Fertigstellung Bremerhof in Lana

Der historische Kaiserjägerhof mit Geschichte

Es gibt Orte, deren Mauern mehr erzählen können als so manches Geschichtsbuch. Der Bremerhof am Kirchweg Nr. 17 in Niederlana gehört zweifellos dazu. Seine Geschichte reicht weit zurück. Bereits 1488 wurde das Anwesen erstmals urkundlich erwähnt. Über die Jahrhunderte war der Hof nicht nur ein landwirtschaftlicher Betrieb, sondern auch Schauplatz zahlreicher Geschichten und mit bemerkenswerten Persönlichkeiten verbunden. Seinen besonderen historischen Charakter verdankt der Bremerhof unter anderem seiner Verbindung zu den Kaiserjägern. Auch der weit über die Grenzen Südtirols hinaus bekannte Kräuterdoktor Franz Isidor wird mit dem geschichtsträchtigen Anwesen in Verbindung gebracht. Eine weitere bedeutende Persönlichkeit der Hofgeschichte war der Großvater der heutigen Eigentümerin Renate Margesin. Als einer der ersten Telefon-
E-Entstörer brachte er die ersten Telefonleitungen nach Partschins und Verona – eine Pionierleistung in einer Zeit, in der moderne Kommunikation noch in den Kinderschuhen steckte. Seit etwa 1900 befindet sich der Bremerhof im Besitz der Familie Margesin. Generationen haben hier gelebt, gearbeitet und ihre Spuren hinterlassen. Nun wurde ein neues Kapitel in der langen Geschichte des Hofes aufgeschlagen.

    

Alten Charakter bewahren und neu interpretieren
Der Wunsch nach einer behutsamen Erneuerung war eng mit einem persönlichen Traum verbunden. Die jüngste Tochter der Familie wollte den besonderen Charme der historischen Räume bewahren und gleichzeitig mit den Anforderungen der Gegenwart verbinden. Aus dem Anspruch, Altes nicht einfach zu ersetzen, sondern neu erlebbar zu machen, entstand ein außergewöhnliches Ferienensemble. Das ursprüngliche Projekt für den Bremerhof wurde von Architektin Christa Mair ausgearbeitet. Im Laufe der Planung ergaben sich neue Anforderungen, die ein Variantenprojekt notwendig machten. Mit der Erstellung der dafür erforderlichen Planunterlagen wurde das Ingenieurbüro Oberkofler mit Sitz in Lana beauftragt. Das Ergebnis verbindet Geschichte, Architektur und zeitgemäßen Wohnkomfort. Aus dem ehemaligen Stall und dem Heustadel entstanden großzügige und hochwertig ausgestattete Ferienwohnungen. Dabei sollte bewusst kein steriler Hotelkomfort entstehen. Vielmehr stand die Idee im Mittelpunkt, den Gästen ein „Zuhause auf Zeit“ zu bieten – einen Ort mit Persönlichkeit, Geschichte und familiärer Atmosphäre.

    

Tradition und zeitgemäße Architektur
Das historische Wohngebäude erfuhr durch die Sanierung eine umfassende Aufwertung. Der Bremerhof steht zwar nicht unter Denkmalschutz, dennoch war der respektvolle Umgang mit der bestehenden Bausubstanz ein wesentlicher Bestandteil der Planung. Das Wirtschaftsgebäude befand sich in einem baufälligen Zustand und musste abgebrochen und anschließend neu errichtet werden. Im Zuge der Arbeiten fiel schließlich auch die Entscheidung, das Wohnhaus neu zu errichten. Dabei wurde besonderer Wert darauf gelegt, die ursprünglichen Proportionen zu bewahren. Größe, Form und Einteilung der Räume orientieren sich am historischen Bestand, sodass die ursprüngliche Wirkung des Gebäudes auch im Neubau nachvollziehbar bleibt.

Veränderungen wurden nur dort vorgenommen, wo sie für die heutige Nutzung erforderlich waren. Dazu gehörten insbesondere Anpassungen im Verarbeitungsraum sowie die Unterkellerung des Wirtschaftsgebäudes, um zusätzliche Keller- und Lagerräume für die neuen Wohnungen zu schaffen. Auch bei der Getaltung der Fenster war Zurückhaltung gefragt. Sie sollten sich soweit wie möglich am ursprünglichen Erscheinungsbild orientieren. Aufgrund der neuen inneren Raumaufteilung waren jedoch kleinere Anpassungen notwendig. Um den historischen Charakter zu bewahren, wurde bewusst darauf verzichtet die Fenster übermäßig groß auszuführen. Ein besonderes architektonisches Element bildet das große Glaselement im Stiegenhaus. Es schafft eine klare Verbindung und zugleich eine gestalterische Trennung zwischen dem historischen Charakter und dem neu interpretierten Gebäudeteil. Die moderne Formensprache wird auch bei den größeren Glasflächen fortgeführt: Holzlamellen verleihen den Fassadenelementen Wärme und schaffen gleichzeitig einen gestalterischen Bezug zur ländlichen Umgebung und zur historischen Architektur.

  

Wohnungen mit eigener Geschichte
Heute verfügt der Bremerhof über individuell gestaltete Wohnungen. Jede trägt einen Namen, der an die ursprüngliche Nutzung und Geschichte des Hofes erinnert: „Bauerstube,“ „Selchkuchl“, „Futtertrog“ und Tenn“.  So wird Geschichte nicht zum Museum hinter Glas, sondern zu einem Teil des täglichen Erlebens. Alte Begriffe, traditionelle Materialien und räumliche Bezüge erinnern an die frühere Funktion des Hofes, während moderne Ausstattung und großzügige Wohnbereiche den heutigen Ansprüchen gerecht werden. Auch das Schwimmbecken fügt sich harmonisch in das neue Wohnkonzept ein. Es wurde in Stahlbetonbauweise errichtet und besteht aus einer bewährten Bodenplatte und  ebensolchen Stahlbetonwänden. Als ergänzendes Element der Anlage bietet es den Gästen einen zeitgemäßen Rückzugsort und schafft einen besonderen Ort der Erholung inmitten der historischen Hofanlage.

Blick in die Zukunft

Die Geschichte des Bremerhofes soll auch künftig lebendig bleiben. Geplant ist ein kleines Familienmuseum mit angeschlossener Ahnenforschung. Dokumente, Erinnerungen und Geschichten der Familie Margesin sowie des Hofes sollen gesammelt, bewahrt und für kommende Generationen zugänglich gemacht werden.  Auch technisch ist der Bremerhof zukunftsorientiert ausgestattet. Eine Photovoltaikanlage mit 19,92 kW unterstützt die Energieversorgung der Anlage. Die Heizungsanlage verfügt über eine Leistung von 5,5 bis 16,6 kW. Damit verbindet der Bremerhof auf besondere Weise Vergangenheit und Zukunft: Ein historischer Ort bleibt seiner Geschichte verbunden und erhält gleichzeitig eine neue Perspektive – als hochwertiges Ferienensemble, als Familienprojekt und als lebendiger Teil der Geschichte von Niederlana.


Markus Auerbach