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Die Luis-Zuegg-Straße

Die Luis-Zuegg-Straße ist in den vergangenen Jahrzehnten mit ihrer Gewerbezone „Passer“ zu einem wichtigen Wirtschaftsstandort für Meran herangewachsen.

Besonders attraktiv ist der Standort durch seine Erreichbarkeit und unmittelbaren Nähe zu zwei bedeutenden Auffahrten auf die Schnellstraße MeBo. Es sind vor allem kleine bis mittelständische Betriebe, die sich in der Gewerbezone niedergelassen haben und von denen einige eine lange Tradition aufweisen. Sie reichen vom Handwerk, der Dienstleistung, dem Handel bis hin zur Spedition.

Die Geschichte des Areals
Die alte Kasernenmauer hinter dem Gewerbepark „Passer“ und der Straßenname „Brogliati“ erinnert an die dunkelste Zeit des Areals. Die Kaserne wurde in den Jahren 1938 und 1939 für das Kommando der italienischen Grenzwache für den 13. Abschnitt des faschistischen Alpenwalls, der Befestigungslinie im Vinschgau und im Passeiertal, errichtet. Zwischen 1943 und 1945 diente das Gebiet der Deutschen Wehrmacht auch als Lager für beschlagnahmtes Material und war Ne­benlager des Durch­­gangs­lagers von Bozen. Die meisten Gefangenen des Satelliten-Lagers von Meran waren wegen ihrer politischen Aktivität gefangen genommen worden, Familienangehörige von Antifaschisten oder Partisanen, die an der Front festgenommen wurden. Aber auch zahlreiche Frauen und Männer, die wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder Religion ins Lager gebracht worden waren. Um Weihnachten 1944 gelang es den beiden Frauen Albertina Brogliati und Ernesta Sonego über die Umzäunungsmauern des Lagers zu fliehen und sich bei einigen Meraner Bürger in Sicherheit zu bringen. An ihre bemerkenswerte Geschichte erinnert in der Gewerbezone heute noch die „Albertina-Brogliati“-Straße.

Mahntafel und Gedenkfeier
Anlässlich des Gedenktages an die Opfer der Shoah, am 27. Januar, wurde 2010 an den Überresten der Kasernenmauer ein Mahnmal errichtet um an die Gräueltaten des Faschismus und des Nationalsozialismus zu gedenken. Seither wird alljährlich, am 27. Januar dort eine Gedenkfeier mit Kranzniederlegung abgehalten. Diese Tradition wurde unter Einhaltung der geltenden Corona-Bestimmungen in diesem Jahr auch von der außerordentlichen Kommissarin zur vorläufigen Verwaltung der Stadtgemeinde Meran, Anna Aida Bruzzese, fortgeführt. Sie begleiteten, Subkommissar, Dr. Hermann Berger, der Kommandant der Meraner Ortspolizei, Dr. Fabrizio Piras, und die Präsidentin der Jüdischen Gemeinschaft Meran, Elisabetta Rossi Borenstein.
Zur Sensibilisierung für dieses dunkle Kapitel der Geschichte veranstaltete die Gemeinde Meran zum Tag des Gedenkens auch einige Initiativen. Darunter das Schauspiel „Dal campo di calcio ad Auschwitz – Storia di un allenatore ebreo e della sua famiglia“ mit Davide Giandrini (Vom Fußballplatz nach Auschwitz – Geschichte eines jüdischen Fußballtrainers und seiner Familie), das am 28. Januar auf Youtube übertragen wurde.

Von der Kaserne zur Gewerbezone
Nach Kriegsende wurde die ehemalige Bosin-Kaserne noch von verschiedenen Gebirgsjägerabteilungen, die allesamt zur Alpini-Brigade „Orobica“ gehörten, benutzt. 1991 wurde die Kaserne endgültig aufgelassen.

 

Betriebe in der Luis-Zuegg-Straße
Die Sozialgenossenschaft Albatros in der Luis-Zuegg-Straße von Meran, bietet seit über 25 Jahren eine besondere Alternative in den Bereichen Tischlerei, Reinigung und Gartenbau. Neben ihrem Anliegen die Wünschen ihrer Kunden zu erfüllen, bemüht sich das Unternehmen nämlich vorrangig um die Arbeitseingliederung von Personen mit physischen und psychischen Beeinträchtigungen, ehemalige Alkohol- bzw. Drogenabhängige, Haftentlassene und Arbeitslose kurz vor dem Rentenalter. Für das Team rund um die Direktorin Monika Thomaser, ist das nicht immer eine einfache Aufgabe. Die sie aber seit vielen Jahren schon mit klarem Erfolg weiterführen. Dafür zeugen rund 70 lohnabhängige Arbeitnehmer und über 50 Arbeitseingliederungsprojekte.

Das traditionsreiche Einrichtungshaus Comploj befindet sich unweit des Wielander-Spielplatzes und verfügt über eine angeschlossene Tischlerei. „Kreativität und Qualität“ ziehen sich wie ein roter Faden durch alle Bereiche von Complojs Einrichtungssortiment – von der Küche über die Wohnräume bis ins Bad, im Schlaf- ebenso wie im Arbeitszimmer und in der Dekoration, bei den Materialien wie in der Ausführung.
Einige handgelesene Ausstellungsstücke können in der Luis-Zuegg-Straße auch vor Ort besichtigt werden. Außerdem ist ein Besuch der Ausstellungsräume in Tscherms allemal einen Ausflug wert.

von Philipp Genetti