Unterm Dach juche!
8. Mai 2026
Von hier. In die Welt
8. Mai 2026
Alle anzeigen

Der endlose Fall Garlasco

An einem heißen Augusttag des Jahres 2007 wurde der leblose Körper von Chiara Poggi in der Villa ihrer Eltern in Garlasco gefunden. Ein Mord, der sofort die Aufmerksamkeit ganz Italiens auf sich zog: Wie konnte es sein, dass eine junge Frau, deren Leben zwischen ihrem Freund und ihrem Studium verlief, so brutal getötet worden war?

Der Fokus der Ermittlungen richtete sich rasch auf Alberto Stasi, den Verlobten des Opfers. Er war es, der die Leiche gefunden und den Notruf abgesetzt hatte. Es fehlte zwar ein Motiv, doch das reichte nicht aus, um ihn zu entlasten. Nach einem langen und komplexen Gerichtsverfahren mit zwei Freisprüchen, wurde Stasi schließlich zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt.

Das Urteil löste bei vielen Zweifel aus: Nur 16 Jahre für einen Mord? Waren sich die Richter etwa seiner Schuld nicht ganz sicher? Und in der Tat steht der Fall nach 20 Jahren wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit. Nach der rechtskräftigen Verurteilung haben die Anwälte von Alberto Stasi mehrere Anträge auf Wiederaufnahme des Verfahrens gestellt. Alle wurden abgelehnt, bis die Staatsanwaltschaft von Pavia ein Gutachten als plausibel einstufte, das einige Blutspuren am Tatort als mit einer anderen Person vereinbar bewertete: Andrea Sempio, ein Freund des Bruders von Chiara Poggi.
Nach intensiven Ermittlungen mit Abhörungen, Auswertungen privater Notizen des Verdächtigen, bislang unbekannten Zeugenaussagen, nicht ausgewerteten Blutspuren und anderen neu entdeckten Beweisstücken, steht die Überzeugung der Staatsanwaltschaft fest: Sempio hat Chiara nach einem gescheiterten Annäherungsversuch getötet.

Seither dominiert der Fall Garlasco die Nachrichten stärker als jedes andere Thema. Ist etwa ein junger Mann fast 16 Jahre lang unschuldig im Gefängnis gesessen? Hat die Justiz versagt? Fragen, auf die es hoffentlich bald eine endgültige Antwort geben wird.