

Der FC Obermais hat in seiner ersten Serie-D-Saison Geschichte geschrieben. Was zwischenzeitlich bereits nach einem fast sicheren Abstieg aussah, endete für den Meraner Stadtviertelverein in einem echten Fußballmärchen. Nach einem nervenaufreibenden Saisonfinish schaffte der FCO tatsächlich den Klassenerhalt und darf damit auch in der kommenden Saison in Italiens vierthöchster Liga antreten.
Noch wenige Wochen vor Saisonende war die Lage äußerst kritisch. Obermais steckte tief im Tabellenkeller fest, der direkte Abstieg rückte näher und selbst die Hoffnung auf ein Playout drohte zu schwinden. Die Mannschaft musste praktisch in jedem Spiel punkten, um überhaupt noch eine Chance auf den Ligaverbleib zu haben. Doch genau in dieser entscheidenden Phase zeigte die Mannschaft um Präsident Hannes Schnitzer Charakter. Der FCO blieb sieben Spiele in Folge ungeschlagen, kämpfte sich zurück und entwickelte plötzlich jene Mentalität, die man im Abstiegskampf braucht. Das große Saisonfinale entwickelte sich schließlich zu einem regelrechten Fußballkrimi. Im entscheidenden Spiel gegen San Luigi zeigte Obermais wohl eine der besten Leistungen der gesamten Saison und hielt mit einem überzeugenden 3:1 Sieg in Lupari den Traum vom Klassenerhalt am Leben.

Danach folgte das alles entscheidende Playout gegen Vigasio. Die Dramatik des Spiels, mit dem Ausgleich in der letzten Sekunde der Nachspielzeit durch Nachwuchscrack Stefan Turini war nur die Vorspeise für einen denkwürdigen Schlussabschnitt in der darauffolgenden 30minütigen Verlängerung. Einwechselspieler Alex Loncini war es, der vier Minuten vor Ende der Verlängerung das Leder mit einem satten Rechtsschuss ins das Vigasio Tor jagte und noch nie dagewesene Jubelstürmer unter den mehr als 400 mitgereisten Fans auslöste. Für einen Verein wie den FCO ist die Entwicklung der vergangenen Spielzeit außergewöhnlich. Die Euphorie rund um den Verein ist in den vergangenen Monaten enorm gewachsen. Die Serie D hat in Meran spürbar etwas ausgelöst. Der Klassenerhalt ist deshalb weit mehr als nur ein sportlicher Erfolg. Für den FCO bedeutet das zweite Jahr in der Serie D einen historischen Schritt und die Chance, sich nachhaltig auf diesem Niveau zu etablieren. Hinter den Kulissen laufen die Planungen für die neue Saison bereits auf Hochtouren. Der FCO möchte sich für das nächste Jahr weiterentwickeln und noch professioneller aufstellen. Geplant sind unter anderem Investitionen in die Infrastruktur, besonders die Erneuerung des Kunstrasens am Viehmarktplatz steht dabei im Mittelpunkt. Gleichzeitig arbeitet der Verein daran, das sportliche Umfeld breiter aufzustellen, u.a. im Trainerteam rund um Erfolgscoach Flavio Toccoli. Dabei möchte der FCO aber trotzdem seiner Linie treu bleiben. Genau diese Mischung aus familiärer Identität, Zusammenhalt und ehrlicher Arbeit hat den Verein in den vergangenen Jahren ausgezeichnet. Neben der Tatsache, dass man vor allem auf einheimische Spieler setzt, zeichnet die Obermaiser ebenso aus, dass man seit jeher eine extrem enge Verbindung zur Fanszene pflegt. Dass ein vergleichsweise kleiner Stadtteilverein aus Meran den Sprung in die Serie D geschafft hat und sich dort nun sogar ein zweites Jahr behaupten darf, zählt schon jetzt zu den bemerkenswertesten Fußballgeschichten Südtirols der vergangenen Jahre. Und vielleicht war dieses dramatische Herzschlagfinale erst der Anfang eines noch größeren Kapitels.
Thomas Kobler