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Das Kurhaus Meran

Das historisch einmalige Ensemble ist zeitlose Bauikone und Wahrzeichen der Kurstadt.

Die bis ins Detail gediegene Architektur, die erhabene Ausstrahlung des Baukörpers nach außen, die durchdachte Funktionalität und Sinnesfreude im Inneren ver­körpert insgesamt eine selten gelungene Harmonie der Formen und Farben, der vielfältigen Verwendungszwecke, der besonderen Erlebnisse für die Besucher. Das Meraner Kurhaus steht damit seit über100 Jahren, insbesondere mit seinem glanzvollen Jugendstilsaal, für illustre Feste von landesweitem Interesse par excellence zur Verfügung. Hervorragende Konzerte, Kongresse, gesellschaftliche Höhepunkte, entscheidende politische Versammlungen im Meraner Kursaal seit Beginn des 20. Jh. bleiben in Erinnerung.
Geschichtliches Umfeld
Sie widerspiegelt und begleitet die Entwicklungsgeschichte Merans als mondäner Kurort auf der Alpensüdseite. Im Mittelalter bis ins 15. Jh. war Meran schon einmal Landeshauptstadt der zu Schloss Tirol residierenden Landesfürsten. Mit seiner Altstadt zu Füßen des Küchelbergs, schützend befestigt von einer Stadtmauer mit vier Eingangstoren, war das Städtchen über 200 Jahre lang Münzprägstätte der bedeutsamen Grafschaft Tirol. Deren Residenz jedoch wanderte übers Gebirge aus nach Innsbruck, zudem wurde die wegsam gemachte Brennerstrecke zur wichtigsten Ader für Handel und Verkehr. Meran verlor seine Bedeutung als gesellschaftlicher Angelpunkt und Marktplatz. Bis ins frühe 19. Jh. dämmerte das Landstädtchen dahin ohne nennenswerte Impulse.
Die Entwicklung der Kurstadt
Erst um 1830 nach dem Napoleonischen Krieg erwachten die ersten Pioniergeister der Gästekultur im schöngelegenen Meran – in Verbindung mit namhaften Kurärzten, welche das milde Klima und die Heilwasser Merans als ideale Grundlage für Kuraufenthalte erkannten. Zuerst war es der hochkarätige Adel, dann das begüterte Bürgertum, welches in zunehmendem Maße Meran als den vielgepriesenen Südbalkon der Donau-Monarchie aufsuchten. Merans Zukunft als Kurstadt nahm ihren Anfang – 1836 gilt als historisches Stichdatum dafür – mit dem Gastbesuch von Fürstin Schwarzenberg und ihrem Leib­arzt Johann Nepomuk Huber, welcher in der Kaiserstadt Wien die Vorzüge heilender Kurbäder im südländischen Meran öffentlich publizierte. Bald mangelte es an Gästequartieren – um 1850 wurden rund ein Dutzend gutbesuchter Kurarztpraxen gezählt. Gästepensionen und Hotelanlagen entstanden. Durch die neueröffnete Eisenbahnlinie 1867 über den Brenner verdoppelte sich noch die Zahl der Kurtouristen. Ab 1870 war Meran mehrfach Kuraufenthaltsziel von Kaiserin Elisabeth samt Töchtern und Hofstaat – mit entsprechendem Publikumszulauf. Der Bau des ersten Meraner Kurhauses zur standesgemäßen Unterhaltung der Gästeflut war überfällig. Nach jahrelangem Gezänke um Bauplatz, Ausführungsprojekt und Finanzierung konnte dieser Neubau im Stadtzentrum an der Sommerpromenade samt Kur-Badeanstalt 1874 eröffnet werden. Der elegante Bau mit mehreren Sälen im Stil der Neoklassik, ausgeführt von der Wiener Baugesellschaft, wurde sogleich zum Besucherzentrum und hat sich nach diversen Umbauten als Pavillon des Fleurs bis heute erhalten.

Die elegante Rotunde als Empfangshalle

Um- und Neubauten des 20. Jahrhunderts
Zur Jahrhundertwende erlebt Meran seine „Belle Èpoche“ als Höhepunkt des Elite-Tourismus. Ein dementsprechender Kurbetrieb erfordert dringend aktualisierte Erneuerungen seines Angebotes. Das erste Kurhaus erwies sich als viel zu klein konzipiert; ein eigenes Kurmittelhaus sollte gesundheitsfördernde Kurbad-­Aspekte abdecken – für gesellschaftliche Events erstrebte das Me­raner Touristikkomitee bestehend aus Vertretern aller Stadtteile Außergewöhnliches.
1907 wurde das neue Kurmittelhaus als damalig modernster Wellness-­Tempel mit Säulenvorhalle, Marmor-Treppenaufgang unter kuns­t­­­vollem Glaskuppel­dach in Zentrumsnähe fertiggestellt – ein Ju­wel der Kurstadt. Dennoch war dem schönen Badehaus keine große Zukunft beschieden. Die Kriegs- und Besatzungszeit, die sich rasch ändernden Kuransprüche ließen die Nachfrage sinken bis zu seiner endgültigen Schließung 1962. Dafür schufen Merans Tou­ristiker 1972 die Salvar-Bäder­­oasen links­seitig der Passer. Diese wiederum währten nur kurz und wurden 30 Jahre später mit Engagement des Landes ersetzt durch den heutigen Thermenpark Meran mit neuem Thermenhotel und großzügigen Pools unter zeitgemäßer Glasarchitektur.
Nachhaltige Bauentscheidung
Zurück zur notwendigen Kurhaus-Erweiterung und dem Entschluss zum Neubau. Nach etwa 10 Jahren an aufwendigen und kostspieligen Projektierungen ohne Bauzuschlag gelingen um 1910 zwei entscheidende Errungenschaften: die ostseitige Erweiterung des Bauplatzes am bestehenden kleinen Kurhaus durch Grundzukauf bis hin zur Postbrücke sowie die Beauftragung einer Wiener Koryphäe, des Architekturprofessors Friedrich Ohmann für Entwurf, Planung und Bauleitung – der seinem Ruf als Architekt von Kaisers Gnaden gerecht wurde.
Aufgrund dieser Glücksgriffe gelang binnen zweier Jahre konzentrierter Bauphase 1912 – 14 die Vollendung eines Jahrhundert-­Bau­werks: der schlüs­selfertige Neubau des großen Kursaals nach Osten und der kraftvolle Prachtbau der Rotunde mit offener Kuppel als festliche Empfangshalle, Eingangsfoyer und Verbindungsteil zum bestehenden Westtrakt, welcher neu strukturiert und integriert wurde. Mit der Bauausführung ist die hiesige renommierte Baumeisterfirma Pietro Delugan betraut worden. Es konnten alle Prämissen und Wünsche der Meraner Kurverwaltung durch das geniale Baukonzept erfüllt werden – insbesondere die optimale Nutzung des

Stilvolle Architekturdetails prägen das gesamte Kurhaus

Höhenversatzes zwischen Freiheitsstraßenfront und Promenadenseite mit ausladenden Sonnenterrassen – mit direktem Zugang zu den Festsälen durch große Fenstertüren.

Der über 1100 m² große Kursaal ist das ele­gante Herzstück mit breiten seitlichen Balkonaden, mit seiner künstlerisch bemalten Rundgewölbedecke, die für hervorragende Akustik sorgt. Große, verdunkelbare Fensterfronten an den Längsseiten und Dachgiebeln lassen helles Tageslicht in den Jugendstilsaal mit Hunderten von stilechten Details fallen. Eine formvollendete Augenweide sind die filigranen eisernen Balkongeländer wie die messinggetriebenen Beleuchtungskörper im Stil der Wiener Secession. Ausfahrbare Hebebühne, darunter Künstlergarderobe und modernste Veranstaltungstechnik sind für das Kurhaus selbstverständlich. Es hat die schwierigen Jahre der Kriegswirren wie ein Wunder schadlos überstanden.
Seit gründlichen Renovierungsarbeiten vor 30 Jahren erstrahlt das Baudenkmal Kurhaus Meran im ursprünglichen Glanz für die Kurstadt und für ganz Südtirol.

 

von Jörg Bauer