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Das Rosendorf Nals

Nals am südlichen Ende des Burggrafenamtes ist vor allem für seine Rosensträucher und den Weinanbau bekannt. Mehrere Burganlagen, eine bekannte Weiterbildungsstätte und das Marlene-Sunshine-Mountainbike-Rennen hat das Rosendorf auch noch zu bieten.

Wie weit die Siedlungsgeschichte von Nals zurück reicht, ist bis heute nicht endgültig geklärt. Allerdings belegen fünf Inschriften aus der Römerzeit, dass sich in Nals zu jener Zeit bereits eine bedeutende Siedlung befunden haben muss. Die Idee, es könnte sich sogar ein sogenanntes Municipium in Nals befunden haben, trifft in der Fachliteratur hingegen auf wenig Zustimmung. Die erste schriftliche Erwähnung des Dorfes Nals geht auf ein um die Jahre 842/43 verfasstes Güterverzeichnis zurück, in welchem vermerkt wird: „In Italia in villa Nalles…“, zu Deutsch: In Italien im Dorfe Nals. Der Name „Nals“ geht vermutlich auf die vorrömische oder römische Bezeichnung für „Boot“ oder „Baumrinde“ zurück. Einen besonderen Stellenwert erhielt der Standort Nals ab dem Jahre 1063, als in einer testamentarischen Bestimmung des Augsburger Domkapitels festgeschrieben wurde, dass ein gewisser Bischof Ebriko ein Gut mit vier anliegenden Höfen erworben hat, „von denen jeder eine Fuhre Wein mittels Wagen aus dem Ort Mölten in zwei Malen im Jahr an den Inn zu liefern hat“. Auch in den Folgejahren wurde ein Teil des in Nals produzierten Weins nach Augsburg geliefert. Im Laufe der frühen Neuzeit verlieren sich die Spuren des Besitzes des Augsburger Domspitzes. Die heutige Pfarr­kirche zum Heiligen Ulrich erinnert aber an jene Zeit. Denn sie soll mit großer Wahrscheinlichkeit auf dem ehemaligen Grund dieses Domkapitels stehen. Der Weinexport hatte in Nals weiter Bestand, sodass bis heute zahlreiche hochwertige Tropfen weit über die Alpengrenze hinweg verkauft werden.

Das Rosendorf
Wer in den warmen Jahreszeiten durch Nals wandert, kann über die Vielzahl an prachtvollen Rosen entlang der Wege, in den Wiesen und den Gärten der Nalser Bevölkerung staunen. Die Rosenkultur hat in Nals lange Tradition und gipfelt seit 2015 in den sogenannten Nalser Rosentagen. Ihren Ursprung nahm die Kultivierung von Rosen in den 1950er Jahren, als die ersten Nalser Rosenpioniere damit begonnen hatten, mit verschiedenen Rosenarten zu experimentieren. Die edlen Blumensträucher fanden in der Bevölkerung großen Anklang. Es entstand ein regelrechter Wettstreit. Die vielen bunten Rosensträucher, die wir heute noch im Dorf finden, machen verständlich, weshalb der Standort den Beinamen „Rosendorf“ trägt.

Judith Mathá

Die Nalser Rosenkönigin
Seit Mai 2018 vertritt Judith Mathà als erste Nalser Rosenkönigin die Gemeinde auf verschiedenen Veranstaltungen im In- und Ausland. Ein besonderer Höhepunkt war im Vorjahr die Teilnahme an den bekannten Traunsteiner Rosentagen in Deutschland, einer der größten Gartenausstellungen in Oberbayern.

Landwirtschaft und Weinbau
Auch wenn gemäß der produzierten Menge der Nalser Apfelanbau die Landwirtschaft prägt, trägt der Standort für seine vorzüglichen Weinerzeugnisse den Ehrentitel „Weindorf“. Neben hochwertigen DOC-Weinen wird in Nals auch der autochthone Edelvernatsch „Heiligenpergl“ angebaut. Der Spargelanbau hat in Nals ebenfalls Tradition und wird alljährlich mit den Nalser Spargelwochen gekürt. Eine kleine Besonderheit bietet sich hingegen in der Fraktion Sirmian. Dort werden vereinzelt auch Erdbeeren und Himbeeren angebaut.

Die Kellerei Nals Margreid
Die Erzeugnisse aus dem Weinbau werden vorwiegend in die Kellerei Nals Margreid geliefert. Es sind rund 138 Weinbauern, welche von der Kellereigenossenschaft betreut und vermarktet werden. Dabei sprechen wir von einer Rebfläche von ca. 160 Hektar. 2011 wurde der Sitz der Kellerei von dem Architekten Markus Scherer neugestaltet und erweitert. Das Ergebnis wurde von der Architektenkammer OAR aus Rom und dem Weinführer Gambero Rosso in der Kategorie „Interior Design“ sogar mit einem Preis ausgezeichnet. Auch die Weine der Kellerei werden alle Jahre wieder mit hohen Auszeichnungen prämiert. Der Baronesse Passito Moscato Giallo Baron Salvadori 2014 erhielt im Vorjahr mit dem Oscar del Vino, den der Weinführer „Bibenda“ vergibt, sogar einen der italienweit bedeutendsten Awards im Weinbereich.

Der Wirtschaftsstandort Nals
In der Gewerbezone Giessen haben sich zahlreiche Betriebe niedergelassen. Sie bilden den Wirtschaftsstandort der Gemeinde. Von Unternehmen im Tief- und Hochbau, einer Karosseriewerkstatt, einer Bäckerei bis hin zu mehreren Dienstleistern findet sich in der Zone ein ausgewogener Branchenmix. Besonders attraktiv ist die Gewerbezone durch ihre nahegelegene Tankstelle und die direkte Zufahrt auf die Schnell­straße Meran-Bozen. Um sich gegenseitig zu unterstützen haben sich die Handwerker in Nals außerdem zur Gruppierung „Die Handwerker Nals“ zusammengeschlossen.

Kunst und Kultur
Für mehr Kunst und Kultur bemüht sich in Nals hingegen die Kulturinitiative „Kulturforum“. Das Kulturforum wurde 1990 von Reinhold Perkmann ins Leben gerufen und bemüht sich darum, verschiedene kulturelle und musikalische Veranstaltungen in Nals zu organisieren. Dazu zählen auch zahlreiche Konzerte auf Schloss Schwanburg und der Burg Casatsch sowie mehrere Ver­an­stal­­tungen für Kinder und Jugendliche, oder der Nalser Ad­vent­­abend im Dezember.

Ansitze und mittelalterliche Bauten
Was in Nals für sich spricht, sind die zahlreichen Baudenkmäler. Dazu gehören die Ansitze Schönhaus und Schloss Schwanburg, der Alte Widum, das ehemalige Gasthaus Sonne, mehrere historische Hofstätten, Kirchen sowie die Burgen Payrsberg und Casatsch.

Burg Payrsberg
Die Burg Payrsberg befindet sich in der Fraktion Sirmian und vermittelt heute als Halbruine noch Erinnerungen an ihre prachtvollen Zeiten. Sie entstand im ersten Teil des 13. Jahrhunderts und besaß zur damaligen Zeit sogar eine Burgruine, welche im 15. Jahrhundert noch einmal verändert wurde. Eine bedeutende Rolle spielte die Burg unter dem Ritter Jakob Boymont von Payrs­berg. Doch 1600 wird die Burg in der Landesbeschreibung von Marx Sittich von Wolkenstein be­reits nur noch als verfallen und kaum bewohnbar beschrieben. Der älteste Teil der Burg ist heute schlecht erhalten, an einem Rundbogentor erkennt man aber noch deutlich das Wappen der einstigen Besitzerfamilie Boymont-­Payrsberg.

Burgruine Casatsch
Ein weiteres mittelalterliches Bauwerk, das in Nals nur noch als Ruine übrig blieb, ist die Burg Casatsch oder auch Pfeffersburg genannt. Auch wenn ihr Bau ins 12. Jahrhundert zurückreicht, sind die vorhandenen Überreste der Ringmauer jünger zu datieren. Die Pfeffersburg wechselte mehrmals Besitzer, bis sie schließlich in die Hände der heutigen Eigentümerin Verena Jordan kam. In den Jahren 2001/2002 leitete sie die aufwendigen Sanierungsarbeiten an der Burg. Casatsch kann das ganze Jahr über besichtigt werden.

Das Privatmuseum von Hansjörg Erschbamer
Das private Dorfmuseum der Familie Erschbamer am Hof Birkenstein ist in Nals ein absoluter Geheimtipp. Das Museum entstand 1989, als der Hobbychronist und Geschichtsbegeisterte Hans­jörg Erschbamer auf dem elterlichen Hof mit der Errichtung eines Privatmuseums begonnen hatte. Es erforderte ein hohes Maß an Durchhaltevermögen und Überzeugungsarbeit, bis der Grundstein für das Museum gesetzt war, heißt es im Nalser Dorfbuch. Mittlerweile ist das Museum ein fester Bestandteil der Nalser Kultur und bietet seinen Besuchern, unter dem Motto „Wechselspiel der Geschichte und Geschichten“, einen Eindruck davon, wie die Leute vor über 100 Jahren auf den Feldern und in den Weinbergen gearbeitet haben und wie mühevoll es war, aus Trauben Wein zu machen.

Bildungshaus Lichtenburg
In der Fort- und Weiterbildung ist die Gemeinde Nals vor allem für das Sozialbildungszentrum Lichtenburg der Stiftung St. Elisabeth bekannt. „Getragen von einem christlichen Menschenbild, unterstützt die Stiftung St. Elisabeth mit dem Bildungshaus Lichtenburg das Recht auf Bildung in Südtirol“, beschreibt sich die Stiftung auf der Webseite der Lichtenburg. Die Stiftung wurde 2009 von der Caritas Diözese Bozen-Brixen und der Stiftung Liebenau aus Baden-Württemberg mit diözesanem Auftrag gegründet und greift in erster Linie das Potential bestehender kirchlicher Einrichtungen auf und sieht seine Aufgabe darin, deren sozialen Auftrag zu bewahren, weiterzuentwickeln und im Geist und in der Tradition der Gründer weiterzuführen.

Die Marlene Sunshine Race
Weit über die Grenzen Südtirols hinaus ist Nals hingegen auch im Sport bekannt. So trifft sich vom 13. bis 14. April die internationale Mountainbikeszene zur Marlene Sunshine Race. Dabei treten nationale und internationale Nach­wuchs-Mountainbiker der UCI Junior Series im Mountainbike Cross-Country im Wettkampf über eine anspruchsvolle Strecke von 4 km gegeneinander an. Es ist die 2. Etappe der Internazionali d’Italia Series 2019.
Organisiert wird das Rennen auch in diesem Jahr von den Sunshine Racers Nals. Der 1996 gegründete Verein „Sunshine Racers A.S.V Nals“ zählt mittlerweile über 100 Mitglieder und bemüht sich neben der Veranstaltung der Sunshine Race um die Förderung junger Mountainbiketalente.

 

von Philipp Genetti