Das Steinmetz-Handwerk gestern und heute

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Das Steinmetz-Handwerk gestern und heute

Wer an den Beruf des Steinmetzes denkt, hat oft das Bild von staubigen Werkstätten, schweren Hämmern und mühevoller Handarbeit vor Augen. Doch dieses Klischee ist längst veraltet.

Auch im uralten Beruf des Steinmetzes hat eine technologische Revolution Einzug gehalten. Modernste CNC-Fräsen, 3D-Scanner und computergestütztes Design (CAD) prägen heute das Berufsbild. Das Steinmetz-Handwerk verbindet wie kaum eine andere Branche jahrhundertealte Tradition mit digitaler Spitzen-Technologie. Für junge Menschen eröffnet dies völlig neue, krisensichere Karrierechancen.

Die perfekte Ausbildung: Zwei Wege zum Erfolg

Südtirol bietet für den Einstieg in diese vielseitige Karriere zwei hervorragende Ausbildungswege:

Der schulische Weg: Die renommierte Berufsfachschule für Steinbearbeitung „Johannes Steinhäuser“ in Laas bietet eine dreijährige Vollzeitausbildung an. Hier stehen neben der Handarbeit auch Entwurf, Digitaltechnik und Natursteinkunde auf dem Lehrplan. Für Steinbildhauerin und Steinbildhauer sind es 4 Jahre.

Die duale Ausbildung: Wer direkt im Betrieb durchstarten möchte, wählt die klassische Lehre (3 Jahre für Steinmetze, 4 Jahre für Steinbildhauer). Der theoretische Blockunterricht findet in Kooperation mit der Fachberufsschule in Wals bei Salzburg statt, da es in Südtirol keine eigene Berufsschul-Fachklasse für Lehrlinge gibt. Abschluss der Ausbildung durch Lehrabschlussprüfung. Beide Wege schließen mit einer staatlich anerkannten Prüfung ab und legen das Fundament für eine steile Karriere.

„Der Computer ersetzt nicht das Gespür“

Einzigartiges mit Händen schaffen: „Die Genugtuung und der Stolz mit den eigenen Händen Einzigartiges zu schaffen sind gerade im Handwerk omnipräsent. Kein Sektor bietet so viel Entfaltungsspielraum und Kreativität wie das Handwerk“ betont  Hans Karl Trojer, Obmann der Steinmetze und Steinbildhauer im Landesverband der Handwerker lvh. Der Steinmetz verrichtet seine Arbeit innen und außen an Gebäuden, entwirft und stellt Grabsteine und Skulpturen her, kümmert sich um Verkleidungen jeglicher Art und produziert verschiedene Einrichtungsgegenstände und Dekorationselemente. Dazu verwendet er hauptsächlich Naturwerkstein, Betonwerkstein oder auch Kunststein. Er verarbeitet diese mithilfe von verschiedenen Hand-Werkzeugen wie Schlegel, Meißel, verschiedene Fräsen oder Trennscheiben sowie Maschinen. Anhand bestimmter Vorlagen entwirft er Werkzeichnungen und Schablonen, nach denen er den Stein bearbeitet. Es werden zudem Inschriften für Grabsteine entworfen und eingraviert sowie Bauten restauriert. Der Steinmetz verfügt über ein ausgeprägtes Fachwissen über verschiedene Steinarten und deren Verarbeitung. Er weist ein hohes handwerkliches Geschick und ein gewisses Maß an körperlicher Kraft auf, da die Arbeit oftmals sehr anstrengend sein kann. Dabei bleibt das handwerkliche Gespür unersetzlich. Wenn heute eine exklusive Design-Küche für einen Kunden zu fertigen ist, fliegt kein Meißel mehr. Beim Kunden wird der Raum mit einem hochpräzisen 3D-Laser-Scanner aufgenommen und die Daten direkt in ein CAD-Programm am Computer eingespielt. Und wie wird die tonnenschwere Steinplatte dann bearbeitet, stellt sich die Frage:
Das übernimmt eine computergesteuerte 5-Achs-CNC-Fräse. Sie schneidet die Aussparungen für das Spülbecken auf den Millimeter genau aus. Trotzdem braucht es am Ende das menschliche Auge und die Hand des Steinmetzes. Die finale Oberflächenveredelung, das Prüfen der Kanten und die Montage vor Ort erfordern echtes Fachwissen. Die Maschine ist zwar wichtiges Werkzeug, aber der Kopf steuert sie. (Quelle: lvh)

Karrierechancen mit „Ewigkeitswert“

Nach dem Abschluss der Ausbildung stehen die Türen im Südtiroler Handwerk weit offen. Naturstein boomt – sowohl im exklusiven Innenausbau als auch in der modernen Architektur. Fachkräfte sind heiß begehrt. Nach der Ausbildung bestehen hervorragende Weiterbildungsmöglichkeiten über die Berufsberatung des Landes: Mit dem Südtiroler Meisterbrief in der Tasche kann man ein eigenes Unternehmen gründen und selbst Lehrlinge ausbilden. Wer das fünfte Jahr anhängt, kann die Berufsmatura absolvieren und ein Studium im Bereich Architektur oder Bauingenieurwesen dranhängen. Das Steinmetz-Handwerk beweist: Tradition stirbt nicht aus – sie lernt nur dazu und wird digital.

Der Arbeitsmarkt in Zahlen und Fakten

Das Südtiroler Steinmetzhandwerk ist eine überschaubare, aber wirtschaftlich sehr stabile und angesehene Berufsgemeinschaft. Aktuell gibt es 57 aktive Betriebe, meist sind es traditionsreiche Familienunternehmen. Landesweit gibt es derzeit rund 145 Beschäftige.

Walter J. Werth