Ein Aushängeschild

Kindergarten Feldgasse: ein neuer Ort zum Spielen und Entdecken in Naturns

Es war ein Jubeltag, jener Montag, 7. September. Naturnser Kinder konnten in ihren neuen Kindergarten in der Feldgasse einziehen. Und dieser kann sich sehen lassen. Vier Gruppen kommen hier auf drei Etagen auf ihre Kosten, verschiedene Themenräume – Kreativraum, Bauraum, Rollenspielraum, Natur- und Forschungsraum sowie Holzwerkstatt – und mehrere Zusatzräume wissen zu begeistern. Aber der Reihe nach. Der neue Kindergarten steht am Ende einer langen Entwicklung der Kinderbetreuung in Naturns. Der erste „Kindergarten“ des Dorfes war im angrenzenden „Spital“, dem heutigen Gebäude für den sozialen Wohnbau, untergebracht. Als sogenannte „Kinderbewahrungsanstalt“ wurde er von 1903 bis 1970 von Schulschwestern des Frauenordens der „Barmherzigen Schwestern“ geführt. Danach übersiedelten die beiden Gruppen vorübergehend in eine alte private Villa in der Bahnhofstraße. Gleichzeitig wurde nach den Plänen des Architekten Stefan Rabanser ein neuer Kindergarten im „Flora-Anger“ gebaut. 1975 konnte dieser gemeinsam mit dem neuen Grundschulgebäude unter Bürgermeister Arthur Lesina-Debiasi von Dekan Georg Peer eingeweiht werden. Fast 50 Jahre lang – von 1975 bis 2024 – besuchten dort viele Generationen von Naturnser Kindern den Kindergarten. Das Gebäude wuchs mit der Gemeinde mit. Aufgrund des starken Bevölkerungswachstums wurde es im Laufe der Jahre mehrfach erweitert und angepasst. Schließlich fanden sechs Kindergartengruppen darin Platz. Doch auch die Anforderungen an die Betreuung veränderten sich. Neue pädagogische Ansätze und der Wunsch nach kindgerechteren Räumlichkeiten machten nach der Jahrtausendwende eine Neukonzeption notwendig. 2014 entschloss sich die Gemeindeverwaltung deshalb, die Gruppen aufzuteilen. Zunächst wurden sie provisorisch in einem Nebenhaus im Rathauspark untergebracht. Mit dem neuen Kindergarten im Generationenpark folgte schließlich eine dauerhafte Lösung. Das Gebäude in Holzfertigbauweise wurde nach nur neunmonatiger Bauzeit 2024 fertiggestellt und feierlich übergeben. Seit dem Kindergartenjahr 2026/27 werden dort zwei Gruppen mit insgesamt 41 Kindern betreut. Zudem stehen in der Kindertagesstätte 30 Plätze zur Verfügung, die bei Bedarf künftig auf bis zu 50 Plätze erweitert werden können.

  

Zwei Jahre Bauzeit
Parallel zur Entwicklung im Generationenpark nahm die Geschichte des neuen Kindergartens in der Feldgasse ihren Lauf. Auf Basis des Siegerprojekts einer Bietergemeinschaft rund um das Büro KUP-Arch aus Brixen wurde ab 2024 gebaut. Nach rund zwei Jahren Bauzeit konnte das Gebäude nun pünktlich zum Beginn des Bildungsjahres 2026/27 seiner Bestimmung übergeben werden. Platz bietet der neue Kindergarten für bis zu 100 Kinder. Derzeit werden in den vier Gruppen 86 Kinder betreut. Je zwei Gruppenräume befinden sich auf einem Stockwerk und bilden zusammen mit Garderobe und Waschraum jeweils eine Funktionseinheit. Dazwischen liegen die verschiedenen pädagogischen Räume, die flexibel genutzt werden können. Rund um die großzügige Haupttreppe zieht sich ein Spielkorridor mit Nischen, die sowohl zum Spielen als auch zum Rückzug einladen. „Der Bau verlief reibungslos, die Firmen leisteten eine sehr gute Arbeit“, sagt der zuständige Gemeindereferent Michael Ganthaler. Auch finanziell blieb das Projekt im Rahmen. „Es ist nicht nur gelungen, in der angestrebten Bauzeit zu bleiben, sondern auch, dass keine Mehrkosten entstanden sind. Im Gegenteil: Aus den Abgeboten konnten zusätzlich Küche und Außengestaltung finanziert werden“, erklärt Bürgermeister Zeno Christanell. Die Küche ist nicht nur für die Kinder im neuen Kindergarten gedacht. Hier wird auch das Essen für die Kinder im Kindergarten im Generationenpark zubereitet. Dieses wird mit einem Elektroauto in den Generationenpark gebracht. Gleichzeitig profitieren weitere Einrichtungen von der zentralen Lösung: Die Schülermensa befindet sich im nahe gelegenen Rathaus, sodass das Essen dorthin ohne Autotransport gebracht werden kann.

  

Architektur trifft Pädagogik
Auch beim Gebäude wurde auf eine zeitgemäße und möglichst nachhaltige Ausführung geachtet. Das extensiv begrünte Dach ist mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet. Die Aufenthaltsräume sind nach Süden ausgerichtet, große Fenster sorgen für viel Tageslicht. Ein überdachter Hof und ein großzügiger Garten erweitern den Innenbereich und bieten Möglichkeiten für Bewegung, Spiel und Rückzug. Im Mittelpunkt steht aber das pädagogische Konzept. Die unterschiedlichen Räume sollen den Kindern Gelegenheit geben, eigene Interessen zu entdecken und sich in verschiedenen Bereichen auszuprobieren. Im Kreativraum kann gestaltet und gewerkt werden, der Bauraum lädt zum Konstruieren ein. Im Rollenspielraum können die Kinder in unterschiedliche Rollen schlüpfen, während im Natur- und Forschungsraum Beobachten, Experimentieren und Entdecken im Vordergrund stehen. Die Holzwerkstatt ergänzt das Angebot um einen Bereich, in dem mit unterschiedlichen Materialien gearbeitet werden kann.

Kindergarten und Kunst
Eine besondere Verbindung zum alten Kindergarten ist ebenfalls geblieben. Bereits 1975 hatte der Partschinser Künstler Herbert Schönweger die Außenfassade des damaligen Kindergartens mit einem modernistischen, bunten Gemälde auf Holzpaneelen gestaltet. Viele kindnahe Motive prägten das Kunstwerk. Vor dem Abbruch wurde es abgenommen und teilweise restauriert. Einige Auszüge davon werden bald als Bildtafel im Inneren des neuen Gebäudes zu sehen sein. Schönweger wurde auch für die neue Einrichtung beauftragt. Über dem Haupteingang steht der Schriftzug „KINDERGARTEN“, ebenfalls im Stil des ursprünglichen Kunstwerks. Im offenen Treppenhaus ist zudem ein neues, motivreiches Wandbild in Form eines „Lebensbaumes“ schon in Ausarbeitung. Damit spannt sich ein Bogen von jenem Kindergarten, den Generationen von Naturnsern besucht haben, zum neuen Haus in der Feldgasse.

Eröffnungsfeier im Frühjahr
Die offizielle Eröffnungsfeier des neuen Kindergartens ist für das Frühjahr 2027 geplant. Für die Kinder hat der eigentliche Zweck des Hauses aber bereits begonnen: spielen, entdecken, lernen – und gemeinsam groß werden.


Michael Andres