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Neue Saison, neues Entrée

Mit einer bitterbösen Komödie startet das Theater in der Altstdt in den Herbst.

In der Freiheitsstraße wird wieder Theater gespielt: Das Theater in der Altstadt Meran (TIDA) startet in eine neue Spielzeit und präsentiert sich dabei auch äußerlich mit einem neuen, einladenden Akzent. Eine vor Kurzem neu gestaltete Installation im Eingangsbereich macht bereits von der Straße aus neugierig und setzt ein sichtbares Zeichen für den Neustart. Sie verleiht dem Eingang eine frische, offene Note und macht schon von außen Lust darauf, einzutreten und Theater zu erleben. Den Auftakt der neuen Saison machte am 9. Oktober die Premiere von „Marie Antoinette oder Kuchen für alle!“ von Peter Jordan. Die bitterböse Farce verbindet historische Ereignisse mit bissigem Gegenwartshumor und nimmt Themen ins Visier, die erstaunlich zeitlos sind: soziale Ungleichheit, Macht, politische Intrigen und Bürokratie.

  

Paris steht Kopf, das Volk revoltiert, die Revolution ist in vollem Gange. Im Palast von Versailles hingegen herrscht Ratlosigkeit. Marie-Antoinette und ihr Mann, König Ludwig XVI., warten dort seit mittlerweile 15 Jahren auf ihre angekündigte Hinrichtung. Während draußen die gesellschaftliche Ordnung zusammenbricht, drehen sich drinnen die Gespräche um Zuständigkeiten, Intrigen, persönliche Interessen und politische Machtkämpfe. Eine absurde Situation, die zum Ausgangspunkt für eine höchst gegenwärtige Komödie wird. Denn was zunächst wie ein historisches Kuriosum erscheint, erinnert schnell an die Gegenwart. Bürokratie, Machtstreben und politische Grabenkämpfe sind schließlich nicht an eine bestimmte Epoche gebunden. „Marie Antoinette oder Kuchen für alle!“ erzählt deshalb nicht einfach die Geschichte einer Königin und einer Revolution. Das Stück nutzt die historische Vorlage als Spiegel für heutige gesellschaftliche und politische Strukturen. Abgehobene Eliten treffen auf gesellschaftliche Krisen, Verantwortung wird verschoben und Machtkämpfe entwickeln ihre eigene absurde Dynamik. Vier Schauspieler:innen (Margot Mayrhofer, Markus Tavakoli, Günther Götsch und Linda Covi) wechseln dabei in rasantem Tempo Haltungen und Identitäten. Mit viel Slapstick, schwarzem Humor und schnellen Rollenwechseln entsteht eine turbulente Komödie, die historische Figuren immer wieder direkt mit unserer Gegenwart konfrontiert. Gerade darin liegt der Reiz des Stücks: Man darf herzhaft lachen und erkennt dabei vielleicht manches unangenehm Bekanntes wieder. Der Palast von Versailles wird zum absurden Mikrokosmos einer Welt, in der die Mächtigen zunehmend den Überblick verlieren. Unter der Regie von Christina Khuen setzt das TIDA mit „Marie Antoinette oder Kuchen für alle!“ zum Saisonauftakt auf Unterhaltung mit Haltung. Das Stück verspricht einen temporeichen Theaterabend, der Geschichte, Slapstick und politische Satire miteinander verbindet. Vielleicht braucht es manchmal eine Revolution, um etwas zu verändern. Vielleicht reicht aber auch eine gute Komödie, die uns daran erinnert, wie absurd die Welt ohnehin schon ist. Alle Spieldaten und weitere Informationen zum aktuellen Programm finden sich unter www.tida.it/de.


Thomas Kobler