

Wie viele Frauen können wirklich sagen: „Über mein Geld entscheide ich selbst“? Wie viele können zum Friseur gehen, sich ein neues Kleid kaufen, etwas Geld zur Seite legen oder eine unerwartete Ausgabe bewältigen, ohne ihrem Ehemann oder Partner Rechenschaft ablegen zu müssen? Nach Angaben der italienischen Zentralbank verfügt jede sechste Frau in Italien – rund 16 Prozent – über kein eigenes Konto. Eine Studie des Museo del Risparmio zeigt, dass etwa ein Drittel der Frauen zwar ein Gemeinschaftskonto besitzt, dieses jedoch nicht selbst verwaltet. Die Kontrolle liegt beim Partner oder Ehemann. Das Ergebnis ist alarmierend: 44 Prozent der Frauen können nicht frei über ihr eigenes Geld verfügen. Ein eigenes Konto ist nicht nur eine Bankangelegenheit, sondern eine Frage der Freiheit. Es bedeutet, selbst entscheiden zu können, wie man sein Geld ausgibt, spart oder die Zukunft plant. Es bedeutet, für eine Ausgabe niemanden um Erlaubnis bitten zu müssen und sich weder kontrolliert noch beurteilt zu fühlen. Ein eigenes Konto kann aber auch der Schlüssel sein, wenn eine Beziehung scheitert oder der Partner gewalttätig wird. Für viele Frauen, die in einer von Gewalt geprägten Partnerschaft leben, ist die finanzielle Abhängigkeit eines der größten Hindernisse. Sie erstatten keine Anzeige, verlassen den Partner nicht und suchen keine Hilfe, weil sie über kein eigenes Geld verfügen, kein eigenes Konto haben und ihnen die finanziellen Möglichkeiten für einen Neuanfang fehlen. Zum Glück beginnt sich etwas zu bewegen. Mehrere Organisationen haben den Aufruf „Una donna, un lavoro, un conto corrente“ („Eine Frau, eine Arbeit, ein Konto“) gestartet und fordern die volle finanzielle Eigenständigkeit von Frauen. Im Senat wurde zudem ein Gesetzentwurf eingebracht, der vorsieht, dass Gehälter ausschließlich auf ein persönliches Konto der Arbeitnehmerin oder des Arbeitnehmers überwiesen werden dürfen. Dies ist ein wichtiger Schritt, doch eine gesetzliche Verpflichtung allein reicht nicht aus. Es muss auch sichergestellt werden, dass ein Konto leistbar ist. Gerade Frauen mit prekären, befristeten oder schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen verfügen häufig über kein eigenes Konto. Deshalb sind auch die Banken gefordert, kostenlose oder zumindest vergünstigte Konten für Frauen mit prekären oder niedrigen Einkommen anzubieten. Ein Bankkonto darf nämlich kein Luxus, sondern muss eine Normalität für jede Person sein.