

Christoph Holzner lenkt seit 2025 die Geschicke der Gemeinde Tisens.
Herr Holzner, Sie sind seit 2025 im Amt. Wenn Sie auf das erste Jahr zurückblicken: Welche Akzente konnten Sie bereits setzen, um die Gemeinde Tisens voranzubringen, und wo sehen Sie aktuell noch den größten Handlungsbedarf?
Christoph Holzner: Die Umgestaltung des Ortskerns ist sicher eines der wichtigsten Themen in der Gemeinde. In diesem Zusammenhang wurden bereits einige Initiativen ins Leben gerufen. So gab es Gespräche mit dem Denkmalamt, um auch private Projekte zeitnah realisieren zu können – eines davon könnte somit sogar sofort umgesetzt werden. Allerdings muss die Gemeinde beim Erhalt und der Sanierung ortsbildprägender, historischer Bausubstanz selbst in die Vorreiterrolle kommen. Dazu zählen insbesondere das Gemeindegebäude, die Friedhofsmauer als prägendes Element im Ortskern sowie die konsequente Reduzierung gemeindeeigener Leerstände. Für das ehemalige Altersheim St. Josef und das Armenhaus müssen rasch tragfähige Nutzungskonzepte entwickelt werden.

Bürgermeister Christoph Holzner
Das neue Kinderpalliativzentrum ist ein Leuchtturmprojekt für ganz Südtirol. Der Baubeginn war für das Jahr 2026 angesetzt. Wie ist hier der aktuelle Stand?
Da das Projekt auf unserem Gemeindegebiet von Seiten des Landes realisiert wird, verfolgen wir das Vorhaben zwar, sind jedoch nicht unmittelbar darin involviert. Wir haben unsere Wünsche bei den zuständigen Landesämtern deponiert: Sollte ein Schwimmbad realisiert werden – das sich aktuell in der Prüfphase beim Land befindet –, wäre es unser Anliegen, dass es auch für den Schwimmunterricht für die Grundschüler in unserer Gemeinde genutzt werden kann. Ein weiterer Punkt ist, dass im Zuge der Realisierung die Sportzone mit dem Frankenbergweg verknüpft wird und ein Fußweg von Frankenberg ins Dorf umgesetzt wird. Wir haben unsere Wünsche den entsprechenden Entscheidungsträgern mitgeteilt und es wurde uns zugesichert, dass unsere Anliegen geprüft werden. Alles weitere liegt in der Verantwortung des Landes, wenn es darum geht, das Projektumzusetzen.
Der internationale Filzkunstweg ist im Jahr 2023 auf den „schulARTweg“ umgezogen. Welche Rolle spielen solche Themenwege wie dieser für die Identität von Tisens und Prissian?
Die Initiative für den Filzkunstweg geht vom Tourismusverein aus; die Gemeinde selbst ist nur unterstützender Partner. Mit der Verlegung an den „schulARTweg“ ist die Filzkunst-Initiative auf ein gemeindeeigenes Grundstück umgezogen. Der Gemeindeverwaltung war es ein wichtiges Anliegen, dieses Projekt des Tourismusvereins weiterhin aktiv zu unterstützen.
Deshalb wurde dem Tourismusverein auf dessen Anfrage hin das entsprechende Grundstück zur Verfügung gestellt. Entscheidend ist jedoch, dass die Gemeinde – über die Initiative hinaus – auch die Pflege und Instandhaltung ihrer eigenen Wander- und Gemeindewege deutlich stärker in den Fokus rückt und dauerhaft in geregelte, verlässliche Strukturen überführt.
Tisens ist als Wirtschaftsstandort breit aufgestellt – von der Landwirtschaft über das Handwerk bis hin zum Tourismus. Mit welchen Maßnahmen wollen Sie lokale Betriebe unterstützen?
Der neu gewählte Gemeinderat hat das Gemeindeentwicklungsprogramm noch einmal umfassend überprüft und gezielt weiterentwickelt. Ein besonderer Fokus lag dabei auf den Entwicklungsperspektiven für das örtliche Handwerk. In enger Abstimmung mit den betroffenen Betrieben wurden zusätzliche Optionen geprüft, um langfristig ausreichende Erweiterungsmöglichkeiten sicherzustellen und die betriebliche Entwicklung bestmöglich zu unterstützen. Ein zentrales Anliegen bleibt dabei auch die gezielte Weiterentwicklung der bestehenden Handwerkerzone. Um die Anliegen und Bedürfnisse aller Beteiligten frühzeitig zu bündeln, ist für Mitte April ein gemeinsames Gespräch mit sämtlichen Grundeigentümern vorgesehen. Ziel ist es, bestehende Herausforderungen offen zu besprechen, Schwächen aus der Vergangenheit aufzuarbeiten und gemeinsam eine tragfähige Weiterentwicklung des Standorts zu erarbeiten.
Die zahlreichen Baudenkmäler machen die Gemeinde Tisens auch zu einem Burgendorf. Welchen Stellenwert hat das historische Erbe auf die Dorfentwicklung?
Einerseits verfolgen wir das Ziel, das Dorf so zu erhalten, wie wir es heute kennen. Dazu lassen wir keine sterilen Neubauten innerorts zu, damit die historischen Baudenkmäler auch für die Nachwelt erhalten bleiben. Andererseits sind wir umgekehrt den Eigentümern verpflichtet, Möglichkeiten zu bieten. Auch jene, die die historischen Bauten nutzen, brauchen Möglichkeiten zur Erweiterung oder Aufstockung. Das ist bei denkmalgeschützten Gebäuden jedoch sehr schwierig. Deshalb arbeiten wir intensiv an der Ausarbeitung des Ensembleschutzes. Darin halten wir markante Punkte fest, die dem Ortskern erhalten bleiben müssen. Zugleich bieten wir aber auch die Flexibilität, damit junge Familien die Möglichkeit erhalten, gewisse Anpassungen vorzunehmen, um die Bauwerke zukunftssicher zu machen. Parallel dazu muss geklärt werden, wie man mit dem Verkehr umgegehen wird. Da die Gemeinde Lana zu Stoßzeiten stark belastet ist, nutzen viele die Durchfahrt durch unsere Dörfer, um auf die MeBo zu gelangen. Das führt zu starkem Durchzugsverkehr und wiederum zu Lärmproblemen. Diese Punkte müssen wir in den Griff bekommen. Gemeinsam mit unseren Nachbargemeinden Unsere Liebe Frau im Walde-St. Felix und Nals streben wir eine zukunftsorientierte Lösung an. Im Bereich der Verkehrsentwicklung ist ein offener und vorausschauender Blick auf sämtliche langfristigen Entlastungsoptionen erforderlich. Deshalb werden derzeit unterschiedliche Ansätze in alle Richtungen mitgedacht und intern weiter geprüft aber fest steht, dass bis zur Umsetzung noch einige Jahre vergehen werden.
Die Trinkwasserversorgung war in der Vergangenheit bereits Thema und hat für Diskussionsstoff gesorgt. Können Sie uns ein Update geben? Welche Maßnahmen wurden getroffen, um die Trinkwasserversorgung langfristig zu sichern? Schreitet die Umstellung auf digitale Wasserzähler wie geplant voran?
Die Gemeinde hatte bereits vor einigen Jahren eine Studie in Auftrag gegeben, um in Absprache mit den Trinkwasserkonsortien den Status Quo zu ermitteln. Aus dieser Studie geht klar hervor, dass die öffentliche Infrastruktur zwar gewisse Nachbesserungen bedarf, sich allgemein aber in gutem Zustand befindet. Grundsätzlich ist es das Ziel der Gemeinde, die Sicherheit zu gewährleisten – entweder über Notverbünde in Zusammenarbeit mit den Konsortien oder durch die Erschließung zusätzlicher Trinkwasserressourcen. Dafür wurden bereits Techniker beauftragt, um die Machbarkeit zu prüfen, damit die gesamte Trinkwasserversorgung auf dem Gemeindegebiet mittels öffentlicher Gelder langfristig gesichert werden kann. Parallel dazu werden bereits konkrete Planungen vorangetrieben, um den weiteren Ausbau und die langfristige Absicherung der Trinkwasserversorgung gezielt zu stärken. Erste Arbeiten werden noch im Sommer 2026 umgesetzt. Was die Umstellung auf digitale Wasserzähler anbelangt, sind wir aktuell bei ca. 75 %. Bis Ende des Jahres sollte die Verbrauchserfassung über die digitalen Wasseruhren zu 100 % abgeschlossen sein. Anschließend geht es darum, die effektive Erweiterung bzw. schrittweise Sanierung der Infrastruktur in Angriff zu nehmen.
Wo soll Tisens am Ende Ihrer ersten Amtsperiode stehen? Was wäre für Sie persönlich der größte Erfolg?
Am Ende meiner ersten Amtsperiode soll Tisens als gut geführte, verlässliche und lebenswerte Gemeinde dastehen. Ich möchte eine Verwaltung, die unabhängig von einzelnen Personen stabil funktioniert. Zudem soll das Ortsbild zeigen, dass wir unsere Verantwortung für öffentliche Plätze, Straßen, Wege und Gebäude ernst nehmen. Mein größter persönlicher Erfolg wäre, wenn die Bürger spüren, dass sich in Tisens etwas bewegt hat, dass die Gemeinde handlungsfähig ist, Entscheidungen konsequent umsetzt und die Menschen sich in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld wohlfühlen und stolz auf ihre Gemeinde sind. Aufgrund der Größe der Gemeinde haben wir die Herausforderung, dass wir 20 öffentliche Gebäude bei rund 2.000 Einwohnern in den vielen Fraktionen haben. Zunächst müssen wir eine Basis schafffen, um genau zu wissen, wo wir stehen. Dann können wir Optimierungen angehen. In einigen Bereichen laufen bereits konkrete Bestrebungen. Bei den öffentlichen Gebäuden haben wir einen hohen Handlungsbedarf, denn diese müssen mit erneuerbaren Energien auf ein vertretbares Niveau gebracht werden. Sowohl im Bereich der Infrastruktur als auch bei den Straßen stehen viele Aufgaben an. Innerorts wollen wir das Dorfbild verschönern, wobei uns bewusst ist, dass wir als Gemeinde selbst unsere Hausaufgaben selbst erledigen müssen. Ganz oben auf der Agenda steht hier das Projekt für die Umgestaltung bzw. Neunutzung des alten Heims. Im Gemeinderat liegt es jetzt an uns, einen Plan zu erstellen und folgende Fragen zu klären: Wo wollen wir hin?
Philipp Genetti