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Ein stiller Ort, der stärkt

Die Maria-Hilf-Kirche in Oberlana, geprägt von einer bewegten Geschichte und zahlreichen wundersamen „Mirakelberichten“ liegt in der Vill – ein Ort, der neue Aufmerksamkeit verdient.

Viele kennen sie vom Vorbeigehen, manche haben vielleicht einen Blick hineingeworfen. Aber nur wenige wissen noch, welche Geschichte in dieser kleinen Barockkirche steckt. Und noch weniger Leute ahnen, dass sie einst zu den bedeutenden Wallfahrtsorten der Gegend gehörte. Über Generationen hinweg kamen Menschen hierher, wenn sie Trost suchten, Heilung erhofften oder einfach an einem Punkt angekommen waren, an dem sie nicht mehr weiterwussten. Genau darin liegt auch heute noch ihre besondere Kraft.
Die Geschichte beginnt im Jahr 1641, als bei der Falschauerbrücke ein Bildstock errichtet wurde. Bald zog dieses verehrte Maria-Hilf-Bild so viele Menschen an, dass daraus zunächst eine Kapelle und später eine Kirche wurde. Aber schon 1647 zerstörte ein Hochwasser der Falschauer das Gotteshaus vollständig. Das Gnadenbild konnte jedoch wie durch ein Wunder gerettet werden. Der nachfolgende Kirchenbau, 1652 geweiht, gilt als einzige Barockkirche in Lana.
Was viele nicht wissen: Die Kirche gehört bis heute nicht dem Klerus, sondern der Interessentschaft Vill Oberlana. Das hat historische Gründe. Weil die Falschauer den Ortsteil immer wieder bedrohte, nahmen die Menschen den Schutz ihres Lebensraums selbst in die Hand. Sie errichteten die Kirche aus Eigeninitiative und erhielten sie nicht nur als Gebetshaus, sondern auch als sichtbares Zeichen – als geistigen Schutz gegen die immer wieder bedrohliche Falschauer. Bis heute ist sie damit ein Symbol für Zusammenhalt, Eigenverantwortung und Schutz.
Ihre große Zeit erlebte die Maria-Hilf-Kirche im 17. und 18. Jahrhundert. Davon erzählt das sogenannte Mirakelbuch, in dem über 150 Gebetserhörungen festgehalten sind. Menschen, vor allem aus dem Burggrafenamt und dem mittleren Vinschgau, kamen hierher – mit Krankheiten, Geburtsnöten, Ängsten oder nach Unfällen – und berichteten von Hilfe, die sie der Fürsprache der Gottesmutter zuschrieben. Nicht weniger als 820 Votivtafeln zeugen vom großen Zulauf. Das ist eine Zahl, die heute fast unglaublich klingt – und ahnen lässt, welche Bedeutung dieser Ort einmal hatte.
Was steht nun in diesem Mirakelbuch? Etwa die Begebenheit des Apothekers Valerius Prunner, der 1657 bei einem Unfall mit seinem Pferd in höchster Lebensgefahr war. In seiner Not rief er Maria Hilf an – und der Bericht erzählt, dass die Pferde eines herannahenden Wagens plötzlich stillstanden, sodass er unverletzt gerettet werden konnte. Oder die Geschichte eines kleinen Kindes, das an einem verschluckten Knochen zu ersticken drohte. Die Mutter wandte sich verzweifelt im Gebet an die Gottesmutter – kurz darauf konnte das Kind wieder atmen.
Man muss die Mirakelberichte heute nicht wie einen medizinischen Befund lesen. Sie erzählen von etwas Zeitlosem: von Momenten der Angst, von Hoffnung – und von dem Bedürfnis, sich in schwierigen Situationen an etwas Größeres zu wenden. Genau darin liegt die eigentliche Aktualität der Maria-Hilf-Kirche. In einer Zeit, in der viele vieles haben, aber oft wenig Ruhe finden, könnte sie wieder das werden, was sie einmal war: ein Ort zum Innehalten, Aufatmen und Neu-Ausrichten. Die Maria-Hilf-Kirche ist täglich von 9 bis 18 Uhr wieder geöffnet und frei zugänglich für alle. Auch für jene, die auf der Suche nach Schönheit, Ruhe und Orientierung sind. Und um die alte Tradition wieder erlebbar zu machen, werden ab Juni bis Oktober 2026 an jedem ersten Mittwoch um 19 Uhr einzelne Wunderberichte aus dem historischen Mirakelbuch vorgestellt – verbunden mit einem kurzen Impuls oder Gebet, das Kraft und Zuversicht für den Alltag mitgeben möchte. Interessierte sind herzlich eingeladen, den Geschichten zu lauschen und die besondere Atmosphäre der Kirche neu zu entdecken.
Die erste Mirakelvorstellung am 3. Juni 2026 wird von Theologe und Seelsorger Don Paolo Renner mit einem kurzen Statement zum Thema „Glaube und Wunder“ vorgestellt.
Simone Santer