

Durchforstet man das Internet, so stellt man fest, dass „ChoryFeen“ ein durchaus beliebter Name für Frauenchöre ist. Unabhängig davon fand auch der Frauenchor von Gargazon zu seinem Namen. Und der Name ist Programm: 20 Sängerinnen treffen sich mittlerweile regelmäßig zum Proben und Musizieren. Ein Rückblick auf die ersten zehn Jahre Chorgeschichte. Obfrau Katja Angerer im Gespräch mit der BAZ.
Frau Angerer, beginnen wir ganz von vorne: Wie ist der Frauenchor in Gargazon entstanden?
Katja Angerer: Im Leben braucht es manchmal einfach die richtigen Umstände: eine erste Obfrau mit einer guten Idee und dem Mut, einen Chor zu gründen, eine Chorleiterin, die sich auf ein solches Abenteuer einlässt, und natürlich ein paar Frauen, die Freude am Singen haben und Lust darauf verspüren, gemeinsam etwas Neues aufzubauen. So hat alles begonnen.
Die erste Chorprobe fand bekanntlich am 5. Oktober 2016 statt. Wie haben Sie diesen Abend heute in Erinnerung?
Es war ein besonderer und zugleich spannender Abend, an den ich mich noch heute gerne erinnere. Für einen kleinen, heiteren Zwischenfall sorgten zwei Frauen, die sich zunächst irrtümlich zu uns gesellt hatten, weil sie eigentlich an einer zeitgleich stattfindenden anderen Veranstaltung teilnehmen wollten. Eine von ihnen singt noch heute mit uns.
Wer gehörte zur ersten Gruppe von Sängerinnen, und wie hat sich das Ensemble damals gefunden?
Es kamen 24 Frauen aus dem Dorf zusammen, die zwar alle die Freude am Singen teilten, aber ganz unterschiedliche Persönlichkeiten und Hintergründe mitbrachten. Noch wusste niemand genau, wohin die musikalische Reise gehen würde. Gemeinsam mit unserer Chorleiterin, Frau Gertraud Mair, haben wir aber von Anfang an gespürt, worum es eigentlich geht: um die Freude am Singen, um Gemeinschaft und Freundschaft – und natürlich auch um eine ordentliche Portion Gaudi. Genau diese Mischung hat unseren Chor von Anfang an geprägt.

Viele Chöre entwickeln im Laufe der Zeit einen musikalischen Schwerpunkt oder ein bevorzugtes Repertoire. Wie hat sich das bei den ChoryFeen entwickelt?
Zu unserem Repertoire zählen heute Evergreens, Gospels und Spirituals ebenso wie spirituelle und geistliche Lieder. Dabei sind wir immer offen für Neues und auf der Suche nach Liedern, die uns inspirieren und musikalisch neue Erfahrungen ermöglichen. Besonders wichtig ist uns, dass die Musik nicht nur schön klingt, sondern etwas in den Menschen bewegt und berührt. Die Lieder sollen zu dem passen, was wir vermitteln möchten, und eine Verbindung zu den Menschen schaffen.
Was waren die ersten Gelegenheiten, bei denen Sie gemeinsam aufgetreten sind?
Unsere ersten Auftritte waren vor allem bei Gottesdiensten und bei verschiedenen kulturellen Veranstaltungen. Das waren für uns wichtige erste Erfahrungen als Chor.
Darauf folgten Auftritte bei verschiedensten gesellschaftlichen, kirchlichen und festlichen Anlässen. Was waren für Sie rückblickend die schönsten Momente dieser zehn Jahre?
Es fällt schwer, aus zehn Jahren einzelne Höhepunkte herauszugreifen, denn jedes unserer Projekte war auf seine eigene Weise prägend und hat uns neue Erfahrungen ermöglicht. Besonders in Erinnerung bleiben jene Momente, in denen Musik Menschen miteinander verbunden hat. Ein schönes Beispiel dafür war „Die Jahreszeiten des Lebens“, bei dem Kinder, Jugendliche und Erwachsene gemeinsam auf der Bühne standen. Auch das Konzert mit den Schülerinnen der Mittelschule Carl Wolf in Meran ist uns in guter Erinnerung geblieben. Bei unseren Friedens- und Mitsingkonzerten wurde das Publikum selbst Teil des musikalischen Geschehens – Momente, die eine ganz eigene Atmosphäre geschaffen haben. Eine außergewöhnliche Erfahrung war hingegen „Kunst im Abrisshaus“ im Kolpinghaus Bruneck, wo Gesang und bildende Kunst miteinander verbunden wurden. Rund 270 Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft gestalteten die Räume, durch die sich unser Gesang bewegte. Im Oktober 2026 erscheint ein Buch dazu unter dem Titel „KUNST IM ABRISSHAUS –Eine gemeinschaftliche Kunsttherapie XXL – auf dem Weg in eine neue Zeit.“ Sehr berührt hat uns auch das Projekt „Hommage an die Frau“, das sich mit unterschiedlichen weiblichen Lebensrealitäten auseinandersetzt und uns bis heute begleitet. Eine Zusatzaufführung dieses Projekts findet am 7. März 2027 in Marling statt.
Der Chor wuchs heran und führte schließlich zur Gründung eines eigenständigen Vereins mit Jahresprogramm und Ausflügen. Welche Rolle spielt das Vereinsleben abseits des Singens?
Das Vereinsleben ist für uns eine wichtige Ergänzung zum gemeinsamen Singen. Ein Chor besteht schließlich nicht nur aus Stimmen, sondern aus Menschen. Gemeinsame Aktivitäten schaffen Möglichkeiten, sich auch außerhalb der Proben und Auftritte besser kennenzulernen und als Gemeinschaft zusammenzuwachsen.
Mit dem Herbst dieses Jahres begehen die ChoryFeen ihr zehntes Chorjahr. Wie wird dieses Jubiläum in Gargazon gefeiert?
Unser Jubiläumsprojekt verbindet verschiedene Erfahrungen und Elemente aus zehn Jahren Chorarbeit. Dabei möchten wir das Publikum nicht nur als Zuhörer begrüßen, sondern in das Geschehen einbeziehen. Wir laden alle herzlich ein, am 10. April 2027 im Raiffeisensaal in Gargazon gemeinsam mit uns zehn Jahre ChoryFeen zu feiern, in unser Chorleben einzutauchen und diesen besonderen Abend mit uns musikalisch zu erleben.
Welche Höhepunkte erwarten die Sängerinnen und das Publikum im Jubiläumsjahr?
Unser Jubiläumsprojekt ist bereits in Ausarbeitung und nimmt immer konkretere Formen an. Wir freuen uns darauf, es im kommenden Jahr mit unserem Publikum zu teilen. Und wer weiß – vielleicht hält das Jubiläumsjahr darüber hinaus noch die eine oder andere Überraschung für uns bereit.
Mit zehn Jahren im Rücken geht es mit Schwung in das nächste Jahrzehnt. Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Chors und seiner engagierten Sängerinnen?
Ich wünsche mir vor allem, dass wir uns unsere Offenheit und unsere Freude am gemeinsamen Singen bewahren. Wir möchten weiterhin neue musikalische Erfahrungen sammeln und uns nicht auf ein bestimmtes Format festlegen lassen. Für mich steht dabei die Idee „Kunst entsteht im Wir“ sinnbildlich für unsere Zukunft. Musik kann Brücken bauen, Menschen unterschiedlicher Generationen und Hintergründe zusammenbringen und Räume für Begegnung schaffen. Genau diese Kraft möchten wir auch in Zukunft nutzen. Und natürlich wünsche ich mir, dass wir weiterhin viele Frauen für das gemeinsame Singen begeistern können und als Gemeinschaft zusammenbleiben. Zehn Jahre sind ein schöner Meilenstein – aber gleichzeitig auch ein Ausgangspunkt für viele weitere gemeinsame Projekte, Begegnungen und musikalische Erlebnisse.
Philipp Genetti