


Christoph Pircher blickt auf sein erstes Jahr als
Bürgermeister von Dorf Tirol zurück und gibt einen Ausblick.
Herr Bürgermeister, Sie haben dieses Amt lange angestrebt. Nach knapp einem Jahr im Amt: Entspricht die Realität Ihren Erwartungen?
Christoph Pircher: Ich würde durchaus sagen, dass die Realität meinen Erwartungen entspricht. Wir konnten in diesem Jahr schon einiges umsetzen. Das war genau das, was ich wollte.
Man munkelt, sie hätten ein Leben lang auf diesen Moment gewartet. Was sagen Sie dazu?
Es ist nicht so, dass ich ein Leben lang darauf gewartet hatte. Beim letzten Versuch war es schlichtweg nicht der richtige Zeitpunkt. Das ist mir im Nachhinein bewusst geworden. Unsere Kinder waren damals noch klein. Ich war vielleicht zwei Monate lang enttäuscht, war anschließend, aber sehr froh über die Entwicklung. Jetzt sind unsere Kinder groß, unser Sohn führt den Hof, ich habe mehr Zeit und es liegt bei unsauch ein wenig in den Genen, sich im Dorfleben aktiv einzubringen.
Sie sind mit dem Anspruch angetreten, „frischen Wind“ ins Rathaus zu bringen. Was machen Sie heute konkret anders als die vorherige Verwaltung?
Vorher wurden die Straßen so zurückgebaut, dass es zu einem Verkehrsproblem führte – einem Problem, das wir als Dorf zuvor nie hatten, da wir im Grunde kein Durchzugsort sind. Nun wurden jene Maßnahmen gesetzt, die bereits durch Studien belegt worden waren. Das konkrete Ziel: Man soll durch das Dorf gemütlich durchfahren können, und die Seitenwege sowie die Busverbindungen sollen aufgewertet werden, so wie wir es inzwischen umgesetzt haben. Dazu gehören der Ruipbachsteig, neue Bushaltestellen und die Verbreiterung der künstlichen Engstelle unmittelbar vom Rathaus. Damit ist wieder viel mehr Ruhe ins Dorf eingekehrt.
Weiters haben wir damit begonnen, Gemeindegebäude zu sanieren, und bereits zwei Planungen beauftragt. Im Zuge dessen werden im Winter zwei Gemeindegebäude energetisch saniert, jenes beim Fußballplatz und das weitere Gemeindegebäude, und wir haben viele andere Maßnahmen gesetzt, bei denen wir versucht haben, einfache Lösungen mit möglichst starker Wirkung zu finden.
Die Neugestaltung der Verbindungsstraße in Richtung St. Peter ist seit Jahren ein Reizthema. Wie ist der aktuelle Stand?
Bei der Verbindung in Richtung St. Peter geht es hauptsächlich um den Durchstich unter dem Leisterhof. Hier soll ein Tunnel errichtet werden, um den Schlosshügel autofrei zu machen. Wir befinden uns dazu im andauernden Gespräch mit der Landesregierung. Da das Schloss Landeseigentum ist, muss die Maßnahme vom Land finanziert werden, die Gemeinde könnte die Kosten alleine nie stemmen. Konkret soll der Durchstich direkt nach der „Köstenbrücke“ realisiert werden. Zuvor hätte es viel zu viele Kunstbauten benötigt, was auch vom Denkmalschutz abgelehnt worden wäre. Für uns wäre die Lösung genau unter dem Leisterhof die richtige, dazu gibt es auch Machbarkeitsstudien. Der Landeshauptmann hat uns versichert, es gäbe eine Überraschung, aber diese Aussage ist auch schon ein halbes Jahr her.
Mit dem Küchenbergtunnel und der direkten Anbindung der Gemeinde an die Ausfahrt zur Mebo entstehen neue Möglichkeiten. Welche konkreten Maßnahmen plant die Gemeinde, um die Verkehrssituation auch im Dorfzentrum spürbar zu verbessern?
Im Dorf haben wir – wie schon gesagt – das künstliche Nadelöhr entfernt, das immer wieder zu Streit in Sachen Vorfahrt geführt hatte. Was den Küchenbergtunnel anbelangt, hoffen wir, dass es entlang der Tiroler Geraden kaum mehr einen Stau geben wird. Wir haben uns darüber hinaus darum bemüht, auch eine straßenunabhängige Verbindung nach Meran anzudenken, und dazu einige Vorschläge erhalten. Konkret liegt uns nun eine Studie vor, in der ein dreistufiger Lift zum Segelbühel vorgeschlagen wird. Interessant dabei ist, dass die unterirdische Ausführung kaum sichtbar wäre. Damit könnten auch Menschen, die nicht so gut zu Fuß sind, einfach auf den Tappeinerweg gelangen und weiter nach Dorf Tirol. Das ist sicher noch Zukunftsmusik – aber man muss ja einmal etwas andenken, um neue Ideen zu entwickeln.
Der Baumannstadel ist ein Projekt Ihres Vorgängers. Halten Sie an den bestehenden Plänen fest – oder setzen Sie neue Schwerpunkte?

Beim Baumannstadel steht das Gebäude unter Denkmalschutz, daher muss es saniert werden – das streben wir auch an. Was wir nicht anstreben, ist der Einbau einer Küche, einer Heizung und allem Möglichen, was uns nur hohe Kosten, vor allem aber hohe Folgekosten, bringen würde. Wir möchten als Verwaltung sanieren, sodass anschließend Veranstaltungen stattfinden können, ohne besondere Infrastruktur vorauszusetzen. Hat ein Caterer seinen Auftritt, bringt er seine Küchenutensilien selbst mit. Gleich angrenzend bestehen bereits moderne öffentliche Toiletten. Mit verhältnismäßig wenig Geld lässt sich das Gebäude gut herrichten und dann auch für die Öffentlichkeit nutzbar machen.
Nach großen Ankündigungen steht das Johanneum-Gelände inzwischen wieder zum Verkauf. Hat sich die Gemeinde bei den Erwartungen an dieses Projekt verkalkuliert?
Das Johanneum gehört nicht der Gemeinde, es ist Privatbesitz. Demnach hat das Projekt nichts mit uns zu tun. Das Johanneum wurde von der Familie Gostner erworben, und wie bei jedem anderen privaten Haus muss der Besitzer selbst schauen, was er daraus macht. Ich finde es ein bisschen traurig, dass Leute immer wieder meinen, es gehöre der Gemeinde. Das Areal hat der Gemeinde nie gehört, es gehörte der Diözese, und diese hat es der Familie Gostner verkauft. Schade, aber es ist so. Die Gemeinde hat insofern Einfluss auf das Areal, als dass eine Sozialbindung auf dem Gelände liegt. Diese werden wir nach aktuellem Stand keinesfalls auflösen.
Einige Projekte, die nun realisiert werden, stammen noch von Ihrem Vorgänger Erich Ratschiller. Wo konnten Sie bisher eigene Akzente setzen?
Eines der Projekte, das sich unmittelbar vor der Fertigstellung befindet, ist sicher der neue Recyclinghof an der Dorfeinfahrt, ein sehr gutes Projekt, das Anfang Mai in Betrieb gehen wird. Das ist gut gelungen. Was meine konkreten Akzente anbelangt: Wir haben das Dorfblatt wieder herausgebracht und die Koordination dem Bildungsausschuss übergeben, die Verkehrsregelung im Dorfzentrum überarbeitet, architektonische Barrieren angepasst sowie Mauern und Wasserleitungen errichtet. Teils werden Projekte auch gerade ausgeschrieben, wie der Lingweg und die energetische Sanierung der Gemeindegebäude. Wir werden das Geld, das uns zur Verfügung steht, nach bestem Wissen und Gewissen einsetzen.
Wenn wir ins Jahr 2030 blicken: Welches eine Projekt muss bis dahin umgesetzt sein, damit Sie Ihre Amtszeit als Erfolg werten?
Das sind, denke ich, diese Umsetzungen zusammen: die energetische Sanierung aller gemeindeeigenen Gebäude, die Anbindung eines Radwegs an den übergemeindlichen Weg entlang der Passer und eine gute Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Tourismus im Dorf. Alles, was unmittelbar ansteht, Gebäudesanierung, Radwege, Verkehrsmaßnahmen, soll auch tatsächlich realisiert werden. Was den Radweg betrifft, hatten wir bereits Gespräche mit dem Land mit dem Ziel, nach der Sanierung des Aichweges eine Brücke zu errichten und durch die Melauntal-Wege einen Serpentinenweg bis zum Spronser-Fineleweg und weiter bis zur Passer zu führen.
Philipp Genetti