

Eduard Habicher wurde 1956 in Mals im Vinschgau geboren und absolvierte nach dem Besuch des Realgymnasiums ein Studium an der Accademia di Belle Arti in Florenz. Er lebt und arbeitet in Riffian.
Eduard Habicher hat Skulpturen aus Stahl in Uruguay, in New York, in Frankreich, Belgien, in verschiedenen Städten Deutschlands, Österreichs und in einer Vielzahl italienischer Städte aufgebaut.
Herr Habicher, Ihre leuchtend roten Stahlskulpturen sind zu Ihrem Markenzeichen geworden. Was bedeutet die Farbe Rot für Sie und warum ist sie so zentral für Ihre Kunst, die Räume zu „entanonymisieren“?
Meine älteren Arbeiten, ich denke da an Werke bis in die Neunziger Jahre, habe ich mit Edelstahl realisiert. Es handelt sich um ein schönes, haltbares Material, welches das Licht, ganz gleich ob natürliches Sonnenlicht oder elektrisches Licht im Rauminneren, ähnlich wie ein Energieblitz reflektiert. Die geschwungenen Stahlformen wurden zu Kräftelinien im Raum. Allerdings, bedingt durch den Spiegelungseffekt von diesem Metall, geht die Skulptur optisch in der Umgebung auf, verliert an Kontrast und Sichtbarkeit. Mit meinem ganz speziellen Rot konnte ich die Idee der Energielinie im Raum erhalten und gleichzeitig ein optisch stark wirkendes Zeichen schaffen, das sich auch gegen Leuchtreklame, Werbeplakate, Verkehrschaos zu behaupten vermag und auch im natürlichen Umfeld lebendig bleibt.
Sie schaffen es, massivem Stahl eine scheinbare Leichtigkeit und Dynamik zu verleihen. Wie nähern Sie sich diesem Paradoxon von Schwere und Leichtigkeit in Ihrer Arbeit?
Die Kunst, wenn sie echt und authentisch ist, hängt untrennbar mit dem Leben zusammen: wie in dieser Skulptur wird das Schwere und Tragische nicht zusätzlich unterstrichen, sondern ins Gegenteil, in Leichtigkeit verwandelt.
Sie sagen, Kunst müsse „hinausgehen und kommunizieren“. Wie stellen Sie sicher, dass Ihre oft großformatigen, ortsspezifischen Werke mit den Betrachtern und dem öffentlichen Raum in Dialog treten?
Jede Form von Kunst spricht die Sensibilität des Betrachters, des Zuhörers, des Lesers oder sonstigen Rezipienten an, ganz gleich ob wir an Malerei, Literatur, Skulptur oder andere künstlerischen Ausdrucksformen denken. Die Wirkung der Skulptur geht weit über den Eindruck, den eine fotografische Abbildung des Werkes vermitteln kann, hinaus. Unten drin, mitten hineingestellt in eine Plastik fühlt man nicht nur die Masse, das Material, die Spannung der Materie, sondern man fühlt auch den Raum, der sich durch die Skulptur bildet und entdeckt einen Dialog des Werkes mit der Umgebung. Da dieser Raum, das Innen und das Aussen, nicht streng voneinander trennt, sondern ineinander überfließt, entsteht ein Gefühl von Freiheit, von Umarmung, auch von Schutz. Gerade dies ist nicht ohne, wenn wir unsere jetzige weltpolitische Situation betrachten.
Mit 70 Jahren denken sie nicht ans Aufhören. Was treibt sie an, weiterhin kraftvoll zu arbeiten und hat sich Ihre künstlerische Motivation oder Herangehensweise verändert?
Die 70 Jahre heute sind nicht die 70 unserer Väter, welche in diesem Alter bereits Greise waren. Ich glaube, dass es wichtig ist, Interessen zu pflegen, offen zu sein für neue Erfahrungen und bereit zu sein, immer noch dazu zu lernen. Wichtig ist, sich bewusst zu sein, dass man nicht ausgelernt hat. Derzeit beschäftige ich mich, mit Hilfe junger Freunde, mit virtueller Realität, Metaverse und KI.
Die Ausstellung „Memory in Motion“ im Museion widmet sich Ihrem 70. Geburtstag. Was erwartet die Besucher – ist es eine retroperspektive oder zeigen Sie neue, zukunftsweisende Arbeiten?
Die Ausstellung im Museion könnte man als Beispiel hernehmen, wie Skulptur und bestehende Architektur einen Dialog bilden können. Es handelt sich um Werke, die auf die Raumsituation eingehen und speziell für diese Museum-Passage geschaffen wurden. Der Besucher, der in die Werke hineingeht oder sie durchquert, wird lebendiges Element der Ausstellung.
Markus Auerbach