Rotwand – Meran 2000
17. September 2026
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Meran 2030

Meran steht vor einem städtebaulichen Wendepunkt. Kasernenareal, Bahnhof, ehemalige Gewerbeflächen, Pferderennplatz, neue Wohnungen, Verkehr und Tourismus: Kaum eine andere Amtszeit dürfte das Gesicht der Stadt so stark prägen wie jene von Bürgermeisterin Katharina Zeller.

Die Stadt lebt von einem Widerspruch: Sie will attraktiv sein, aber nicht zu attraktiv werden. Sie braucht Tourismus, fürchtet aber dessen Folgen. Sie braucht Wohnungen, will aber nicht beliebig verdichten. Sie möchte mehr öffentliche Räume, gleichzeitig entstehen neue Quartiere. Und sie will eine moderne Stadt werden, ohne ihren Charakter als Kur- und Gartenstadt zu verlieren. Genau in diesem Spannungsfeld beginnt die Amtszeit von Bürgermeisterin Katharina Zeller.

Seit Juni 2025 steht die Juristin an der Spitze der Stadt. Eine politische Quereinsteigerin ist sie nicht. Bereits seit 2021 war sie Vizebürgermeisterin und für Umwelt, Mobilität, Bürgerbeteiligung, Wirtschaft und weitere zentrale Bereiche zuständig. Heute liegen Raumplanung, Stadtentwicklung, Sicherheit, Bürgerbeteiligung und die großen strategischen Projekte unmittelbar in ihrer Hand.  Ihr Regierungsprogramm bis 2030 umfasst 45 Maßnahmen. Darunter befinden sich Wohnungsbau, nachhaltige Mobilität, Digitalisierung, soziale Projekte, Sport, Umwelt und vor allem die Entwicklung des Kasernenareals.   Parallel zur Stadtentwicklung steht Meran vor sozialen Problemen. Die Diskussion um Bahnhof, öffentliche Räume und Suchtprobleme zeigt, dass Stadtentwicklung nicht allein aus Kubatur und Verkehrsplanung besteht. Die eigentliche Herausforderung lautet: Wie schafft Meran öffentliche Räume, die sicher, belebt und sozial durchmischt sind? Ähnlich widersprüchlich ist die Verkehrspolitik. Mit der geplanten Nordwestumfahrung soll sich der Verkehr neu verteilen. Doch eine neue Straße allein macht noch keine nachhaltige Stadt. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Was passiert mit dem gewonnenen öffentlichen Raum? Katharina Zeller hat für ihre Amtszeit einen großen Anspruch formuliert: leistbares Wohnen, nachhaltige Mobilität, soziale Gerechtigkeit, wirtschaftliche Entwicklung und eine hohe Lebensqualität sollen zusammengehen. Die vielleicht wichtigste Aufgabe der Bürgermeisterin wird deshalb nicht sein, möglichst viele Projekte umzusetzen, sondern zu entscheiden, welche Projekte Meran tatsächlich braucht – und an welcher Stelle Wachstum aufhören muss.

Ein Gespräch mit Bürgermeisterin Katharina Zeller.
Frau Bürgermeisterin, der Meraner Haushalt sieht 2026 mehr als 66 Millionen Euro Ausgaben vor, dazu kommen erhebliche Investitionen. Wenn Sie nur einen zusätzlichen Betrag von zehn Millionen Euro zur Verfügung hätten: In welches konkrete Projekt würden Sie ihn investieren – und welches andere Vorhaben müsste dafür warten?

Katharina Zeller: Das Absurde an der derzeitigen Situation ist, dass Meran nicht unbedingt ein Geldproblem hat – vielmehr dauern die Verfahren zur Umsetzung von Projekten viel zu lange. Zusätzliche zehn Millionen würde ich klar in den Wohnbau investieren, etwa in Projekte in der 1.-Mai-Straße oder ins Bahnhofsareal. Leistbares Wohnen ist eine der dringendsten sozialen Fragen unserer Stadt. Zu viele Menschen kämpfen mit hohen Wohnkosten oder leben in prekären Verhältnissen, darunter viele Familien mit Kindern. Meran ist ein sehr begehrter Wohnort, und das spiegelt sich zunehmend in den Preisen wider. Viele Wohnungen werden als Zweitwohnsitz oder Anlage gekauft, während es für Menschen, die hier leben und arbeiten, immer schwieriger wird, leistbaren Wohnraum zu finden. Wohnen ist ein Grundbedürfnis – wir müssen dafür sorgen, dass Meran eine Stadt bleibt, in der Menschen nicht nur gerne leben, sondern es sich auch leisten können. Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Wohnungen zu bauen, sondern qualitativ hochwertige neue Lebensräume zu schaffen. Städte wie Wien oder Zürich zeigen, wie guter, leistbarer Wohnbau mit hoher Lebensqualität verbunden werden kann. Wenn eine Stadt wächst, müssen auch ihre Infrastrukturen mitwachsen: Schulen und Kinderhorte, Spielplätze, Sportstätten und Grünräume ebenso wie Mobilitätsangebote und andere öffentliche Infrastrukturen.

Wenn Sie heute durch Meran gehen: Was sehen Sie, das in fünf Jahren nicht mehr so aussehen sollte?

Wenn ich durch Meran gehe, sehe ich vor allem bei den Infrastrukturen Aufholbedarf, die wir alle täglich nutzen: bei vielen Geh- und Radwegen, aber auch bei unseren Straßen. Über viele Jahre wurde zu wenig in Erhalt und Erneuerung investiert. Wir sehen es als unseren Auftrag, diesen Rückstand Schritt für Schritt aufzuholen. Es gibt auch einzelne Orte, die dringend eine Aufwertung brauchen. Besonders am Herzen liegt mir die Zone rund um den Hauptbahnhof. Der Empfang in einer Kurstadt wie Meran sollte anders aussehen – mit mehr Aufenthaltsqualität und nutzerfreundlicheren Mobilitätsangeboten und Diensten. Auch im Stadtzentrum steht in den kommenden Jahren einiges an: Die Lauben werden endlich neu gepflastert, Kornplatz, Meinhardstraße und Freiheitsstraße neu gestaltet. Das wird dem Zentrum neue Qualität geben und hoffentlich auch den Einzelhandel stärken. Zusätzliche Möglichkeiten schaffen die lang erwartete Eröffnung des Küchelbergtunnels – Straßenräume können neu gedacht und wieder mehr Platz für Fußgänger und Radverkehr geschaffen werden. Auch der Rennweg muss in diesem Zuge neu gestaltet und aufgewertet werden.

Welche Entscheidung werden Sie als Bürgermeisterin treffen müssen, bei der Sie wissen: Dafür werde ich am Ende auch große Kritik einstecken?

Ich glaube, dass wir vor allem bei der Neuordnung der Mobilität Entscheidungen treffen werden, die nicht allen gefallen werden. Mit der Eröffnung des Küchelbergtunnels haben wir die historische Chance, den Durchzugsverkehr aus dem Zentrum zu verlagern und Straßenräume neu zu verteilen. Wenn wir mehr Platz für Fußgänger, Radverkehr und öffentlichen Verkehr schaffen wollen, bedeutet das zwangsläufig auch Veränderungen für den Autoverkehr. Ich kann mich noch gut erinnern, wie groß die Proteste bei der Schließung der Freiheitsstraße für den Verkehr waren. Heute wäre es kaum vorstellbar, dass dort wieder Autos und Busse fahren. Veränderungen stoßen oft zunächst auf Widerstand – langfristig bin ich aber überzeugt, dass alle von einem attraktiveren und lebenswerteren Stadtzentrum profitieren werden.

Sie haben ein Programm mit 45 Vorhaben vorgelegt. Wenn wir uns in vier Jahren wieder zusammensetzen: Welche drei Projekte müssen bis dahin tatsächlich sichtbar umgesetzt sein, damit Sie sagen, Ihre Amtszeit war erfolgreich?

Drei herauszugreifen ist schwierig, weil unser Programm bewusst sehr konkret ist. Aber wenn ich mich festlegen muss: Erstens muss die Eröffnung des Küchelbergtunnels genutzt worden sein, um das Zentrum spürbar vom Verkehr zu entlasten und öffentlichen Raum neu zu gestalten. Zweitens müssen konkrete Projekte für leistbares Wohnen umgesetzt oder zumindest im Bau sein. Und drittens möchte ich, dass das Kasernenareal für die Stadt geöffnet ist, erste Flächen und Gebäude genutzt werden und zugleich ein überzeugendes Gesamtkonzept für seine langfristige Entwicklung steht.

Beim Ex-Gritsch-Areal entstehen rund 60 Wohnungen, darunter auch preisgebundene Wohnungen. Wer bekommt die neuen Wohnungen tatsächlich? Zugleich werden Ex-CAFA, Marinello, Edyna, Torggler und weitere Flächen entwickelt. Wie viele neue Wohnungen braucht Meran tatsächlich?

Beim Ex-Gritsch-Areal sind rund 60 Wohnungen vorgesehen: 40 Prozent für Wohnbaugenossenschaften und 60 Prozent als preisgebundene Wohnungen, bei denen der Quadratmeterpreis bei maximal 4.000 Euro liegen soll. Damit entsteht gezielt Wohnraum für Menschen, die in Meran leben und arbeiten, sich die heutigen Marktpreise aber kaum mehr leisten können. Wie viele neue Wohnungen Meran insgesamt braucht, lässt sich nicht aus dem Bauch heraus beantworten. Deshalb wurde eine Wohnbaustudie in Auftrag gegeben, die den tatsächlichen Bedarf und die vorhandenen Entwicklungspotenziale erhebt. Aus ersten Erhebungen geht bereits hervor, dass Meran über ein großes Potenzial an geeigneten Flächen verfügt. Angesichts dieser Flächen besteht kein großer Druck, überall möglichst stark zu verdichten. Das ermöglicht eine sorgfältige Planung. Meran lebt von seiner Schönheit, seiner Eleganz, seinen Grünräumen und der damit verbundenen hohen Lebensqualität. Diese Qualität gilt es zu bewahren und weiter auszubauen. Neue Quartiere müssen deshalb mehr sein als möglichst viele Wohnungen auf möglichst wenig Fläche: Sie müssen hochwertige Lebensräume mit Grün, öffentlichen Räumen, guter Mobilität, der notwendigen sozialen Infrastruktur sowie hochwertigen Gemeinschafts- und Begegnungsräumen schaffen.

Das 30 Hektar große Kasernenareal soll Wohnen, Wirtschaft, Bildung, Kultur, Sport und Grünflächen bieten. Was darf dort auf keinen Fall passieren?

Was auf keinen Fall passieren darf, ist eine Zerstückelung des Areals und eine Entwicklung nach Einzelinteressen. 30 Hektar mitten im Stadtgebiet sind eine einmalige Chance für Meran – und entsprechend sorgfältig muss damit umgegangen werden. Es braucht ein Gesamtkonzept, das Wohnen, Räume für Wirtschaft und Innovation, Bildung, Kultur, Sport und Grünflächen zusammendenkt, die bestehende Bausubstanz und den wertvollen Baumbestand berücksichtigt und gleichzeitig neue Akzente setzt. Es bietet sich die Chance, Meran für junge Menschen und innovative Unternehmen attraktiver zu machen. Eine universitäre Einrichtung oder eine andere hochwertige Bildungs- und Forschungsstruktur nach Meran zu holen, wäre sicher eine große Bereicherung für die Stadt.

Meran plant gleichzeitig mehrere große Umnutzungen ehemaliger Gewerbeflächen. Warum nicht zuerst das Kasernenareal entwickeln, bevor weitere große Einzelprojekte genehmigt werden?

Wir haben mehrere Anfragen für die Umwandlung von Flächen vorliegen. Diese Entwicklungen anzuhalten, bis das Kasernenareal konkret entwickelt werden kann, wäre angesichts des großen Bedarfs an leistbarem Wohnraum nicht sinnvoll. Entscheidend ist vielmehr, dass die Gemeinde die Entwicklung steuert – neue Projekte müssen einen gewissen Qualitätsstandard erfüllen, sich in die Gesamtentwicklung der Stadt einfügen und bei der Umwandlung privater Flächen einen angemessenen Anteil an leistbarem Wohnraum vorsehen. Wenn die öffentliche Hand klare Rahmenbedingungen vorgibt und das Heft in der Hand behält, kann die Einbindung privater Investoren auch ein Vorteil sein – nicht zuletzt, weil sie häufig schneller und unkomplizierter umsetzen können als die öffentliche Verwaltung. Parallel dazu arbeiten wir auf Hochtouren an der übergeordneten Stadtentwicklung. Für das Entrée der Kurstadt rund um den Bahnhof läuft der städtebauliche Wettbewerb. Als Nächstes soll ein Wettbewerb für das Postgranz-Viertel ausgearbeitet werden, wo in der heute noch bestehenden Gewerbezone neuer Wohn- und Lebensraum entstehen kann. Und für das Kasernenareal müssen wir ein Gesamtkonzept auf den Weg bringen. Gerade dort wäre es falsch, vorschnell zu handeln. Untermais ist bereits sehr dicht besiedelt und braucht dringend zusätzliche Grünflächen und öffentliche Begegnungsräume. Gleichzeitig muss erst geklärt werden, ob und in welchem Umfang eine Bonifizierung des Kasernenareals notwendig ist. Eine seriöse Entwicklung dieses 30 Hektar großen Areals braucht deshalb Zeit – und kann nicht Voraussetzung dafür sein, dass an anderer Stelle überhaupt etwas weitergeht. Beim Thema Wohnen müssen wir ohnehin auf mehreren Ebenen gleichzeitig ansetzen und unterschiedliche Angebote stärken – vom Miet- und Eigentumsmodell über Genossenschaften bis hin zu neuen gemeinschaftlichen Wohnformen. Nur so können wir den unterschiedlichen Bedürfnissen der Menschen in unserer Stadt gerecht werden.

Mit „Entrée der Kurstadt“ soll das Bahnhofsareal neu entwickelt werden. Wie sieht Ihre Vision dafür aus?

Der Empfang in Meran sollte anders aussehen als heute. Das Bahnhofsareal ist eine der wichtigsten Visitenkarten unserer Stadt, wird diesem Anspruch derzeit aber nicht gerecht. Unsere Vision ist ein neuer, lebendiger Stadtteil, der den Bahnhof besser mit dem Zentrum verbindet: mit viel Grün, attraktiven öffentlichen Räumen und einer Architektur, die der Bedeutung dieses Ortes gerecht wird. Gleichzeitig soll ein modernes Mobilitätszentrum entstehen, an dem Bahn und Bus, Rad- und Fußverkehr gut ineinandergreifen und die verschiedenen Dienste einfach und bequem nutzbar sind. Es geht darum, einen Stadteingang zu gestalten, der bereits beim Ankommen vermittelt, wofür Meran stehen will: Schönheit, hohe Lebensqualität und eine menschenfreundliche, gut organisierte Stadt.

Mit der Nordwestumfahrung soll sich der Verkehr in Meran neu verteilen. Wie viele Straßen und Parkflächen wollen Sie anschließend tatsächlich für Fußgänger, Radfahrer und öffentliche Räume umwidmen – und wo wird das konkret passieren?

Der Bereich von der Theaterbrücke über den Theaterplatz bis zum Rennweg und die Freiheitsstraße bis zur Kreuzung Otto Huber wird – wie im städtischen Mobilitätsplan vorgesehen – verkehrsberuhigt, wodurch mehr Raum für Fußgänger und Radverkehr entsteht. Die Verkehrssimulationen zeigen außerdem eine deutliche Entlastung von Cavour- und Romstraße. Bisherige Durchzugsachsen können dadurch zu Quartiersstraßen werden, was auch dort neue Spielräume schafft. Wie viele oberirdische Parkplätze im Zentrum wegfallen, ist im Vertrag zur Kavernengarage festgelegt. Wo genau, muss noch entschieden werden – mit Augenmaß, denn Anrainer und Betriebe sind teilweise auf diese Parkplätze angewiesen.

Was sagen Sie den Kaufleuten, die eine weitere Verkehrsberuhigung fürchten?

Wir sind mit den Kaufleuten im regelmäßigen Austausch und haben sie auch in die Ausarbeitung des städtischen Mobilitätsplans miteinbezogen. Mein Eindruck ist, dass sie einer weiteren Verkehrsberuhigung nicht grundsätzlich ablehnend gegenüberstehen. Entscheidend ist, dass Erreichbarkeit und Zulieferung weiterhin funktionieren. Dem wird die zuständige Stadträtin Barbara Hölzl, die auch für die Wirtschaft zuständig ist, bei der Planung Rechnung tragen.

Sie haben sich grundsätzlich für eine zurückhaltende touristische Entwicklung ausgesprochen. Gleichzeitig ist Tourismus eine tragende Säule der Meraner Wirtschaft. Wie viele zusätzliche Gästebetten hält die Stadt in den nächsten fünf Jahren noch für vertretbar – gibt es dafür eine politische Obergrenze?

Ja. Wir vergeben derzeit rund 30 Gästebetten pro Jahr, vor allem an bestehende Betriebe, die wir stärken und erhalten möchten. An neuen Hotelbetrieben hat die Stadt hingegen kein Interesse. Wir wissen, wie wichtig der Tourismus für Meran und seine Wirtschaft ist – aber wir wissen auch, wann genug ist. Dabei muss man Meran über die Gemeindegrenzen hinaus betrachten. In Schenna, Dorf Tirol und im gesamten Burggrafenamt gibt es sehr viele Gästebetten, deren Gäste natürlich auch Meran besuchen – bei schlechtem Wetter besonders stark. Die Belastung durch den Tourismus des Umlandes trägt damit zu einem erheblichen Teil die Stadt und letztlich die Meraner Bevölkerung. Mit dem Tourismusentwicklungskonzept erarbeiten wir nun eine langfristige Strategie, die auch die touristische Entwicklung definieren soll.

Nicht abstrakt gefragt: Wenn Ihnen morgen ein Investor ein hochwertiges Hotelprojekt mit 200 neuen Betten vorlegt – würden Sie es ablehnen?

Ja. Meran braucht keine weiteren Hotelbetriebe und schon gar nicht in dieser Größenordnung. Unser Ziel muss sein, die bestehenden Betriebe zu stärken und Qualität zu sichern.

Die Diskussion über touristische Kurzzeitvermietung wird in Meran zunehmend mit der Wohnungsfrage verbunden. Hat die Gemeinde Zahlen darüber, wie viele Wohnungen dem Wohnungsmarkt durch touristische Vermietung entzogen werden?

Die Datenbank der Stadtgemeinde und von ASTAT erfasst 603 Wohnungen mit 2.163 touristische vermietete Betten. Die Zahlen beziehen sich aber nicht nur auf Airbnb-Wohnungen, sondern auf alle touristische Vermietungen. Diesbezüglich bin ich dem ehemaligen Landesrat Arnold Schuler sehr dankbar für den Bettenstopp. Er hat es den Gemeinden ermöglicht der touristischen Nutzung von Wohnraum endlich einen Riegel vorzuschieben. Gerade in Meran war die Nutzung von Wohnraum als sogenannte Airbnb exponentiell gestiegen.

Rund um Bahnhof und öffentliche Räume gibt es Beschwerden über Drogenhandel, Verschmutzung und andere Probleme. Welche Veränderungen wollen Sie bei Sicherheit und öffentlicher Ordnung bis Ende Ihrer Amtszeit erreicht haben?

Wir sind dabei, das Gemeindegebiet möglichst genau zu überwachen und gehen allen Meldungen nach. Die Stadtpolizei führt regelmäßige Kontrollgänge durch, gemeinsam mit den staatlichen Polizeiorganen finden zudem regelmäßig Brennpunktkontrollen statt. Die Zusammenarbeit mit den staatlichen Sicherheitskräften ist sehr eng und gut, und die neue Vizequästorin Vittoria Ventimiglia ist ein großer Gewinn für Meran. Bis zum Ende der Amtszeit möchte ich eine klare Präventionsstrategie für die Zukunft vorliegen haben und die Tätigkeit unserer Stadtpolizei stärker auf Sicherheit und die Kontrolle des öffentlichen Raums konzentrieren. Gleichzeitig sehe ich, wie viele Menschen unter nicht würdigen Bedingungen leben. Beim Wohnen müssen wir reagieren, sonst schaffen wir soziale Probleme, die uns langfristig vor noch größere Herausforderungen stellen.

Meran hat gleichzeitig mit Sicherheitsproblemen und sozialen Problemen zu tun. Wenn Sie zusätzliche 500.000 Euro zur Verfügung hätten: Würden Sie dieses Geld eher in Stadtpolizei und Kontrolle oder in Sozialarbeit, Jugendangebote und Prävention investieren – und warum?

Ganz klar in Präventionsarbeit. Kontrolle und Polizeipräsenz sind wichtig, aber wenn wir soziale Probleme nachhaltig angehen wollen, müssen wir früher ansetzen. Die Herausforderung ist dabei oft weniger das Geld als die personellen Ressourcen.

Die Entscheidung über die Auflösung der Sinti-Siedlung ist politisch und sozial besonders sensibel. Welche konkreten Wohnangebote stehen den betroffenen Familien zur Verfügung, wie viele Familien sind betroffen, und wie verhindern Sie, dass das Problem lediglich an einen anderen Ort verlagert wird?

Hier muss man die Situation jeder Familie differenziert betrachten. Wer arbeitet, Verantwortung übernimmt und sich um ein geregeltes Wohn- und Lebensumfeld bemüht, muss bei der Suche nach einer tragfähigen Wohnlösung unterstützt werden. Gleichzeitig kann Unterstützung nicht völlig losgelöst von Eigenverantwortung und Mitwirkung funktionieren. Wer dauerhaft Angebote ablehnt oder grundlegende Verpflichtungen nicht erfüllt, kann nicht erwarten, uneingeschränkt dieselbe Unterstützung zu erhalten. Entscheidend ist deshalb, für jede Familie eine realistische Perspektive zu erarbeiten und gleichzeitig klare Regeln und Erwartungen zu formulieren. Nur so verhindern wir, dass das Problem lediglich von einem Ort an einen anderen verlagert wird.

Mit dem KOMMERA-Projekt sollen Jugendliche stärker in das Stadtleben eingebunden werden. Gleichzeitig sind Wohnkosten und Grundstückspreise hoch. Was ist Ihr Plan, damit jüngerere Familien in Meran eine leistbare Wohnung finden?

Ich habe eine Sondereinheit Wohnen eingesetzt und damit erstmals innerhalb der Gemeinde eine klare Zuständigkeit und ein Kompetenzzentrum für dieses zentrale Thema geschaffen. Gleichzeitig verhandeln wir mit mehreren Privateigentümern über die Umwandlung ungenutzter Gewerbeareale, die laut Masterplan künftig für Wohnraum genutzt werden sollen. Das Landesgesetz sieht bei solchen Umwidmungen vor, dass mindestens 60 Prozent der Fläche von der Gemeinde erworben und für Wohnbaugenossenschaften bzw. preisgebundene Miet- und Eigentumswohnungen vorgesehen werden. Darin liegt ein großes Potenzial. Auch die Gemeinde selbst verfügt über Grundstücke und Gebäude, die für Wohnraum genutzt werden können – etwa in der 1.-Mai-Straße, die ehemalige Schule in Gratsch oder das Postgebäude in Obermais. Entscheidend ist ein differenziertes Angebot: sozialer Wohnbau, geförderte und preisgebundene Miet- und Eigentumswohnungen, Genossenschaften und neue Wohnformen. Denn auch ein 25-Jähriger mit einem normalen Einkommen muss in Meran eine realistische Chance haben, in Meran zu leben und eine Wohnung zu finden.

Die Stadt arbeitet inzwischen sogar mit einer Kartierung von Beschattungsflächen, um die Auswirkungen zunehmender Hitze zu berücksichtigen. Werden Sie im neuen Gemeindeentwicklungsprogramm Flächen von Bebauung freihalten?

Meran hat genügend Entwicklungspotenzial, deshalb muss nicht jede freie Fläche bebaut werden. Wenn die fachlichen Grundlagen zeigen, dass bestimmte Flächen für Durchlüftung, Beschattung, Versickerung oder als Grünräume wichtig sind, müssen wir auch bereit sein, sie von Bebauung freizuhalten. Der Klimawandel wird auch in Meran zunehmend spürbar, deshalb muss Klimaanpassung ein fester Bestandteil der Stadtplanung sein. Auch wenn das im Einzelfall bedeutet, auf zusätzliche Baumöglichkeiten oder Einnahmen zu verzichten – langfristig ist die Lebensqualität der Stadt mehr wert.

Für die Weiterentwicklung des Pferderennplatzes ist ein erster Investitionsrahmen von rund 21 Millionen Euro vorgesehen. Was bekommt die Meraner Bevölkerung für diese Investition konkret zurück – und woran wollen Sie später messen, ob sich diese öffentliche Investition gelohnt hat?

Der Pferderennplatz ist ein Wahrzeichen und eine wichtige und wertvolle Fläche für Meran, und seine Weiterentwicklung bleibt ein Thema. Bei einer Investition in dieser Größenordnung müssen wir aber sehr genau auf die Prioritäten und den richtigen Zeitpunkt schauen. Im Moment stehen für mich andere Investitionen definitiv weiter oben auf der Liste – insbesondere Wohnen, Schulen, öffentliche Infrastruktur und die anstehenden großen Projekte der Stadtentwicklung. Wenn wir am Pferderennplatz investieren, dann muss daraus jedenfalls ein deutlicher Mehrwert für die gesamte Bevölkerung entstehen und die Anlage wesentlich stärker und vielfältiger genutzt werden können als heute.

Was werden Sie den Meranerinnen und Meranern nicht versprechen?

Ich kann versprechen, dass ich mich mit vollem Einsatz für diese Stadt und die Menschen, die hier leben einsetze, eine klare Haltung vertrete und Verantwortung übernehme. Bei der konkreten Umsetzung einzelner Projekte bin ich mit Versprechen vorsichtiger, weil politische Entscheidungen nur ein Teil des Weges sind und danach Verwaltung und Verfahren greifen. Ich finde es fatal, etwas zu versprechen und dann nicht einzuhalten – denn, dass dadurch Vertrauen in die Politik verloren geht, ist völlig verständlich. Deshalb verspreche ich lieber, wofür ich stehe und wofür ich mich einsetze, als einen konkreten Ausgang, den ich nicht allein bestimmen kann.

Welche Art von Stadt möchte Meran sein? Tourismusstadt? Wohnstadt? Kurstadt? Wirtschaftsstandort? Kulturstadt? Oder eine Kombination daraus?

Ich glaube, man kann Meran nicht auf eine dieser Funktionen reduzieren – und das wäre auch falsch. Die Kurstadt, der Tourismus, Kultur und Wirtschaft gehören zu Meran und machen in ihrem Zusammenspiel einen großen Teil der besonderen Qualität unserer Stadt aus. Gleichzeitig ist Meran der Lebensraum von über 40.000 Menschen, und ihre Lebensqualität muss bei der Entwicklung der Stadt immer im Mittelpunkt stehen. Für die Zukunft wünsche ich mir außerdem neue Akzente: mehr Raum für junge Menschen, für Bildung und Forschung, für innovative Unternehmen und neue Ideen.

Sie haben fünf Jahre Zeit, Meran zu verändern. Wollen Sie 2030 wieder antreten – und woran sollen die Meranerinnen und Meraner bis dahin erkennen können, ob Sie sich eine zweite Amtszeit verdient haben?

Ob ich 2030 wieder antrete, kann ich heute noch nicht sagen. Im Moment konzentriere ich mich darauf, die kommenden Jahre gut zu nutzen und möglichst viel von dem umzusetzen, was wir uns vorgenommen haben. Ich hoffe, dass die Meranerinnen und Meraner am Ende sehen, dass wir mit viel Einsatz gearbeitet, Probleme angepackt und die Stadt in wichtigen Bereichen weitergebracht haben. Und natürlich hoffe ich, dass wir damit auch das Vertrauen der Menschen bestätigen können, das sie uns bei der Wahl geschenkt haben.

Wenn Sie am Abend nach einem schwierigen Arbeitstag nach Hause kommen und für einen Moment nicht die Bürgermeisterin von Meran sind: Was beschäftigt Sie dann am meisten?

Einen richtigen Feierabend gibt es in diesem Amt eigentlich nicht. Auch abends wird weitergearbeitet, telefoniert, gelesen oder eben noch ein Interview beantwortet. Ich glaube, diesen Job kann man nur gut machen, wenn man wirklich dafür brennt und bereit ist, ihm sehr viel zu geben. Meine Familie ist dabei mein wichtigster Rückhalt und unterstützt mich sehr– und glücklicherweise gelingt es uns gut, beides miteinander zu verbinden.

Zum Schluss noch eine ganz persönliche Frage: Was weiß die Öffentlichkeit über Katharina Zeller als Bürgermeisterin – aber noch nicht über Katharina Zeller als Mensch?

Vielleicht, dass Swingtanzen seit vielen Jahren eine große Passion von mir ist – also die Tänze der 1920er- bis 1950er-Jahre. Neben meinem Beruf als Anwältin habe ich viele Jahre als Tanztrainerin unterrichtet, vor allem in Italien, später kamen auch erste internationale Einladungen. Mit Covid konnte ich nicht mehr unterrichten, und ungefähr zu dieser Zeit bin ich eher zufällig in der Politik gelandet. Ich war mit der politischen Situation in Meran und der kommissarischen Verwaltung sehr unzufrieden. Mein Großvater Siegfried Unterberger hat zu mir gesagt: „Über Politik schimpfen ist leicht – engagiere dich und mach es besser.“ Das war sicher auch ein Anstoß.


Josef Prantl