

Ein Stück Lananer Geschichte
Die Geschichte des Hauses reicht weit zurück. Schon im späten 18. Jh wird der erste Teil dieses Gebäudes, der Schmalzler, erwähnt. In der Folge wurde die Struktur um einen Zubau mit Mühle, der Reibmayr-Mühle am angrenzenden Mühlbach erweitert. Den heutigen Namen verdankt das Gebäude dem Bäckermeister Josef Schmidt, geboren 1851. Er stammte aus Neumarkt und ersteigerte den Schmalzler 1895. Im Parterre zogen die Backstube und die Verkaufsstelle ein. 1907 ließ der Bäckermeister sein Haus umbauen und erweitern. Der nunmehr, wie aus einem Guss scheinende dreigeschossige Grün-derzeitbau beinhaltet den älteren Vorgänger, von dem an der Nordseite noch ein sandsteingerahmtes Portal mit Oberlichte bis heute erhalten geblieben ist.

Tradition im Wandel
Im Jahr 1979 verlegte Hans Schmidt, mittlerweile Inhaber in der 4. Generation, die Backstube aufgrund der Betriebserweiterung und Umstrukturierung. Die Verkaufsstelle blieb jedoch bis im Jahr 2017 dort aufrecht. Das Geschäft war weiterhin für viele Lananer ein Dreh- und Angelpunkt für den täglichen Einkauf des frisch gebackenen Brotes.
Im Jahr 2017 entschied sich die Besitzerfamilie die Räumlichkeiten des Geschäftes umzugestalten. Neue helle, den heutigen Anforderungen entsprechende Büro- und Verwaltungsräume wurden geschaffen.
Darin befindet sich heute die Verwaltung der Bäckerei Schmiedl. Das gesamte restliche Gebäude blieb von den erwähnten Veränderungen verschont, es wurde weiterhin immer als Wohnraum genutzt. Im Jahr 2024 beschlossen Johannes, Greta und Tobias Schmidt das, unter Ensembleschutz stehende Haus, einer grundlegenden Sanierung zu unterziehen. Dazu ließen sie sich von sämtlichen Fachkräften für die Außen- und Innengestaltung beraten. Mit großem technischem und fachkundigem Aufwand wurde in den alten Steinmauern ein, vom Kellergeschoss bis zu den Dachwohnungen führender Aufzug eingebaut.
Das Stiegenhaus blieb in seinem ursprünglichen Aussehen erhalten. Das typische schmiedeeiserne Geländer und der Terrazzoboden prägen den Zugang zu den Wohneinheiten. Ein besonderes Schmuckstück stellt die sorgfältig restaurierte Eingangstür dar. Der Außenfassade wurde jene Farbtöne wiedergegeben, die das Haus bis zum Umbau bereits geprägt hatten und ausgezeichnet harmonieren mit dem Gesamtkonzept der Farbgebung im Haus. Eine weitere Herausforderung war das Errichten des neuen Daches mit so vielen Winkeln, Abschrägungen, Gauben und einem Eckerker, der auch ein Dach benötigte.

Charakter erhalten, Qualität schaffen
Bei der Renovierung der Innenräume war das Ziel immer jenes, dem Bestand Raum zu geben – ihn wirken zu lassen. Diese Zurückhaltung zeigt sich in der Wahl der Materialien. Die Böden aus Eiche im eleganten Fischgrätmuster verleihen den Wohnungen, Wärme und Struktur, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Bestehende Türen, soweit sie gut erhalten waren, wurden renoviert und weiterverwendet. Neue Türen entstanden im alten Stil, passgenau zum Charakter des Hauses. Die Übergänge zwischen Alt und Neu bleiben lesbar. Auch in den Bädern setzt sich dieser Ansatz fort. Die Fliesen am Boden im Terrazzostil greifen die Materialität des Stiegenhauses auf. Die Armaturen wurden bewusst so gewählt, dass sie wie damals wirken, ohne verstaubt zu sein. Besonders deutlich wird die Auseinandersetzung mit dem Bestand im Dachgeschoss, wo die alten Holzbalken freigelegt und sichtbar belassen wurden. Ein absolutes Herzstück sind die alten Kachelöfen von damals. Sie beinhalten Gemütlichkeit, Historie und ein nicht austauschbares Wohngefühl. Anstatt sie zu überlagern, wurden sie bewusst in Szene gesetzt. Die neuen Einbauten und Möbel treten in Farbe und Form zurück, bleiben relativ schlicht, sind in Naturtönen gehalten. Es wurde immer versucht das Bestehende in ein harmonisches Gesamtkonzept zu integrieren. Das Ergebnis ist weit mehr als ein renoviertes Gebäude. Es ist ein Stück bewahrte Identität und ein Zuhause mit Seele. Dem Innenarchitekturbüro Länge mal Breite der Vera Weiss aus Lana war es immer wichtig den Charakter des Gebäudes beizubehalten, es als sorgfältig geschriebene Fortsetzung seiner eigenen Geschichte zu sehen. Für die Bewohner bedeutet dies, dass sie nicht in einem austauschbaren Neubau, sondern in einem Haus mit Geschichte und Charakter leben. Der Schmiedlbeck steht heute als Beispiel dafür, wie Sanierung und Neugestaltung zusammen finden können. Die Geschichte des Hauses wurde nicht konserviert und auch nicht überschrieben – sie wurde weitergeschrieben. Die Botschaft des alterwürdigen Hauses, in dem lange Zeit Brot gebacken und verkauft wurde, ist klar: Qualität entsteht dort, wo Bestand ernst genommen wird. Der Schmiedlbeck in Oberlana zeigt, wie ein Gebäude durch achtsame Sanierung und klare Haltung eine neue Gegenwart erhält, ohne seine Vergangenheit zu verlieren. In einer Zeit, in der viele Einrichtungen verschwinden setzt dieses Projekt ein Zeichen für nachhaltige und wertschätzende Architektur.
Markus Auerbach