

Im Interview mit der Bürgermeisterin Annelies Pichler spricht sie über die drängendsten Projekte, die Herausforderungen der Umsetzung und Schenna als Wirtschaftsstandort.
Sie wurden 2025 als Bürgermeisterin von Schenna bestätigt. Welche drei Herzensprojekte möchten Sie in dieser zweiten Amtsperiode unbedingt weiter voranbringen bzw. umsetzen?
Annelies Pichler: Wir haben gleich am Anfang der letzten Periode das Dorfkonzept „Schenna.Weiter. Denken“ gemeinsam mit Bürgern, Vereinen, Verbänden, aber vor allem mit dem Gemeinderat erarbeitet. Nun ist es unser Kompass, mit dem wir durch die Verwaltungsperioden navigieren möchten. Wir sind mitten in der Umsetzung. Das Konzept ist nicht statisch. Das bedeutet, dass es sich auch an den äußeren Veränderungen orientiert. Von den Wertehaltungen und Grundsätzen her stellt es aber den Leitfaden dar.Konkret werden wir zum Beispiel das Großprojekt Schulzentrum umsetzen. Nachdem die Sanierung des Kindergartens und der Neubau der Kita abgeschlossen wurden, konnten wir auch die von Grund auf sanierte Grundschule eröffnen. Jetzt geht es weiter mit einem Projekt, das schon lange auf der Agenda stand: dem Neubau der Turnhalle. Die bisherige ist viel zu klein und wird den Ansprüchen der Schule wie auch der Sportvereine nicht mehr gerecht.
Was ist hier konkret der aktuelle Stand?
Wir haben die Finanzierung für den Bau gesichert und werden im Herbst mit den Arbeiten beginnen können. Ein zweites Projekt liegt in der Ausarbeitung des Gemeindeentwicklungskonzepts. Mit „Schenna. Weiter. Denken“ haben wir die wesentlichen Inhalte bereits erarbeitet, nun ging es darum, auch die gesetzlichen und urbanistischen Parameter zu definieren. Der entsprechende Gemeinderatsbeschluss mit der Einleitung des Genehmigungsverfahrens wurde im Juli gefasst. Im nächsten Jahr hoffen wir dann auch den entsprechenden Landesbeschluss dafür zu erhalten. Mein bzw. „unser“ drittes Herzensprojekt ist die Aufwertung des Dorfzentrums. Die von der Gemeinde angekaufte „Moarwiese” zwischen Altersheim und Schennerhof ist Teil der geplanten Aufwertung. Hier befinden wir uns bereits in der Projektierungsphase. Sie soll der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden.

Kommen wir zu Schenna als Wirtschaftsstandort: Schenna ist dementsprechend recht gut aufgestellt. Der Tourismus läuft nach wie vor als Motor. Wie stellen Sie sicher, dass die Sektoren Hand in Hand gehen und Schenna weiterhin ein vielseitiger Wirtschaftsstandort bleibt?
Der Tourismus ist tatsächlich der treibende Wirtschaftsmotor in Schenna, von dem die anderen Wirtschaftszweige und zum Teil auch die Landwirtschaft profitieren. Das macht die Stärke und gleichzeitig die Herausforderung Schennas aus. Beim Tourismus haben wir uns sowohl in unserem Dorfkonzept als auch im Einvernehmen mit den Tourismustreibenden geeinigt: Es braucht Fokus auf Qualität und eine Konsolidierung in der Quantität. Hier sind die Betriebe gut unterwegs, versuchen sich innovativ aufzustellen; Tourismustreibende berichten immer wieder von Schwierigkeiten zum Beispiel im Bereich Personalakquise und Kontinuität. Aber die Betriebe sind rührig und stellen Weichen, um auch für die Nachfolge attraktiv zu bleiben. Ich denke und sehe, hier wird bereits viel getan.
Schenna hat eine gut funktionierende Nahversorgung…
… ja, die Nahversorgung ist sicher ein Beispiel dafür, dass die lokale Bevölkerung auch vom Tourismus profitiert. Dank der Gäste im Dorf haben die lokalen Geschäfte Interesse, offen zu bleiben. Das ermöglicht es auch, dass wir sowohl einen Supermarkt in Verdins als auch zwei in Schenna haben.

Ein Dauerthema nach wie vor: der Verkehr. Viel Hoffnung ruhte auf der Standseilbahn. Wie schaut die aktuelle Situation aus?
Das Problem ist nicht so sehr der innerörtliche Verkehr, sondern die Verbesserung der Verbindungen zu den Nachbargemeinden, z.B. nach Meran. Dabei halte ich nach wie vor eine straßenunabhängige Lösung nach Meran für die beste. Nur so kann die Straße entlastet werden. Wir haben zurzeit eine hohe Taktung der Verbindung zwischen Schenna und Meran. Aber unsere Busse sind entsprechend voll. Ich hoffe deshalb, dass die Leute trotzdem weiterhin den Bus nutzen, gleichermaßen aber auch dass die Bedingungen verbessert werden, dass mit einer guten Anbindung an den Zug innovative Lösungen gefunden werden; mit der Öffnung des Küchelbergtunnels erwarte ich mir nun eine Verflüssigung des Verkehrs, was helfen wird. Der Individualverkehr wird in einem verzweigten Dorf wie Schenna immer wichtig bleiben. Eine große Herausforderung bleibt die Radmobilität; hier kommen wir leider nicht recht weiter.

Worin liegt Ihrer Meinung nach die wesentliche Herausforderung in der Mobilitätsplanung?
Ich bin der Meinung, Mobilität kann man nur vernetzt denken; entsprechend kann man gute Mobilitätskonzepte nur erarbeiten, wenn übergemeindlich gut zusammengearbeitet wird. Lassen Sie es mich plakativ formulieren: Schenner sind ja auch zum Teil wie Bürger von Meran, gehen dort zur Schule, ins Krankenhaus, zu Ämtern, zum Einkaufen, usw. Entsprechend ist die größte Herausforderung, vernetzt zu denken und entsprechend zu handeln.
Wo hingegen hat Schenna den höchsten Aufholbedarf?
Eine große Baustelle bleibt das Thema „leistbares Wohnen“. Zwar entsteht im Dorf laufend Wohnraum, darunter auch der eine oder andere konventionierte, doch der Ankauf ist für Familien schlicht sehr teuer. Zwar gibt es inzwischen entsprechende Förderungen auf Landesebene, dennoch müssen wir nach weiteren Modellen suchen. Mit dem Gemeindeentwicklungsprojekt wollen wir dieses Thema nun konkret angehen und klären, wo und wie die Gemeinde Einfluss nehmen kann, damit leistbares Wohnen möglich wird. Diese Baustelle wird uns aber sicher noch einige Zeit lang beschäftigen.

Wirtschaftsstandort
Wenn man bedenkt, dass Schenna bis in die 1950er Jahre noch ein kleines, für Südtirol typisches Bauerndorf war, ist es schlichtweg beeindruckend, wie das einstige Dorf sich schließlich zu einem der bedeutendsten Urlaubsorte in Südtirol entwickeln konnte. Heute zählt Schenna rund 3.033 Einwohner und erstreckt sich über eine Gesamtfläche von 4.826 Hektar. Das zweite Wirtschaftsstandbein von Schenna ist neben dem Handwerk und dem Handel die Landwirtschaft. Diese wird von rund 200 landwirtschaftlichen Betrieben auf einer Nutzfläche von knapp 2000 ha betrieben. Der Radverleih „Bike Schmiedhans“ sowie der Feinschmeckerladen „Schenner Speckladele“ sind zwei besonders rührige Betriebe im Dorf. Einige der Schenner Handwerksbetriebe haben sich in der Handwerkerzone Naif niedergelassen, darunter auch der Heizungs- und Sanitärexperte „Luis Egger“.
Philipp Genetti