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Wohnideen für Zuhause

Beim Betreten der eigenen Wohnung soll sich vor allem ein Gefühl ein­stellen: Entspannung. Der Rückzug ins Private ist ein wichtiger Faktor. Egal ob vom Profi geplant oder mit eigener Kreativität aufgepeppt – unsere vier Wände haben einen höheren Stellenwert bekommen.

von Jasmin Maringgele

Eine Wohnung ist heute ein Sammelbegriff für alle Arten von Gebäuden und Räumen, die als Wohnsitz dienen können. Feste und unverrückbare Behausungen wurden für die Menschen wichtig, als sie damit begannen Ackerbau zu betreiben und vorwiegend sesshaft wurden.
In erster Linie dienten diese Behausungen dem Schutz vor Witterungen, der generellen Sicherheit, Zubereitung und Lagerung von Nahrung und der Körperpflege.
Über lange Zeit­räume hinweg wurden derlei Wohnräume von großen Familien und Sippen bewohnt. Erst in modernen Industriegesellschaften nahmen Einzelhaushalte zu. Heute existieren viele unterschiedliche Wohnungs­formen – von freistehenden Einfamilienhäusern, über moderne Loftwohnungen in ehemaligen Fabriken, bis hin zu autonome Tiny Houses, die komfortables Leben auf kleinem Raum ermöglichen.
99,9 % der Weltbevölkerung ge­ten als sesshaft und versuchen, je nach Möglichkeit, ihren Wohnraum den persönlichen Vorstellungen entsprechend zu gestalten.
Was gefällt, ist so individuell wie ihre Bewohner und zumeist ein Spiegel der Persönlichkeit.

„Mensch sein heißt wohnen“
Der deutsche Philosoph Martin Heidegger verweist in seinem Zitat auf den Wortursprung von wohnen: Zufrieden und geschützt sein. In den eigenen vier Wänden kann man sich ungestört entfalten und genießt Schutz und Geborgenheit. Während der Corona-Pandemie ist die Wohnung für viele zum Arbeitsort, zur Kita und zum Fitnessstudio geworden. Daher verwundert es kaum, dass oftmals gerade diese Zeit intensiv zum Betrachten und Umgestalten des Wohnraums genutzt wurde. Im Laufe der Jahre sammelt sich, bewusst und unbewusst, vieles an, das Rückschlüsse auf die Persönlichkeit seiner Bewohner zulässt.
Die Frage nach dem eigenen Einrichtungsstil steht am Anfang jeder Neu- oder Umgestaltung. Minimalistisch, Boho, Vintage oder Landhaus sind nur einige der Möglichkeiten, um die persönlichen Vorlieben abzubilden – oder eine gekonnte Mischung. Raum­ausstatter haben sich darauf spezialisiert, Kundenwünsche pass­genau umzusetzen.
Sie arbeiten dabei mit einer breiten Palette an Gestaltungsmöglichkeiten und Vorstellungskraft. In erster Linie müssen sich die Bewohner in ihrem Zuhause auf Dauer wohlfühlen.
Kleinigkeiten, wie Deko oder Bilder, lassen sich schnell adaptieren. Deswegen setzen die meisten auf Klassiker in ihrer Grundausstattung. Wohnen ist keine beliebige Tätigkeit, sondern ein zentraler Faktor. Dachschrägen beispielsweise, zählen zu den gefürchteten Problemzonen. Als Schlaf- oder Sitzecke gemütlich eingerichtet, wird der niedrige Bereich unter der Dachschräge schnell zum geborgenen Nest.
Helle Farben machen Dachräume zudem wohnlicher oder lassen sich gezielt ausleuchten. Viele Wohntipps wirken sofort und kosten nur einen Nachmittag Zeit. Wenn man sich nach Jahren vom Sofa sattgesehen hat, kann ein neuer Bezug eine praktische und kostengünstige Lösung sein. Alternativ: Pölster in einer neuen Farbe, kombiniert mit einer passenden Decke. Eine einzelne Wand zu streichen, sorgt für einen neuen Raumeindruck und ist nicht so aufwändig. Ebenso lassen sich spielend Griffe an Kommoden oder Schränken austauschen oder Möbel umlackieren. Gekonnt platzierte Spiegel simulieren Raumtiefe und sorgen für Helligkeit. Bunte Spülmittelflaschen lassen sich einfach durch schöne Pumpflaschen ersetzen und schicke Vorratsdosen aus Glas oder Keramik, statt Verpackungen.

Schöner draußen –Gartenideen
Wer über einen Garten verfügt, schätzt diesen nach den Corona-Einschränkungen umso mehr. Lauschige Plätzchen zum Entspannen, liebevoll gepflegte Blumenwiesen, köstliches Obst und Gemüse oder ein Platz zum Toben: Gärten sind Wohn- und Lebensraum im Freien.
Durch den einfachen Trick, freien Raum durch Bäume, Hecken oder Sträucher zu unterteilen und nicht einsehbar zu machen, wirken auch kleine Gärten automatisch größer und gemütlicher. Ein von Hecken umschlossener Platz lädt zum Zurückziehen ein. Mit indirektem Licht – durch versteckte Spots am Boden – werden Büsche und Bäume am Abend in sanftes Licht getaucht. Mittels hochwertiger und gemütlicher Gartenmöbel lässt sich im Sommer das Wohnzimmer nach draußen verlegen. Besonders individuell kann man mit Deko im Garten spielen. Wichtig bei Gartendeko ist in erster Linie, dass sie wetterfest ist. Das heißt: eine robuste Beschaffenheit und farbechtes Material. Punktuell eingesetzte Fackeln, Öllampen, Feuerschalen oder Leuchten holen Urlaubsstimmung in den heimischen Garten. Spezielle Kissen und Teppiche sind extra für den Einsatz draußen gemacht und komplettieren das Wohnzimmergefühl. Wer Rat beim Profi sucht, liegt bei einem Raumausstatter oder Einrichtungsexperten auch in Sachen Gartenplanung richtig.

 

Raumausstatter – Traum vom (schönen) Raum

Mit Farben, Stoffen und Formen gestalten Raumausstatter individuelle Wohlfühl(t)räume nach Wunsch. Dabei greifen sie auf Kreativität, Geschmack und Handwerksgeschick zurück.

Erbstücke erhalten neuen Glanz

Raumausstatter gestalten Räume aller Art – vom heimeligen Wohnzimmer bis hin zum modernen Büro. Dabei setzen sie vor allem auf ein stimmiges Zusammenspiel aus unterschiedlichen Materialien, Farben, Formen und Lichtkompositionen. Kundenwünsche gilt es richtig zu erkennen und umzusetzen, dabei ist große Kreativität und Vorstellungsvermögen gefragt. Der Beruf des Raumausstatters geht bereits bis ins 13. Jahrhundert zurück und hat seinen Ursprung in Frankreich. Diese Tätigkeit wurde damals als „tapissier“ bezeichnet und verweist bereits auf das Wort „Tapezierer“. Ein Tapissier kümmerte sich vor allem um die hochwertige Ausstattung von Adelshäusern und Burgen. Seine Hauptaufgabe war es, Teppiche zu verlegen und mit edlen Stoffen zu arbeiten.
Die Berufe Tapezierer und Raumausstatter sind auch in Südtirol eng miteinander verwandt. Daher spielt das Bedienen einer Nähmaschine oder unter Umständen auch das Verlegen von unterschiedlichen Bodenbelägen eine große Rolle im Alltag eines Raumausstatters. Ebenso gehört zu ihrer Arbeit das Tapezieren und Wandbespannen, Anfertigen und Montieren von Sonnenschutzanlagen oder Herstellen von Bettwaren unterschiedlichster Art.

Aufgeräumte Charakter
In Südtirol sind derzeit 387 Tapezierer und Raumausstatter in 111 Betrieben tätig. Ihnen ist gemein, dass sie über Stilempfinden, Einfühlungsvermögen und kunsthandwerkliches Geschick verfügen. Als Raumausstatter arbeitet man oft selbstständig, hat Kontakt zu vielen Menschen und häufig wechselnde Einsatzorte. Die Kundenwünsche variieren stark und reichen von ausgefallener Dekoration, über das Aufarbeiten antiker Polstermöbel bis hin zur stimmigen Konzeption ganzer Gebäude. Abgesehen von einer Hausstauballergie oder starken Rücken- und Gelenksproblemen, eignet sich der Beruf des Raumausstatters besonders für all jene, die beim Besuch im Möbelhaus ins Schwärmen und Dekorieren geraten.
Der Weg zum gelernten Raumausstatter führt über eine duale Lehrausbildung. Der Blockunterricht findet in der Nordtiroler Berufsschule für Garten, Raum und Mode statt, der praktische Ausbildungsteil wird in einem Fachbetrieb abgehalten. Zusammengefasst werden vier große Themenblöcke während der Lehrausbildung vermittelt: Polstern, Dekorie­ren, Bodenlegen und Ta­pe­­zieren/Wandbespannen.
Die Ausbildung mündet nach 3 Jahren in den Lehrabschluss und der Möglichkeit, eine Meisterprüfung oder eine Berufsreifeprüfung anzustreben, die RADAK (Raumausstattungsakademie Salzburg) oder unterschiedliche Speziallehrgänge zu besuchen. Der moderne Raum­ausstatter ist nach Abschluss seiner Ausbildung ein Spezialist für die Gestaltung und Ausstattung von Räumen im Wohn- und Objektbereich.