

Die Tage werden kürzer, die Nächte spürbar frischer. Wenn der Herbst die Gipfel der Texelgruppe mit dem ersten zarten Puderzucker überzieht, stellt sich in unseren Haushalten alljährlich dieselbe Frage: Wie kommen wir behaglich durch den Winter, ohne dass die Energiekosten in die Höhe schießen? Außerdem geht es nicht mehr „nur“ um das Geld. Es geht auch um den bewussten Umgang mit Ressourcen, den Klimaschutz vor unserer Haustür und die Frage, wie wir unsere Kulturlandschaft für kommende Generationen bewahren können. Das Burggrafenamt mit seiner einzigartigen Mischung aus alpinem und mediterranem Klima bietet dafür ganz besondere Voraussetzungen – und Herausforderungen.
Eine Region im Wandel
Das Burggrafenamt ist geografisch vielfältig. Wer an Meran denkt, hat oft das mediterrane Flair der Kurstadt vor Augen. Während im Talboden oft noch milde Temperaturen herrschen, kämpfen die Bergdörfer im Passeiertal, Ulten oder auf dem Tschögglberg bereits mit klirrender Kälte.
Diese klimatische Diversität erfordert maßgeschneiderte Lösungen beim Heizen. Was in einer Stadtwohnung in Meran funktioniert, ist für einen Bergbauernhof ungeeignet. Gleichzeitig spüren wir auch in Südtirol die Auswirkungen des Klimawandels. Nicht nur vergangenen, mehrfach aufwallenden Hitzewellen geben zu denken, auch die Winter können unberechenbarer werden, extreme Wetterereignisse nehmen zu. Umso wichtiger ist es, dass jeder Einzelne seinen Beitrag leistet.

Gebäude sind Energiefresser
Der Gebäudesektor ist europaweit für rund 40 Prozent des Energieverbrauchs und ein Drittel der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Hier liegt der größte Hebel, den wir selbst in der Hand haben. Energiesparen im Winter bedeutet nicht, im dicken Daunenmantel in der Stube zu sitzen. Es bedeutet, Energie effizienter und intelligenter zu nutzen. Die Säulen der Effizienz: Wo geht die Wärme verloren? Bevor wir über eine neue Heizung nachdenken, sollten wir das bestehende System unter die Lupe nehmen. Die günstigste und sauberste Energie ist schließlich die, die wir erst gar nicht verbrauchen. In vielen älteren Häusern im Burggrafenamt – sei es der charmante Altbau in Obermais oder das traditionelle Einfamilienhaus aus den 1980er-Jahren – verpufft wertvolle Energie ungenutzt. Die Hauptverursacher sind schnell ausgemacht: unzureichend gedämmte Außenwände, veraltete Fenster und schlecht isolierte Kellerdecken oder Dachböden.
Guter Rat muss nicht teuer sein
Eine professionelle Energieberatung, wie sie beispielsweise von der Verbraucherzentrale Südtirol oder der Klima-Haus Agentur angeboten wird, kann hier Licht ins Dunkel bringen. Oft reichen schon kleine, kostengünstige Maßnahmen, um die Effizienz spürbar zu steigern. Das nachträgliche Dämmen der obersten Geschossdecke lässt sich häufig in Eigenregie durchführen und senkt den Heizwärmebedarf sofort. Auch das Austauschen alter Dichtungen an Fenstern und Türen verhindert, dass teure Wärme ungenutzt nach draußen entweicht.

Richtig lüften und heizen
Ein Blick auf das alltägliche Verhalten in den eigenen vier Wänden zeigt: Hier schlummert großes Sparpotenzial, das keinen Cent kostet. Das Stichwort lautet „Richtiges Lüften“. Wer im Winter die Fenster stundenlang in Kippstellung belässt, heizt sprichwörtlich zum Fenster hinaus. Die Wände kühlen aus, und der Energiebedarf schnellt in die Höhe. Die Expertenregel ist einfach: Stoßlüften statt Kipplüften. Dreimal täglich für fünf bis zehn Minuten die Fenster komplett öffnen – am besten mit Durchzug (Querlüften). So wird die Luft schnell ausgetauscht, ohne dass die Möbel und Wände ihre gespeicherte Wärme verlieren. Auch die Raumtemperatur selbst bietet Sparpotenzial. Jeder Grad weniger senkt die Heizkosten um rund sechs Prozent. In Wohnräumen gelten 20 bis 21 Grad als ideal, im Schlafzimmer reichen oft 17 bis 18 Grad vollkommen aus. Moderne, programmierbare Thermostate helfen dabei, die Temperaturen automatisch zu regeln. Sie senken die Wärme ab, wenn niemand zu Hause ist oder alle schlafen, und sorgen rechtzeitig zum Aufstehen wieder für behagliche Temperaturen.
Ein weiterer Tipp
Heizkörper sollten niemals durch schwere Vorhänge oder Möbel verstellt werden. Nur wenn die Luft frei zirkulieren kann, arbeitet der Heizkörper effizient. Ein Phänomen, das viele kennen: Der Heizkörper im Erdgeschoss glüht, während es im Dachgeschoss trotz voll aufgedrehtem Ventil nur lauwarm wird. Die Folge ist meist, dass die Vorlauftemperatur der Heizung einfach höher eingestellt wird. Das löst zwar das Problem der Kälte, treibt aber den Energieverbrauch drastisch in die Höhe. Die Lösung für dieses Problem heißt „Hydraulischer Abgleich“. Dabei stellt ein Fachbetrieb sicher, dass durch jeden einzelnen Heizkörper im Haus genau die Menge an Warmwasser fließt, die benötigt wird, um die gewünschte Raumtemperatur zu erreichen. Das sorgt für eine gleichmäßige Wärmeverteilung im gesamten Gebäude und optimiert den Betrieb der Umwälzpumpe. Ein hydraulischer Abgleich kann die Effizienz des gesamten Heizsystems um bis zu 15 Prozent steigern. Er ist oft die Voraussetzung für Landesförderungen und amortisiert sich in der Regel innerhalb weniger Jahre.

Die Zukunft des Heizens
Wer heute seine Heizung erneuern muss oder neu baut, steht vor wegweisenden Entscheidungen. Das Zeitalter von Öl und Gas neigt sich dem Ende zu. Südtirol hat sich mit dem Klimaplan das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2040 die Klimaneutralität zu erreichen. Dies bedeutet den konsequenten Umstieg auf erneuerbare Energien. Eine der beliebtesten Technologien ist die Wärmepumpe. Sie nutzt die in der Luft, im Erdreich oder im Grundwasser gespeicherte Umweltwärme und macht sie mithilfe von Strom für die Heizung nutzbar. Besonders in Kombination mit einer eigenen Photovoltaikanlage auf dem Dach wird die Wärmepumpe zu einer unschlagbar günstigen und sauberen Lösung. Dank des milden Klimas im Meraner Becken arbeiten Luft-Wasser-Wärmepumpen hierzulande über weite Teile des Jahres in einem sehr effizienten Bereich. Eine weitere Säule der Energiewende ist die Biomasse. Holz ist ein heimischer, nachwachsender Rohstoff, der in unseren waldreichen Tälern wie dem Passeiertal oder dem Ultental im Überfluss vorhanden ist. Moderne Pelletsheizungen oder Stückholzkessel bieten einen hohen Bedienkomfort und verbrennen den Brennstoff extrem sauber. Zudem profitieren viele Gemeinden in der Region von gut ausgebauten Fernwärmenetzen. Wer sein Haus an die Fernwärme anschließt, nutzt die Abwärme lokaler Biomasseheizkraftwerke – eine komfortable und umweltfreundliche Lösung, bei der man sich um Wartung und Brennstoffbeschaffung keine Sorgen machen muss.
Walter J. Werth