdringlich einfügt.

Die Stein unter Lebenberg-Apartments zeigen einen sensiblen Umgang mit historischer Architektur. Es ist gelungen, die Substanz eines über 800 Jahre alten Ortes zu bewahren und gleichzeitig modernen Komfort und ökologische Verantwortung zu verbinden. Ein Stück Südtirol, das Geschichte sichtbar macht und Raum für Neues schafft.

 

Der Mensch
hinter dem Hof

Daniel Ladurner ist eng mit dem Ort verbunden und kennt die Umgebung im Detail. Als erfahrener Bergsteiger und Eiskletterer verbringt er viel Zeit in der Natur – eine Erfahrung, die seine Sicht auf den Hof ebenso prägt wie seine Arbeit mit dem Gelände rundherum. Er weiß, wie sich Landschaft, Wetter und Bedingungen im Laufe der Jahreszeiten verändern, und gibt dieses Wissen auch an seine Gäste weiter. Dabei geht es weniger um „Erlebnisse“ als um Orientierung und ein gutes Gespür für die Region. Sein Zugang ist geprägt von Respekt gegenüber dem Bestehenden und einem klaren Blick nach vorne. Er hat den Hof konsequent weiterentwickelt, dass er auch für kommende Generationen Bestand hat. Stein unter Lebenberg ist damit kein Ort, der stehen geblieben ist, sondern einer, der zeigt, wie sich ein Hof über Jahrhunderte hinweg entwickeln kann und dennoch im Einklang mit seiner Geschichte und Umgebung.

Markus Auerbach