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Gemeinsam gegen das Vergessen

Der 25. April zählt in Italien zu den wichtigsten Gedenktagen: Er erinnert an die Befreiung vom Nationalsozialismus und Faschismus und steht für die Wiedergewinnung von Freiheit und Demokratie. In Südtirol ist dieser besondere Tag, vor allem unter der deutschsprachigen Bevölkerung der ländlichen Gebiete leider immer noch, höchstens eine Randnotiz wert. Umso schöner war es zu sehen, dass dieser Tag in Meran (aber auch in Bozen) heuer in einer besonders lebendigen Form begangen wurde. Ein erweitertes Programm an Veranstaltungen ergänzte das traditionelle Gedenken und lud viele Menschen dazu ein, sich aktiv mit Geschichte und Gegenwart auseinanderzusetzen. Den Auftakt bildete am Vormittag die offizielle Gedenkfeier auf dem städtischen Friedhof samt Kranzniederlegung. In würdigem Rahmen wurde dabei an die Opfer erinnert und der historischen Ereignisse gedacht, die zur Befreiung führten.  Im Anschluss öffnete der ost west club est ovest seine Türen und entwickelte sich bis in die Nachmittagsstunden zu einem lebendigen Treffpunkt für Bürger aller Generationen. Das Programm verband Musik, Literatur und persönliche Erfahrungsberichte zu einer vielschichtigen Auseinandersetzung mit dem Thema Widerstand und Freiheit. Künstlerische Beiträge wechselten sich mit erzählerischen Momenten ab, die individuelle Erinnerungen und aktuelle Perspektiven sichtbar machten. Besonders eindrücklich waren die Schilderungen junger Menschen, die im Rahmen des Erinnerungsprojektes „Pro Memoria Auschwitz“ das Vernichtungslager Auschwitz besucht hatten und ihre Eindrücke und Erfahrungen mit dem Publikum teilten. Bei Gesprächen, kleinen Speisen und musikalischer Begleitung wurde der Club zu einem Ort des Austauschs und der Begegnung. Gedanken und Reflexionen zum Begriff der Freiheit wurden gesammelt, sichtbar gemacht und als gemeinsames Zeichen festgehalten. Am Nachmittag verlagerte sich ein Teil der Aktivitäten bewusst in den öffentlichen Raum. In der Sparkassenstraße wurde von ANPI (Associazione Nazionale Partigiani d’Italia) eine Diskussionsrunde organisiert, die historische Hintergründe des Widerstands beleuchtete und Bezüge zur heutigen Zeit herstellte. Experten traten dabei in direkten Dialog mit dem Publikum, beantworteten Fragen und regten zur Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Themen an. Ergänzt wurde die Diskussion durch Lesungen, die zentrale Werte wie Mut, Verantwortung und demokratisches Engagement eindrucksvoll in Erinnerung riefen. Parallel dazu entwickelte sich im Park’O im Marconi Park ein großes Fest, das bis in die Abendstunden zahlreiche Besucher anzog. Bei freiem Eintritt bot die Veranstaltung Musik, kulinarische Angebote und Aktivitäten für alle Altersgruppen. Die ungezwungene Atmosphäre machte es leicht, miteinander ins Gespräch zu kommen und den Feiertag gemeinsam zu erleben. Die Initiative wurde vom Coworking della Memoria, der Gewerkschaftsorganisation SGB/CISL, von Fisascat und vom Kollektiv EL:SA organisiert Insgesamt zeigte sich, dass der 25. April in Meran in diesem Jahr auf besonders gelungene Weise gestaltet wurde. Die Verbindung von Gedenken, kulturellen Impulsen und aktiver Beteiligung eröffnete einen vielfältigen Zugang und machte seine Bedeutung für die Gegenwart deutlich sichtbar.

Thomas Kobler