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Das Projekt umfasst die Erweiterung und Fertigstellung eines Rohbaus, der über zwanzig Jahre teilweise leer und ungenutzt blieb. Es vereint unterschiedliche Nutzungen, anspruchsvolle topografische Gegebenheiten und die Herausforderung, den Betrieb der Brennerei während der gesamten Bauzeit aufrechtzuerhalten. Im Folgenden gibt Architekt Sebastian Tischer Einblicke in die wichtigsten planerischen, statischen und gestalterischen Entscheidungen.
Herr Tischer, wie sind Sie bei der Planung der bestehenden Bausubstanz umgegangen, insbesondere im Hinblick auf den laufenden Betrieb der Brennerei Felsenriss? Gab es besondere Herausforderungen bei der Verbindung von Alt- und Neubau?
Der laufende Betrieb der Brennerei war zu gewährleisten, da auch der Verkaufsraum im Gebäude untergebracht ist. Das war deshalb möglich, weil einerseits der Zugang zur Baustelle von der Mayenburgstraße aus für die oberen Stockwerke gegeben war und in den Stockwerken mit dem Betrieb keine großflächigen Arbeiten durchgeführt wurden. Der Kran konnte auf dem Nachbargrundstück der Firma Braun aufgestellt werden. Die enge und partnerschaftliche Zusammenarbeit beider Unternehmen erwies sich dabei als großer Vorteil: Durch die optimale Nutzung der verfügbaren Flächen entstand für beide Seiten ein Mehrwert. Während die Firma Braun auf ihrem Grundstück ein überdachtes Hochregallager realisieren konnte, entstanden für Felsenriss großzügige Garagen mit einem ansprechenden Innenhof. Darüber hinaus übernahm die Firma Braun sämtliche Holzbauarbeiten – vom Dachstuhl bis zur Fassadengestaltung –
und führte diese termingerecht sowie in hoher handwerklicher Qualität aus. Statisch mussten nur die Stahlstützen im Erdgeschoss verstärkt werden. Das bestehende Gebäude wurde 2001 errichtet. Die bestehende statische Struktur war ausreichend für das zusätzliche Parkdeck ausgelegt, sodass keine weiteren Verstärkungen notwendig waren, wie bereits im Vorfeld statisch nachgewiesen worden war.

Die Aufstockung um ein Geschoss und das darüber liegende überdachte Parkdeck stellen eine deutliche Erweiterung dar. Welche statischen und logistischen Überlegungen waren hier ausschlaggebend, und wie wurde die Erschließung über die Mayenburgstraße technisch gelöst?
Die Geländesituation mit der hohen Felswand zur Mayenburgstraße und deren Verlauf erlauben es, dass die drei obersten Stockwerke jeweils von der Mayenburgstraße erschlossen werden können. Auf Höhe des 2. Obergeschosses befindet sich eine bestehende Zufahrt zum Grundstück. Dadurch konnten im Bereich der seitlichen Erweiterung Garagen errichtet werden. Das 3. Obergeschoss ist mit einer Fußgängerbrücke mit dem Fußweg entlang der Mayenburgstraße verbunden. Das neue Parkdeck im 4. Obergeschoss ist über eine großzügige Rampe erschlossen und bietet überdachte Parkplätze und Fahrradabstellplätze.
In den beiden Stockwerken unter dem Parkdeck sind nun Betriebswohnungen, Büros und Dienstleistungsflächen untergebracht. Wie haben Sie die unterschiedlichen Nutzungen – produzierendes Gewerbe (Brennerei) und Wohnungen/Arbeiten – räumlich und schalltechnisch voneinander getrennt?
Das Gebäude bietet die übliche Mischung von Nutzungen in einer Gewerbezone. Es können Dienstleistungen, Gewerbe, Lager und die dazugehörigen Betriebswohnungen untergebracht werden. Da sich die Art der Nutzung erst mit dem Kauf/Verkauf endgültig entscheidet, muss während der Planung an alle Eventualitäten gedacht werden. Außerdem besitzen die bestehenden und neuen Strukturen unterschiedliche schalltechnische Eigenschaften. Aus diesem Grund wurden die Trennwände der Einheiten mit zusätzlichen Schallschutzwänden verbessert, die gleichzeitig als Installationswände dienen, wodurch ein zeitgemäßer Schallschutz gewährleistet ist.

Der Gewerbepark liegt im Gewerbegebiet von Völlan. Welche gestalterischen oder materialbezogenen Entscheidungen haben Sie getroffen, um das erweiterte Gebäude harmonisch in die bestehende Umgebung einzufügen?
Unser Neubauprojekt im Gewerbegebiet Völlan stellt exemplarisch dar, wie ein hoher Baukörper durch kluge gestalterische und materialbezogene Entscheidungen nicht nur in eine bestehende Bebauungsstruktur integriert, sondern auch aufgewertet werden kann. Besonders hervorzuheben ist die Gliederung über Balkone sowie Vor- und Rücksprünge. In einer heterogenen Umgebung, wie sie Gewerbegebiete oft darstellen, besteht die Gefahr, dass ein hohes Gebäude als Fremdkörper wirkt. Hier gelingt es, durch die vertikale und horizontale Unterteilung die Massivität optisch zu brechen und Bezüge zu den Nachbargebäuden herzustellen. Die stockwerkübergreifenden Geländeelemente sind ein kluger Kunstgriff. Sie verbinden die Geschosse zu einem fließenden Ganzen, bieten aber gleichzeitig auf den Balkonen Nischen für Privatsphäre – ein sinnvoller Kompromiss zwischen repräsentativer Fassade und menschlichem Maßstab. Die Entscheidung, das Dach über dem Parkdeck flach geneigt auszuführen und durch leichte Stützenpaare vom Baukörper abzuheben, ist gestalterisch und funktional überzeugend. Der „schwebende“ Eindruck mildert die Schwere des Volumens und schafft einen eleganten vertikalen Abschluss. Die Doppelnutzung der Dachfläche – extensiv begrünt in Kombination mit einer Photovoltaikanlage –
ist ökologisch vorbildlich sinnvoll. Die Materialpalette zeigt eine bewusste Bodenständigkeit. Verputzte Oberflächen in unterschiedlichen Farben gliedern die Fassade, ohne aufdringlich zu wirken. Entscheidend ist die Integration von Natursteinen für die Stützmauern und den neugestalteten Fußweg. Dieses Material schafft eine physische und visuelle Brücke zur Landschaft und zum Ortskern. Die Verbreiterung des Fußwegs entlang der Mayenburgstraße ist eine pragmatische und notwendige Verbesserung der Aufenthaltsqualität und Sicherheit für Fußgänger – sie zeigt, dass das Projekt über den Grundstücksrand hinausdenkt. Besonders hervorzuheben ist die Wiederverwendung des Holzes aus dem abgebrochenen Dachstuhl. Auch wenn das ursprüngliche Gebäude selbst keine historischen Bauteile im klassischen Sinne enthielt (da es nur als Rohbau bestand), verleiht eine Verwendung des Altholzes für die Fußgängerbrücke und die Geländerelemente dem Neubau eine subtile, aber authentische Patina.
Markus Auerbach