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Naturpark Texelgruppe

Viele kennen Terence Hill in seiner Rolle als Park-Ranger in der Fernsehserie „Un passo dal cielo“. Die beliebte Fernsehserie spielt in den Dolomiten. Terence Hill hat sich in der Rolle des besonnenen Naturparkaufsehers in die Herzen des italienischen TV-Publikums gespielt.

Mit Kriminalfällen hat es Arnold Rinner nicht zu tun. Als Präsident des Führungsausschusses Naturpark Texelgruppe kümmert er sich mehr mit der Entwicklung des Naturparks, um Projekte zu Umweltbildung, Wanderwegen, Besucherlenkung und Öffentlichkeitsarbeit.  Südtirol verfügt über sieben solcher Naturparks, dazu kommt der große Nationalpark Stilfser Joch.  Ein achter Naturpark war lange in Diskussion, wurde aber nie realisiert: Die Sarntaler Alpen im Herzen des Landes sollten unter Schutz gestellt werden. Die Südtiroler Naturparks schützen unsere alpinen Lebensräume, erhalten die Artenvielfalt, bewahren Natur- und Kulturlandschaften vor Verbauung und fördern nachhaltigen Tourismus sowie Umweltbildung und Forschung.  „Grundsätzlich ist jegliche Bautätigkeit verboten, Feuer entzünden ebenso, die Jagd ist im Sinne der Landesjagdordnung erlaubt. Notwendiger Verkehr ist nur mit Sondergenehmigung möglich, Zelten ist verboten”, erklärt Rinner. „Eigentlich sind die Naturparks entstanden, um Großprojekte zu verhindern, wir hätten sonst wohl viel mehr Skigebiete und Aufstiegsanlagen”,  ist er überzeugt.

Politischer Weitblick

Es ist schon bemerkenswert, dass die Landesregierung unter Silvius Magnago bereits in den 1970er-Jahren die ersten Naturparks gründete – vor genau 50 Jahren auch den Naturpark Texelgruppe. Mit dem aufkommenden Tourismus erkannten weitsichtige Persönlichkeiten schon damals, dass Wirtschaft und Natur in einem gesunden Gleichgewicht miteinander geregelt werden müssen.  Derzeit stehen 23 Prozent der Landesfläche unter Schutz. Allerdings beginnt dieser Schutz in höheren Regionen. Ziel sollte es sein, den Lebensraum auch talnah zu schützen. „Die Sensibilität der Bevölkerung gegenüber dem Naturschutz ist deutlich gestiegen und auch die Akzeptanz von Schutzgebieten hoch“, sagt Rinner. Natürlich gebe es auch immer wieder Konflikte, vor allem, wenn es um wirtschaftliche Interessen geht, räumt er ein.

Jubiläumsfeier im
Naturparkhaus Naturns

Als der Naturpark Texelgruppe am 15. März 1976 per Dekret gegründet wurde, war das kein einfacher politischer Schritt. Die Landesregierung unter Landeshauptmann Silvius Magnago setzte damit ein Programm um, das Landschaftsräume dauerhaft bewahren sollte. Doch die Idee stieß zunächst auf deutlichen Widerstand. Vor allem aus der Landwirtschaft und aus mehreren Gemeinden kamen Skepsis und Ablehnung, weil Einschränkungen und zusätzliche Auflagen befürchtet wurden. Schutzkriterien aufweichen oder rückgängig machen, steht EU-weit nicht zur Debatte – der Weg führt vielmehr in die andere Richtung. „Es gilt die EU-Vorgabe, dass bis 2030 jeder Staat 30 Prozent der Landesfläche unter Schutz stellen muss, 10 Prozent davon unter besonderen Schutz“, erklärt Rinner.

Größter  Naturpark Südtirols

Mit einer Fläche von rund 31.391 Hektar erstreckt sich der Naturpark Texelgruppe  über die acht Gemeinden Schnals, Naturns, Partschins, Algund, Tirol, Riffian, St. Martin und Moos in Passeier. Er reicht von mediterran geprägten Tallandschaften im Etschtal bis hin zu hochalpinen Gletscherregionen am Alpenhauptkamm. Sein höchster Punkt ist die Hintere Schwärze auf 3.624 Metern. Diese enorme Spannweite an Höhenlagen macht die Texelgruppe zu einem Naturraum der Extreme – und gleichzeitig zu einem der artenreichsten Schutzgebiete der Alpen.

Meilensteine eines
halben Jahrhunderts

Besonders prägend für die Entwicklung des Naturparks war neben seiner Gründung auch der Konflikt um ein geplantes Staudammprojekt beim Eishof im Pfossental. 1981 konnte dieses Vorhaben durch massive Proteste verhindert werden. Nur wenige Jahre später, 1985, wurde mit dem Meraner Höhenweg ein weiteres Schlüsselprojekt realisiert. Der rund 100 Kilometer lange Weg gilt bis heute als einer der bekanntesten Höhenwege der Alpen und verbindet auf eindrucksvolle Weise Naturerlebnis und Kulturlandschaft.

Verantwortung für die Zukunft

Diese Verantwortung wird heute zunehmend durch den Klimawandel herausgefordert. Der Gletscherschwund verändert die Landschaft sichtbar und rasant. Der Klimaforscher Georg Kaser fand dafür bei einer Jubiläumsveranstaltung am 9. Mai in Naturns deutliche Worte: „Aus der Weißkugel wird in Zukunft ein Schotterhaufen.“ Seine Analyse ist klar und ernüchternd: Die globale Erwärmung schreitet voran, Anpassung allein reicht nicht aus, wenn nicht gleichzeitig der Ausstoß von Treibhausgasen deutlich reduziert wird. „Oberste Priorität muss es sein, mehr für den Klimaschutz zu tun“, betonte Kaser.

Während die Natur sich verändert, wächst auch die Aufgabe des Naturparks als Vermittler zwischen Schutz, Nutzung und Bewusstsein. „Schutz und Bewirtschaftung müssen hier Hand in Hand gehen“, sagt Landesrat Peter Brunner. Diese Balance ist heute zentraler denn je, denn der Naturpark ist nicht nur Schutzraum, sondern auch Lebens- und Wirtschaftsraum.

Naturparkhaus Texelgruppe

Im Jubiläumsjahr 2026 wird diese Entwicklung sichtbar gefeiert. Im Naturparkhaus in Naturns und in den umliegenden Gemeinden werden Ausstellungen gezeigt, Wanderungen angeboten und neue Materialien zur Naturvermittlung präsentiert. Ziel ist es, den Naturpark nicht nur als Schutzgebiet, sondern als Erlebnisraum und Lernort zu vermitteln.

Doch bei aller Feierlichkeit bleibt der Blick in die Zukunft ernst. Besucherlenkung, Klimawandel, Biodiversitätsverlust und die steigende Nutzung der Alpenräume stellen den Naturpark vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig wächst die Bedeutung solcher Schutzgebiete. Sie sind längst nicht mehr nur Rückzugsräume für Natur, sondern auch Labore für den Umgang mit den Folgen des Klimawandels.

50 Jahre nach seiner Gründung steht der Naturpark Texelgruppe wieder an einem Punkt: eine Balance zu finden zwischen dem, was die Natur braucht, und dem, was der Mensch von ihr erwartet.

Josef Prantl