

Ein neues Kapitel beginnt für die Gemeinde Nals: Mit Eduard Gasser steht ein erfahrener Gemeindepolitiker an der Spitze des Dorfes. Nach Jahrzehnten im Gemeinderat hat er 2025 nun die Verantwortung als Bürgermeister übernommen.

Bürgermeister Eduard Gasser
Herr Bürgermeister Gasser, Sie wurden 2025 mit einer klaren Mehrheit von 60,4 Prozent zum Bürgermeister von Nals gewählt, und das nach über 35 Jahren im Gemeinderat. Was motiviert Sie nach so langer Zeit immer noch, sich so intensiv für die Gemeindepolitik einzusetzen?
Eduard Gasser: Das ist eine berechtigte Frage. Seit dem Abschluss der Oberschule interessiere ich mich dafür, im Dorfleben aktiv zu sein. Dieses Interesse und die Freude an der Arbeit sind bis heute ungebrochen. Ich sehe, dass ich von den Leuten Unterstützung habe, und das ist der Grund, warum ich dieses Amt angenommen habe.
Was macht Sie am meisten stolz daran, jetzt Bürgermeister Ihrer Heimatgemeinde Nals zu sein?
Stolz ist, denke ich, das falsche Wort. Dennoch ist es eine Genugtuung, wenn man nach 35 Jahren in der Gemeindepolitik immer noch so viele Wählerstimmen erhält. Das freut mich und ich hoffe, dass es nicht abnimmt.
Sie haben in Ihrer langen politischen Laufbahn drei Bürgermeister erlebt: Peter Kollmann, Franz Pircher und zuletzt Ludwig Busetti. Welche wichtigen Erfahrungen oder Lehren nehmen Sie von Ihren Vorgängern mit ins neue Amt – und was möchten Sie anders oder besser machen?
Eine Beurteilung meiner Vorgänger steht mir, denke ich, nicht zu. Ich habe aber sicherlich viele Lehren daraus gezogen. Jeder Mensch ist natürlich anders, jeder hat einen anderen Charakter und auch einen anderen Zugang zu den verschiedenen Problemen im Dorf. Mein Anliegen besteht darin, keine radikal großen Änderungen einzuleiten, sondern auf dem bisherigen Niveau gut weiterzuarbeiten. Gemeindepolitik ist keine Parteipolitik. Gemeindepolitik ist vor allem Sacharbeit, Verwaltung in einem Dorf. Und darin möchte ich so gut wie möglich weitermachen.
Zu den zentralen Herausforderungen der nächsten Jahre zählen die Schaffung neuen Wohnraums, die Weiterentwicklung der Sportzone und die Zukunft des Schwimmbads. Wie setzen Sie hier Ihre Prioritäten? Was steht ganz oben auf Ihrer Agenda?
Wenn man das programmatische Dokument genauer betrachtet, stehen andere Themen sicher noch weiter vorne. Dazu zählt erstens die Erweiterung der Grundschule, da wir einen Bedarf in den nächsten Jahren erwarten. An zweiter Stelle steht die Sanierung des sogenannten Ulrichsheims – ein Haus mit Altenwohnungen, das allerdings in die Jahre gekommen ist. Danach kommt sicher das Thema Sportzone. Dort gibt es verschiedene Anliegen, und eine Arbeitsgruppe beschäftigt sich damit und sammelt Ideen. In den nächsten Monaten wird sich zeigen, ob kleinere Investitionen bald umgesetzt werden können und größere Umgestaltungen in einem breiteren Zeitfenster erfolgen. Was den Wohnraum betrifft, sehen wir keine unmittelbare Dringlichkeit. In Nals wurde in den letzten Jahren viel gebaut, und wir haben eine Wohnbauzone unter dem Restaurant Figl. Dort ist noch ein Baulos für fünf Parteien offen, da es noch nicht genügend Interessenten gibt. Im Zuge der Erstellung des Gemeindeentwicklungsprogramms oder bei der Umnutzung alter Bausubstanz im Dorf interessiert uns durchaus, ob es Möglichkeiten gibt, leistbaren Wohnraum zu schaffen.

Wo sehen Sie in Nals Ihrer Meinung nach den größten Aufholbedarf – sei es in der Infrastruktur, im sozialen Bereich, bei der Jugend oder anderswo?
Einen wesentlichen Aufholbedarf sehe ich nicht. Hier muss ich sagen, dass meine Vorgänger schon sehr viel geleistet haben. Effektiv ist sicher der Bereich Bar in der Sportzone anzugehen, was schon seit Längerem ansteht und jetzt wirklich umgesetzt werden muss.
Nals steht für eine starke Landwirtschaft, ist als „Rosendorf“ bekannt, verfügt über ein Bildungszentrum, Gewerbe und ist ein „Mountainbike-Paradies“. Wie möchten Sie diese identitätsstiftenden Bereiche in Zukunft weiterentwickeln und stärken?
Wenn wir nicht wollen, dass Nals zu einem Schlafdorf wird, müssen auch Aktivitäten, wie die eben genannten stattfinden. Die Gemeinde muss dabei vor allem logistisch unterstützen. Ansonsten sehe ich keine Notwendigkeit für neue Initiativen. Vielmehr sollten die bestehenden unterstützt werden – ebenso die Vereine, etwa durch Infrastruktur und ähnliche Maßnahmen.
Somit wird keine neue Tourismuszone ausgewiesen.
Das ist bei uns in Nals überhaupt kein Thema. Die meisten Tourismusbetriebe befinden sich im Dorfzentrum. Soweit es möglich ist, können diese sich durchaus erweitern, aber außerhalb ist es in Nals absolut nicht geplant, eine Tourismuszone auszuweisen.
Bei den Prissianer Auen wird hingegen immer wieder über die Schaffung einer Gewerbezone gesprochen.Was ist dran an dem Vorhaben?
Diese Bestrebungen liegen schon sehr lange zurück. Inzwischen hat sich das zerschlagen, was man im Nachhinein auch als Fehler erkannt hätte. In unmittelbarer Nähe befinden sich der Reitplatz und auch die Sportzone. Demnach hätte die Schaffung einer Gewerbezone dort keinen Sinn ergeben. Sollte die bestehende Gewerbezone erweitert werden, wird dies sicher anschließend an die bestehende Zone „Giessen“ erfolgen.
Im Zusammenhang mit der Mobilität im Dorf gab es ebenfalls Überlegungen – insbesondere zur Schaffung einer vom Dorfzentrum unabhängigen Verbindung zwischen Gampen/Prissian und der MeBo.
Es ist so: In Nals gibt es Bürger, die ein solches Vorhaben wünschen, weil wir besonders in der Früh durch den Pendlerverkehr auf der Hauptdurchzugsstraße für unsere Verhältnisse einen ziemlichen Verkehr haben. Dabei handelt es sich nicht nur um Verkehr aus Prissian oder Tisens, sondern auch um Personen aus Gfrill, dem Ultengebiet oder teilweise vom Nonsberg, die in Bozen arbeiten. Sogar aus Völlan wird oft die Verbindung über Nals genutzt, um nach Bozen zu kommen, statt über Lana.
Deshalb hat sich die Route über Nals als Ausweichroute entwickelt. Mehrere Nalser möchten diese Umstände beseitigen. Eine Umleitung nur innerhalb des Dorfes würde das Problem jedoch lediglich von einer Straße auf die nächste verlagern. Eine alternative Idee ist, von der Mülldeponie Tisner Auen in Richtung Gampenstraße eine Verbindung zu schaffen. Dieses Anliegen besteht nicht nur in Nals, sondern auch in Prissian und Tisens, insbesonders in Prissian, wo es eine sehr enge Dorfdurchfahrt gibt. Durch diese kommen Busse und Lastwagen bei der niedrigen Brücke nicht durch. Zudem heißt es, dass auch der Lanener Bürgermeister diesem Vorhaben nicht abgeneigt ist.
Es ist ein Anliegen, das wir weiterverfolgen möchten, auch wenn uns bewusst ist, dass es nicht ganz oben auf der Prioritätenliste des Landes steht. Die derzeitige Verbindungsstraße Nals–Prissian ist ebenfalls eine Landesstraße, und auch eine alternative Verbindung fällt in die Zuständigkeit des Landes. Ein Vorteil der Variante Tisner Auen wäre, dass in Gargazon bereits eine bestehende MeBo-Ausfahrt vorhanden ist und die Zufahrt in Richtung Tisner Auen bereits ausreichend breit und groß dimensioniert ist. Somit wäre ein großer Teil der Infrastruktur bereits vorhanden.
Wenn Sie im Jahr 2030 auf Ihre Zeit als Bürgermeister zurückblicken – was möchten Sie dann über sich selbst sagen können?
Ich möchte mit ruhigem Gewissen sagen können, dass ich nach bestem Wissen und Gewissen für meine Gemeinde gut gearbeitet habe. Das ist mein tiefster Wunsch. Am Ende meiner Amtszeit möchte ich nicht sagen: „Ich habe dieses oder jenes gebaut.“ In der langen Zeit in der Gemeinde habe ich gelernt, dass man sich zwar einsetzen kann, es aber immer wieder Umstände gibt, weshalb manche Dinge nicht so schnell umgesetzt werden können. Wenn es mir gelingt, gewisse Dinge durchzubringen, ist es gut. Jedenfalls möchte ich sagen können, dass ich mich eingesetzt habe und das getan habe, was möglich war.
Philipp Genetti