Ich, und nur ich?

Der zunehmende Egoismus in Wirtschaft und Politik gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt massiv. Wenn individuelle Profitgier und machtpolitisches Kalkül über das Gemeinwohl gestellt werden, droht eine Rückkehr zum „Recht des Stärkeren“. Diese Entwicklung untergräbt das Vertrauen in Institutionen und Mitmenschen, was zu sozialer Isolation und gewaltsamen Konflikten führt. Ein System, das rücksichtsloses Durchsetzungsvermögen belohnt, lässt die Schwächeren zurück und zerstört die moralische Basis unseres Zusammenlebens.
Um diesem Trend entgegenzuwirken, ist eine gezielte Förderung von Solidarität und ethischer Verantwortung notwendig. Bildungssysteme und politische Rahmenbedingungen sind so zu gestalten, dass kooperatives Handeln attraktiver wird als egoistisches Streben. Persönliche Selbstverwirklichung darf nicht im Widerspruch zum Gemeinwohl stehen. Nur wenn wir lernen, Verantwortung für die Auswirkungen unseres Handelns zu übernehmen, kann eine gerechte und stabile Zukunft gesichert werden.

Walter J. Werth