

Der 3. Mai ist kein gewöhnlicher Frühlingstag mehr. Es ist der Moment, an dem Italien rechnerisch alles verbraucht hat, was die Erde innerhalb eines Jahres erneuern kann. Ab diesem Punkt lebt das Land auf Pump – ökologisch gesehen. Der sogenannte Erdüberlastungstag rückt seit Jahren immer weiter nach vorne. Heuer so früh wie noch nie. Was abstrakt klingt, hat konkrete Bedeutung: Würden alle Menschen so leben wie in Italien, wären die globalen Ressourcen bereits Anfang Mai erschöpft. Wälder, Böden, Wasser, Atmosphäre – alles übernutzt, lange bevor das Jahr zu Ende ist. Genau hier setzt die „Organisation für Eine solidarische Welt“ (OEW) an. Mit ihren Aktionswochen vom 3. bis 17. Mai will sie zeigen, dass Veränderung möglich ist – im Kleinen wie im Großen.

Unter dem Motto „#MoveTheDate“ sollen Menschen ihren Alltag bewusst nachhaltiger gestalten. Die Idee: Wenn viele Einzelne ihr Verhalten ändern, lässt sich das Datum wieder nach hinten verschieben. Weg vom permanenten „Zuviel“, hin zu einem Maß, das der Planet verkraften kann.
Was können wir tun?
Zwölf Herausforderungen stehen zur Auswahl. Sie sind einfach formuliert, aber im Alltag oft unbequem: nur mit kaltem Wasser duschen, keine stark verarbeiteten Lebensmittel essen, ausschließlich Öffis oder das Fahrrad nutzen. Andere Aufgaben zielen auf Konsumgewohnheiten: unverpackt einkaufen, nichts mit Palmöl verwenden oder Kleidung reparieren statt neu kaufen.
Auch digitale Gewohnheiten geraten zunehmend stärker in den Fokus: keine Streaming-Plattformen, maximal eine Stunde Bildschirmzeit pro Tag. Selbst der Verzicht auf Künstliche Intelligenz wird bewusst als Ziel formuliert – ein Hinweis darauf, dass auch digitale Infrastruktur Ressourcen verbraucht.

OEW-Aktionswochen
Ein Höhepunkt der Aktionswochen ist der Besuch eines sogenannten Weltackers in Vahrn. Dort wird eine einfache Rechnung greifbar: Jedem Menschen stehen theoretisch rund 2000 Quadratmeter Ackerfläche zur Verfügung. Auf dieser Fläche müsste alles wachsen, was ein Mensch verbraucht – Nahrung, Kleidung, Energiepflanzen. Die Realität sieht anders aus. Der Flächenverbrauch liegt weit darüber, vor allem in wohlhabenden Ländern. Gleichzeitig müssen viele Menschen im Globalen Süden mit deutlich weniger auskommen. Der Erdüberlastungstag ist keine fixe Größe. Er verändert sich – je nachdem, wie gewirtschaftet und konsumiert wird. Genau darin liegt auch die Hoffnung der OEW-Kampagne.
Josef Prantl