

Mit zunehmendem Alter kehren bei mir immer häufiger Erinnerungen an die Schulzeit zurück. Und an Erzieher und Lehrer, die mich fürs Leben prägten. Meine besten Lehrer waren interessanterweise drei Italienischlehrer. An sie möchte ich hier erinnern. Im 3. Teil geht es um Prof. Giuseppe Magagna, mein Lehrer fürs Leben.
In den oberen Klassen im Johanneum in Dorf Tirol hatten wir Prof. Giuseppe Magagna als Italienischlehrer, einen damals ca. 35 Jahre alten feschen Geistlichen. Er ist am 20. März 1922 in Brez bei Castelfondo (TN) geboren und teilweise in Meran aufgewachsen. Vor dem Beginn seiner Tätigkeit als Italienischlehrer im Johanneum im Schuljahr 1957/1958 war er 10 Jahre lang Kooperator in verschiedenen Pfarreien des Trentino gewesen. Prof. Magagna war für eine Generation von Johannitern mehr als ein Italienischlehrer, sondern ein Lehrer fürs Leben, eine Lehrer-Legende. Er öffnete uns das Fenster zur Welt. Er vermittelte uns das Verständnis für Literatur, Kunst und Kultur. Er ermunterte uns zu kritischem Denken und Handeln. Häufig kam er mit zwei, drei Zeitungen unter dem Arm in die Klasse und kommentierte anhand der neuesten Nachrichten das Zeitgeschehen, während wir gebannt zuhöhrten. Nach 45 Minuten sah er dann auf die Uhr und sagte „Ach wiederum nur mehr 5 Minuten Zeit zum Unterrichten!“ Für uns war aber diese Dreiviertelstunde Zeitungs-News-Kommentieren der Unterricht schlechthin. Magagna war super. Einmal, so erinnere ich mich, unterbrach ich spontan seine Ausführungen und sagte laut „Il che non è vero!“ Alle schauten auf mich und warteten, wie er wohl reagieren würde. Er nahm meinen Zwischenruf aber sehr gelassen auf, weil er verstand, dass ich das Widersprechen einfach einmal üben wollte. Im Jahr 1975 beendete Giuseppe Magagna seine Lehrtätigkeit am Johanneum und unterrichtete dann noch sechs Jahre am deutschsprachigen Realgymnasium in Meran. Im Jahr 1981 ließ er sich in den Laienstand versetzen, zog nach Mailand, heiratete mit 59 Jahren und wirkte bis zur Pensionierung im Jahr 1987 an einer Oberschule in Mailand als Lehrer für italienische Sprache und Literatur. Ende der 1980er Jahren kontaktierte er mich telefonisch. Er hatte meine Telefon-Nummer über eine Werbeschaltung für mein Ferienhaus In St. Pankraz gefunden. Er bat mich, für seine Familie – er hatte inzwischen auch einen Sohn – ein Hotelzimmer in St. Pankraz zu suchen. Er wollte mit den Seinen auf der Schwemmalm Skifahren so wie er es von seinen letzten Jahren in Meran gewohnt war. Ich erinnere mich noch gut an das Wiedersehen nach gut 25 Jahren im Hotel Post (Innerwirt) in St. Pankraz. Wir hatten uns viel zu erzählen. In den folgenden Jahren entwickelte sich eine echte Freundschaft. Magagna war an allem, was Südtirol betraf, sehr interessiert. Ich hatte als Direktor des Amtes für Bibliotheken ein gutes Verhältnis zu meinen Kolleginnen im italienischen Amt für Weiterbildung und Bibliotheken. Diese schickten ihm sehr gerne italienischsprachige Tirolensien.
Im Herbst 1997 luden wir Prof. Magagna zu unserem Maturatreffen im Sarntal ein und verstanden uns mit ihm wie mit einem alten Kollegen. Damals erzählte er uns eine für den oberen Nonsberg typische Anekdote. Sein Vater war nach dem Krieg Bürgermeister von Brez gewesen und wollte im Dorf eine Kanalisation errichten. Er wusste aber genau, dass dies der Gemeinderat nie genehmigen würde, und griff daher zu einem Trick. Er ließ von einer Firma an der Grenze zur Nachbargemeinde Rohre abladen. Bei der nächsten Sitzung wurde er gefragt, ob er denn wisse, was es mit diesen Rohren auf sich habe. Als er darauf antwortete, dass seines Wissens die Nachbarn eine Kanalisation errichten möchten, riefen alle „Nein, das darfst du nicht zulassen, dass sie uns zuvorkommen! Setz dich gleich mit dieser Firma in Verbindung und sag, dass sie die Rohre bei uns verlegen sollen!“ Am 17. August 2016 erschien in den „Dolomiten“ eine Todesanzeige mit Seltenheitswert. Sie lautete „Kurz vor seinem Tod hat Professor Giuseppe Magagna *20. 3. 1922 (Brez/Trentino) + 6. 8. 2016 (Mailand) den Wunsch geäußert, die deutschsprachigen Studenten von damals zu grüßen, die er im Laufe der Jahre unterrichtet hat.“ Gewaltig! Gottlieb Pomella nahm dies zum Anlass, zusammen mit Arnold Stiglmair und Theodor Riffeser am 29. Oktober 2016 in der Dominikanerkirche in Bozen einen Gedächtnisgottesdienst für den überaus geschätzten Lehrer zu organisieren, zu der auch Vincenzo, der Sohn von Prof. Magagna kam und an der viele ehemalige Schüler teilnahmen. Ich war damals leider im Ausland und erfuhr erst im Nachhinein von der Initiative. Stiglmair erzählte mir, dass Gottlieb Pomella zu Vincenzo gesagt habe „Ihr Vater war ein besonderer Lehrer“, worauf dieser geantwortet habe „Ja, ich weiß. Aber er sagte immer: Ihr wart besondere Schüler.“ Am 6. August 2026 jährt sich der Todestag von Prof. Giuseppe Magagna zum zehnten Mal. Diesen 10. Jahrestag wollen wir in Dorf Tirol mit einer Wortgottesfeier zu Ehren unseres unvergesslichen Meisters des Wortes und der Sprache würdig feiern. Wer zu gegebener Zeit Näheres dazu erfahren will, darf mir gerne schreiben, und zwar an
franzberger55@gmail.com.
Franz Berger