Was passiert, wenn Nationalisten aus verschiedenen Ländern zu Verbündeten werden? Früher oder später müssen sie sich mit einem Widerspruch auseinandersetzen, der sich nicht auflösen lässt. Die Debatte um Südtirol liefert in diesen Tagen ein Paradebeispiel dafür.
Alles begann am 11. September in Tramin, wo die Jugendorganisation der Süd-Tiroler Freiheit ein Treffen mit Jean-Pascal Hohm, dem Vorsitzenden der Jugendorganisation der AfD, veranstaltet hat. Plötzlich kündigten die Erzfeinde von CasaPound ihre Teilnahme an. Sie betonten ihre politische Nähe zu Hohm und bezeichnen die Veranstaltung als eine „mutige Demonstration zur Verteidigung des traditionellen Europas“. Eine Unterstützung, die von den Organisatoren als Provokation empfunden wurde.
Wenige Tage später folgte ein zweiter Vorfall. Diesmal organisiert die AfD eine Tagung zum 80. Jahrestag des Pariser Abkommens, an der auch Otto Mahlknecht, stellvertretender Vorsitzender der Freiheitlichen, teilnimmt. In den Werbematerialien für die Veranstaltung wird Südtirol als autonomer Staat dargestellt. Marco Galateo von Fratelli d’Italia protestierte und es kam zu einem Schlagabtausch mit seiner Kollegin in der Landesregierung, Ulli Meier von den Freiheitlichen.
Der wichtigste europäische Verbündete der AfD ist Roberto Vannacci. Der Widerspruch liegt auf der Hand: Wie kann jemand, der die Verteidigung der „Italianità“ zu seinem politischen Kernthema macht, mit einer Partei verbündet sein, die eine Abspaltung Südtirols von Italien unterstützt?
Und in der Tat bezeichnete Außenminister Antonio Tajani die AfD, aufgrund von deren Unterstützung für die Südtiroler Sezessionsparteien, als „Feinde Italiens“.
Der Fall Südtirol legt damit ein allgemeineres Problem offen. Das europäische Bündnis zwischen nationalistischen Kräften funktioniert, solange ganz allgemein über Identität, Tradition und Souveränität gesprochen wird. Sobald es aber zu einem Interessenskonflikt zwischen verschiedenen Staaten kommt, ist es aus mit der Harmonie.
Julia Unterberger
Senatorin
