

Wohnen ist in Südtirol für viele junge Menschen und Familien längst zur Existenzfrage geworden. Gerade weil Baugrund bei uns so knapp und teuer ist, müssten wir eigentlich alle Möglichkeiten nutzen, um Flächen und Geld zu sparen. Gleichzeitig machen wir es aber den Leuten seitens Politik und Verwaltung extrem schwer, ihre Dachböden auszubauen. Denn abgesehen vom sogenannten Energiebonus, erhalten die meisten Hausbesitzer kaum zusätzliche Wohnkubatur zur Aufstockung bestehender Dachgeschosse. Das ist paradox, denn manchmal fehlt ein Meter, manchmal auch nur ein oder zwei Handbreit an Höhe, um die notwendige Raumhöhe für die Bewohnbarkeit und den Ausbau des Dachgeschosses zu bekommen. Dabei liegen die Vorteile der Aufstockung klar auf der Hand: Wer bestehenden Wohnraum nach oben erweitert, spart den teuren Grundankauf, vermeidet Erschließungskosten, verhindert Zersiedelung und schont damit Landschaft und Grünflächen. Eine ca. 80 m² große durchschnittliche Neubauwohnung kostet bei uns oft locker über 500.000 Euro. Die Erhöhung und der Ausbau eines gleichgroßen Dachgeschosses ist meist nicht mal halb so teuer. Keine der vielen Mietbeihilfen und Wohnbauförderschienen – die unseren Landeshaushalt übrigens hunderte Millionen Euro kosten – ist in der Lage neuen Wohnraum so preiswert zu erstellen.
Zudem würde der Ausbau bestehender Dachgeschosse auch die Wohnsituation vieler Familien verbessern, denn unterm Dach, hat nicht nur der Sperling seine Jungen: Wenn Familien wachsen oder Kinder größer werden, ist preiswerter zusätzlicher Wohnraum unter dem bestehenden Dach mehr als willkommen. Auch würden viele Südtiroler im eigenen Haus gern Wohnraum für die nächste Generation schaffen, wenn man sie endlich ließe. Wenn wir ständig von leistbarem Wohnen reden, dann müssen wir als Entscheidungsträger in Land und Gemeinden auch bereit sein, einfache und vernünftige Lösungen zuzulassen. Die politische Debatte zur Dachaufstockung hat durch das Dekret Salva Casa neuen Aufschwung bekommen und sollte auch in den Gemeinden ausführlicher als bisher geführt werden.