Brückenbauer von Afrika nach Tisens

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Brückenbauer von Afrika nach Tisens

Wer zufällig nach Tisens kommt, staunt nicht wenig, wenn beim Gottesdienst plötzlich ein afrikanischer Priester aus der Sakristeitür tritt. Die einheimische Bevölkerung jedoch hat ihren Pfarrer längst schätzen und lieben gelernt.

Wo liegt denn Tansania? So fragten sich wohl viele, als es im Jahr 2016 plötzlich hieß, dass in Tisens ein Seelsorger aus Tansania kommen würde. Und wer weiß, wie herrlich dieses ostafrikanische Land ist, mit dem in den Himmel ragenden Kilimandscharo, mit den weißen Stränden am Indischen Ozean und den Korallenriffen, mit dem einzigartigen Serengeti-Nationalpark, der wundert sich noch mehr über diesen Ortswechsel.

Das Fest Allerheiligen 1973 wurde der Geburtstag von Tumaini Ngonyani, der in einem kleinen Dorf als Ältester von fünf Kindern geboren wurde. Seine Mutter war Krankenschwester, sein Vater ein Bauarbeiter. Nachdem er die Unterstufe der Grundschule in seinem Dorf besucht hatte, hieß es schon früh, von daheim Abschied zu nehmen. Tumaini musste fort von zuhause ins Internat der Missionsbenediktiner. Dort durfte er die Oberstufe und anschließend das Gymnasium in einem interdiözesanen Knabenpriesterseminar besuchen. Bereits in dieser Zeit reifte in ihm der Entschluss, einmal als Priester den Menschen zu dienen. Damals ahnte er wohl kaum, dass ihn sein Weg einmal in das schöne Dorf im Herzen Südtirols führen würde.

Der erste Flug

Nachdem Tumaini im Priesterseminar seiner Heimatdiözese die philosophischen Studien erfolgreich beendet hatte, schickte sein Bischof den talentierten, jungen Mann zum Studium der Theologie nach Europa. Heute noch erinnert er sich an die Gefühle, die ihn auf seinem ersten Flug in eine so ferne Welt, in eine ganz andere Kultur, in eine fremde, unbekannte Sprache bewegten. Es war für ihn wie ein Sprung ins kalte Wasser. Tumaini kam zum Studium der Theologie ins Canisianum nach Innsbruck, eine von Jesuiten geführte, internationale Ausbildungsstätte. Die strikte Vorschrift, das Englische (die erste Fremdsprache in Tansania), nicht mehr zu benützen, sondern sich nur auf Deutsch zu verständigen, hatte den Vorteil, dass die jungen Männer – solche deutscher Muttersprache waren zum Glück damals noch viele dabei – sich bald ganz gut verständigen konnten.

Lernjahre sind keine Herrenjahre

Es folgten Jahre ernsten Studiums und erste Kontakte mit der Bevölkerung. Der junge Theologiestudent fühlte immer wieder das Misstrauen, das ihm als Ausländer entgegenschlug, und es war oft nicht leicht, damit umzugehen. Umso schöner waren die Begegnungen in seiner Patenpfarrei am Arlberg, welche die Kosten für seine Ausbildung übernommen hatte. Heute noch steht er in freund­schaftlichem Kontakt mit dem Pfarrer von dort. Endlich war es so weit, Tumaini war am Ziel seines langen Traums: Am 17. August 2004 wurde er in seiner Heimatdiözese in Tansania zum Priester geweiht. Es war ein Freudentag für ihn, für seine Familie und für sein Dorf.

Die rechte Hand des Bischofs

Gleich nach seiner Weihe begann für den Neupriester eine völlig andere Erfahrung, denn für fünf Jahre wurde er Sekretär des Bischofs. Dieser Dienst ermöglichte es ihm, sich einen guten Einblick in seine Heimatdiözese zu verschaffen und viel Neues zu lernen. Es folgte ein Aufbaustudium in Mainz, im Fach Liturgie, dann konnte er fast vier Jahre lang Erfahrungen als Kaplan in der Diözese Limburg sammeln.

Brücke mit Gegenverkehr

Pfarrer Tumaini sieht seine Zeit in Europa keineswegs als eine „Einbahnstraße“, sondern als eine gegenseitige Bereicherung. Jeder kann von jedem lernen, dies besonders, wenn unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen, jeder ist ein Geschenk für den andern, kann ihm helfen, seine enge „Welt“ aufzubrechen. So erlebt er auch jetzt seinen Dienst in der Pfarrei von Tisens. Dort fühlte er sich von Anfang an sehr willkommen und ist berührt von der Hilfs­bereitschaft, die ihm entgegengebracht wird. Durch seine guten Kontakte hier möchte er auch seinen Landsleuten helfen, die es schwerer haben.

Not in der afrikanischen Heimat

Pfarrer Tumaini hat schon verschiedenes in Angriff genommen, um seinen Landsleuten zu helfen. So half ihm die Pfarrei von Stegen im Pustertal mit dem nötigen Geld für den Bau eines Kindergartens, das Missionsamt finanzierte teilweise den Bau einer Vor- und Grundschule sowie einer Krankenstation. Zurzeit läuft das Projekt „gesundes und sauberes Wasser“ um das Wasser, von den Quellen ins Dorf zu leiten. Die Tisner Bevölkerung hat die „Initiativgruppe Tansania“ gegründet und will tatkräftig mithelfen, dass immer wieder die nötigen Mittel zur Verfügung stehen, damit alles auch gut geführt werden kann.

Die BAZ wünscht dem bescheidenen, sympathischen Priester, der inzwischen ein ausgezeichnetes Deutsch spricht, ein frohes, segensreiches Wirken in seiner Südtiroler Pfarrei.

 

von Christl Fink