

Denn verändert wurde nur, was sich verändern musste. Das, was den Hof seit Jahrhunderten ausmacht, blieb bestehen. Das historische Stammhaus, dessen Geschichte bis ins Jahr 1581 zurückreicht, erzählt noch immer dieselbe Geschichte. Von Menschen, die hier gelebt, gearbeitet und Generation für Generation weitergebaut haben. Genau dieser Geschichte wollten sich Benjamin Raffeiner und Andrea Nischler verpflichtet fühlen, als sie den Oberraindlhof in diesem Frühjahr behutsam weiterentwickelten. Die Idee war nie, etwas Neues zu schaffen. Die Idee war, das Bestehende besser werden zu lassen.
Räume, die heute besser funktionieren
In den vergangenen Monaten wurde deshalb jener Gebäudeteil, der an das historische Stammhaus anschließt, neu organisiert. Der Bestand blieb dort erhalten, wo er Geschichte erzählt. Dort, wo Räume den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht wurden, entstanden neue Lösungen. Besonders sichtbar wird das in der neuen Bar. Der frühere Barbereich war klein und funktional. Heute bietet er den Platz, den das Haus schon lange gebraucht hat: einen Ort, an dem Gäste nach dem Abendessen zusammenkommen, ein Glas Wein genießen und den Tag in Ruhe ausklingen lassen. Gerade an den Freitagabenden, wenn Livemusik den Raum erfüllt, wird daraus das, was der Oberraindl-hof schon immer war: ein Treffpunkt für Gäste, Einheimische und Freunde des Hauses.

Mit Respekt vor dem Alten
Der Umbau verlangte besonderes Fingerspitzengefühl. Der angrenzende Gebäudeteil wurde bis auf das Erdgeschoss zurückgebaut und neu errichtet. Direkt daneben blieb das rund 300 Jahre alte Stammhaus unberührt. Gerade diese unmittelbare Verbindung zwischen Alt und Neu machte die Arbeiten anspruchsvoll. Jeder Eingriff musste so erfolgen, dass die historische Substanz erhalten blieb. Das Ergebnis fügt sich heute selbstverständlich in den gewachsenen Hof ein – als wäre es schon immer da gewesen.

Mehr Raum. Gleicher Charakter.
Auch die vier bestehenden Gästezimmer wurden vollständig neu gedacht. Durch die neue Raumaufteilung entstanden großzügigere Zimmer mit mehr Komfort, ohne den Charakter des Hauses zu verlieren. Holz, Proportionen und Atmosphäre folgen weiterhin jener schlichten Ehrlichkeit, die den Oberraindlhof seit Generationen prägt. Verwendet wurden vor allem Materialien aus der Region. Schnalser Naturstein und heimisches Zirbenholz verbinden traditionelle Handwerkskunst mit zeitgemäßem Wohnkomfort. Ergänzt werden die Zimmer durch neue Terrassen, die den Blick hinaus in die Schnalser Bergwelt öffnen.

Ein Ort für Wein
Wo sich früher die Bar befand, entstand ein neuer Weinerlebnisraum. Mehr als 500 Etiketten finden hier ihren Platz. Der Raum bietet die Möglichkeit für Verkostungen, persönliche Gespräche und besondere Weinmomente – ganz ohne Inszenierung, sondern so, wie es zum Haus passt.
Seit Generationen in Familienhand
Der Oberraindlhof gehört seit 1880 der Familie Raffeiner. Heute führen Benjamin Raffeiner und Andrea Nischler den Hof gemeinsam mit den Seniorchefs Helmuth und Elisabeth sowie Bruder Patricks Unterstützung in die nächste Generation. Noch immer erzählen die alten Stuben, die Holzbalken und viele kleine Details vom früheren Leben am Hof. Manche Geschichten sind bis heute sichtbar. So liegt etwa das ehemalige Zimmer des Urgroßvaters direkt über der Bauernstube – nicht zufällig. Weil früher nur die Stube beheizt wurde, nutzte man die aufsteigende Wärme, um auch den darüberliegenden Raum warm zu halten. Der Oberraindlhof war nie ein Ort, der Geschichte ausstellt. Er lebt sie.

Gemeinsam mit der Region
Auch bei der Umsetzung setzte die Familie bewusst auf Menschen aus der Umgebung. Vom Planungsbeginn bis zur Fertigstellung arbeiteten ausschließlich regionale Handwerksbetriebe am Projekt mit. Für Benjamin Raffeiner und Andrea Nischler war das selbstverständlich. Wer den Wert eines Hauses wie des Oberraindlhofs versteht, weiß auch, dass Qualität dort entsteht, wo Vertrauen, Erfahrung und Verbundenheit zusammenkommen. Die Zusammenarbeit verlief partnerschaftlich und auf Augenhöhe. Sämtliche Arbeiten konnten sogar früher abgeschlossen werden als ursprünglich geplant. So beginnt für den Oberraindlhof kein neues Kapitel. Sondern die behutsame Fortsetzung einer Geschichte, die seit Jahrhunderten geschrieben wird.
Michael Andres