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17. Juli 2026
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Glauben, sammeln und wissen

In wenigen Tagen jährt sich der Todestag des über die Grenzen Südtirols hinaus bekannten
Naturforschers und Pfarrers von Schweinsteg Florian Schrott zum 55. Mal.

In vielen kleinen Ortschaften reicht eine Nummerierung der Häuser vollkommen. Straßennamen sind nicht nötig. Wer auf der Passeirer Straße nach Saltaus rechts abbiegt, folgt dem Weg zur St. Leonharder Fraktion Schweinsteg. Das Haus mit der Nummer 1 war lange Zeit Wohnort eines höchst aktiven Geistlichen. Er hieß Florian Schrott und war als „Schneckenpfarrer“ in ganz Südtirol bekannt. Als er 1930 die Kuratie Schweinsteg übernahm, lobte sein Vorgänger die Stelle. Der Ort sei nur zwei Stunden von Meran entfernt, sei sonnig, es herrsche mildes Klima, die Arbeit würde sich in einem guten Gleichgewicht halten und es gäbe genügend Einkommen, kurzum, ein sorgenfreies und wohlgeordnetes Leben stünde ihm bevor. Die Wirklichkeit sah jedoch anders aus. Die Einkünfte waren gering, das Leben eintönig, die Wege steil und im Winter stark vereist. Doch Schrott wollte endlich sesshaft werden. In den ersten Jahren nach seiner Priesterweihe wurde er jährlich versetzt. Während des Ersten Weltkriegs diente er als Feldkaplan und kam anschließend nach Tisens. Dort fand er ein weites Betätigungsfeld. Er kümmerte sich um die Schule, verwaltete den Armenfonds und inszenierte Theaterstücke. Zudem traf er auf eine Leidenschaft, die ihn bis an sein Lebensende begleiten sollte: die wissenschaftliche Erforschung der Landschnecken.

Von Lajen nach Schweinsteg

Florian Josef Schrott stammte aus dem Eisacktal und wurde am 15. März 1884 in Lajen geboren.  Seine Eltern waren der gleichnamige Schmuckbauer und dessen Frau Katharina Vonmetz. Der von Wiesen, Äckern und Weinbergen umgebene Hof lud den aufgeweckten Jungen schon früh zur Beobachtung von Pflanzen und Tieren ein. Nach dem Besuch des Augustiner-Gymnasiums in Brixen studierte er Theologie und wurde 1910 zum Priester geweiht. In Tisens förderte der dortige Pfarrer Nikodemus Rabensteiner Schrotts Interesse für die Wissenschaften. Als er nach Schweinsteg kam, wo er die folgenden vier Jahrzehnte bleiben sollte, ließ ihm die dortige Abgeschiedenheit Zeit für allerlei Arbeiten und Studien. Er legte ein Familienbuch des Ortes an, sammelte Farne und verfasste eine detaillierte Chronik. Dabei notierte er nicht nur Geschehenes, sondern hielt auch Stimmungen und Einschätzungen fest, wie seine Eintragungen aus der Zeit der Option belegen. Wenn es ihm seine seelsorgerische Tätigkeit erlaubte, machte er sich im Sommer einige Wochen auf die Wanderschaft. Wer die Natur kennenlernen will, muss sie sich zu Fuß erarbeiten, so war er überzeugt. Auf seinen Wanderungen hatte er nur einen Rucksack dabei. Neben dem Proviant und einigen Werkzeugen durften Gläschen und kleine Schachteln für die entdeckten Schnecken nicht fehlen. Seine stetig wachsende Sammlung dokumentierte minutiös das Vorkommen der Gehäuseschnecken in dem von ihm durchwanderten Gebiet. Durch seine wissenschaftliche Gründlichkeit war es ihm möglich, Schneckenarten für Gebiete nachzuweisen, in denen sie bisher nicht gefunden worden waren. Er stand mit in- und ausländischen Experten in Kontakt und publizierte seine Erkenntnisse in deutscher und italienischer Sprache. Ihn auf seine Schneckensammlung und wissenschaftlichen Interessen zu reduzieren, würde nur einen Teil seiner Persönlichkeit wiedergeben. Er war ein leutseliger Mensch und seine Tür stand für jedermann offen. Gerechtigkeit war ihm besonders wichtig: Die Schikanen der Faschisten verurteilte er genauso wie Diebstähle der Partisanen oder Wucherpreise mancher Landsleute. 1969, nach fast vierzig Jahren als Geistlicher in Schweinsteg, ließ er sich in den Ruhestand versetzen. Am 15. Juli 1971 starb Florian Schrott im Alter von 87 Jahren. An der Hauswand von Schweinsteg 1 erinnert eine Gedenktafel an ihn.

Christian Zelger