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Mut zur Bühne

Mit 16 klopfte Laura Masten in Innsbruck an, um eine Ausbildung zur Schauspielerin zu machen.
Inzwischen ist sie wieder in die Heimat zurückgekehrt und steht regelmäßig in Südtirol auf der
Bühne. Ihr Weg zeigt, wie viel Mut es braucht, wenn es vor Ort nur wenige Türen gibt.

Masten, Jahrgang 1998 und in Meran geboren, erinnert sich an einen Moment, der für sie bis heute prägend ist: Ein Theaterprojekt in der fünften Grundschule. „Ich war ein schüchternes Kind und mir hat es damals sehr gut getan, das erste Mal auf der Bühne zu stehen“, sagt sie. Geführt wurde das Projekt „Mission Waschpulver“ von Christine Perri, mit der sie heute noch in Kontakt stehe. Es sei aber nicht der eine große Augenblick gewesen, der sie zum Schauspiel geführt hat, sondern viele kleine Erfahrungen. Sie habe in ihrer Schulzeit mehrere Theaterworkshops besucht, erzählt sie, und dadurch sei das Gefühl immer stärker geworden, dass Theater mehr sein könnte als nur ein Hobby.

Sprung ins kalte Wasser
Bis aus diesem Gefühl ein klarer Entschluss wurde, brauchte es aber etwas Zeit. Die ersten praktischen Erfahrungen bestärkten sie zwar, doch irgendwann wollte sie wissen, ob es auch „wirklich“ gehen kann. Mit 16 bewarb sie sich dann an der Schauspielschule für darstellende Kunst und Theater in Innsbruck – „weil das andere zu weit weg war“. Für diesen Schritt brach sie sogar die Schule ab. „Meine Eltern haben mich in meiner Entscheidung unterstützt, sonst wäre das natürlich nicht möglich gewesen“, betont Masten. Sie hätte sich damals gedacht: „Einfach mal an der Tür klopfen. Und wenn sie aufgeht, kann ich immer noch schauen, ob ich mich traue.“
Innsbruck war damals jedenfalls die nächstliegende Möglichkeit, inzwischen gibt es die Schule dort auch nicht mehr. In Südtirol gebe es zwar Workshops fürs Theater oder Musical-Angebote, aber eine professionelle Ausbildung mit Diplom zur Schauspielerin – „wie ich sie damals in Innsbruck gemacht habe“ – leider nicht mehr. Es hätte früher eine Schauspielschule in Bruneck gegeben, erklärt Masten, aber inzwischen gehen die meisten, die sie kennt, nach Wien, München, Köln oder in andere größere Städte.

Was man lernt – und was man selbst mitbringen muss
Die Ausbildung beschreibt Masten als Mischung aus fixem Unterricht und Praxiseinheiten – vor allem die Rollenarbeit habe ihr gut gefallen. „Es ist ein bisschen wie eine Universität, mit einem Lehrplan und wenigen Wahlfächern“, erklärt sie. Was ihr dabei besonders geblieben ist, ist der tägliche Fokus auf das Handwerk. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle – das genaue Hinsehen, das Suchen nach einer Haltung, nach einer Stimme, nach Wahrheit in der Figur – ist es, was sie am Theater bis heute reizt. Später legte sie auch die paritätische Bühnenreifeprüfung am Theater in der Josefstadt in Wien ab. Sie habe erlebt, dass in der Schauspielwelt oft ein bestimmtes Bild erwartet wird: extrovertiert, offen und laut. „Ich habe aber gelernt, dass man auch ein ganz ruhiger Charakter sein kann“, sagt sie. Es ist aber dennoch wichtig, erklärt Masten, dass man Motivation mitbringt und bereit ist, sich vieles selbst zu erarbeiten. Eigeninitiative sei jedenfalls keine Kür, sondern Voraussetzung: „Es kommt niemand von Anfang an auf dich zu und bietet dir Rollen an – das ist klar.“ Man müsste also auf die Leute zugehen und Kontakte in der Szene knüpfen – „Networking ist eben auch ein Teil der Arbeit und wichtig für die eigene Sichtbarkeit.“

Lampenfieber bleibt
In den vergangenen Jahren spielte Masten verschiedene Rollen, etwa Viola in „Shakespeare in Love“ bei den Freilichtspielen Lana, außerdem war sie in weiteren Produktionen in Lana oder in Bozen zu sehen. Aktuell wirkt sie beim Theaterstück „Auwatzn!“ in der Carambolage in Bozen sowie beim Film „Inner Voice“ mit. Besonders prägend sei für sie jedoch ein Monolog gewesen: Eva Braun, die Geliebte von Adolf Hitler. Für das Stück habe sie eineinhalb Stunden allein auf der Bühne gestanden – „vor der Rolle hatte ich schon ziemlich Respekt“, gibt die Meranerin zu. Die intensive Beschäftigung mit einer Figur habe eine eigene Schwere, sagt sie. Es sei jedenfalls nicht immer einfach, „die Figur im Theater zu lassen“ und nicht mit nach Hause zu nehmen. Auch Lampenfieber gehört für die junge Schauspielerin weiterhin dazu, meint sie. Nur habe sich ihr Umgang damit verändert: „Früher war ich angespannter und habe bei wichtigen Rollen nur daran gedacht, keinen Fehler zu machen – inzwischen bin ich da etwas cooler und dickhäutiger geworden.“ Versprecher könnten passieren, aber das Publikum verzeiht mehr, als man glaubt, erklärt Masten. Zudem gehöre ein bisschen Anspannung zur Bühnenarbeit dazu. „Mit der Zeit wächst das Vertrauen in die eigene Arbeit – und das hilft.“

Alltag zwischen Text,
Proben und Spazieren
Wie dieser Beruf im Alltag aussieht, hänge indes stark vom Projekt ab. In professionellen Produktionen werde häufig tagsüber geprobt, aber nicht immer, sagt sie. Bei den Freilichtspielen in Lana treffe man sich etwa abends, weil in der großen Gruppe auch Laiendarstellerinnen dabei sind. Für sie als Darstellerin beginne die Arbeit an einer Rolle zudem lange vor der Premiere: „Mit dem Text und mit der Frage, wie sehr man sich schon mit der Figur auseinandersetzt, noch bevor der Probenprozess beginnt.“ Dann beginne die Arbeit gemeinsam mit der Regie – am Rhythmus und der genauen Haltung.
Ihren Text lerne sie dann gern in Bewegung – etwa beim Spazieren. Vorbereitung sei jedenfalls sehr wichtig. Im äußersten Notfall – etwa bei einem Blackout – könne man auf der Bühne dann immer noch spontan reagieren. „Da hilft es, Improvisation vorab schon etwas zu üben.“

Zwischen Lana und Meran
Die Kulturszene im Burggrafenamt sei indes recht überschaubar, erklärt sie. Es gebe jedenfalls wenige feste Spielstätten. Das Theater in der Altstadt in Meran (TidA) sei für sie ein wichtiger Ort, weil dort junge Leute eingebunden und unterstützt werden, sagt sie. Große Häuser wie das Stadttheater Meran seien dagegen eher auf Gastspiele ausgerichtet – lokale Eigenproduktionen hätten es dort schwerer. Dann gebe es noch die Freilichtspiele in Lana. Bei denen sie viel Zulauf erlebe, und den Versuch, verschiedene Stoffe zu zeigen. 2023 habe man dort etwa die kritische Komödie „Piefke Saga“ gezeigt, dann das Liebesdrama „Shakespeare in Love“ und im letzten Jahr stand „Verkaufte Heimat“ von Felix Mitterer auf dem Spielplan. In der Heimatgeschichte des Tiroler Dramatikers habe sie in der Rolle der Anna mitgewirkt, erzählt Masten.

Theater als Vermittler
„Die Leute in Südtirol wollen lachen“, sagt sie. Seit Corona höre man das immer öfter. Das könne sie sehr gut nachvollziehen – also Theater als gemeinsamer Abend, als Leichtigkeit, als Pause vom Alltag. Trotzdem möge sie es auch, wenn Theater einen Mehrwert hat. Wenn ein Stück in den Leuten etwas auslöst, nicht nur ablenkt. Schwerere Themen hätten es jedenfalls leichter, wenn ein Ensemble bereits ein treues Stammpublikum hat. „Ohne Namen wird das schon schwieriger“, erklärt sie. Wichtig sei ihr auch der Blick auf das Zusammenleben der Sprachen, sagt Masten. Sie wünscht sich, dass Deutsch und Italienisch im Theater öfter zusammenkommen. „Die zwei Sprachen machen uns einfach aus“, sagt sie.

Lebenschule Theater
Zudem betont Masten, wie entscheidend Angebote für Jugendliche sind: Theaterlabore, in denen junge Menschen sprechen, Bewegung und Spiel lernen und am Ende ein eigenes Stück entwickeln. Sie erzählt von einer Zusammenarbeit von TidA und dem Ost-West-Club in Meran. „Solche Konzepte finde ich sehr wichtig – früher hätte ich auch gern so ein Angebot gehabt“, erinnert sie sich.
Projekte zum Jugendtheater würden darüber hinaus neue Gesichter ins Publikum bringen, auch weil oft Freunde und Bekannte mitkommen. „Vor allem aber geben sie Jugendlichen einen Raum, in dem sie sich ausprobieren können.“ Oft sei es wichtig, wenn junge Menschen in einem geschützten und kreativen Raum Grenzen überschreiten dürfen. „Für mich war es jedenfalls eine Art Lebensschule und ich finde, jeder sollte Theater spielen können“, sagt Masten.

Max Hofer