„Aus dem Schneider – fein raus“

Im Märzen der Bauer …
27. März 2026
Schlüsselübergabe an Ginko
27. März 2026
Alle anzeigen

„Aus dem Schneider – fein raus“

Wer kennt ihn nicht, den Spruch: „Fein raus, aus dem Schneider sein“? Ja, wer fein herauskommen will, der kommt eben mit einem Kleid oder Anzug oder gar einer Tracht aus der Schneiderei. Nichts geht über eine persönliche Beratung und perfekte Passform und Verarbeitung feinster Stoffe.

Der Beruf des Schneiders bzw. der Schneiderin erfordert handwerkliches Geschick, Kreativität und ein gutes Verständnis für Stoffe und Materialien. Schneidereien fertigen individuelle Kleidungsstücke an, ändern bestehende Kleidung oder reparieren Textilien. Dabei spielen präzises Messen, exaktes Zuschneiden und sorgfältiges Nähen eine zentrale Rolle, um passgenaue und ästhetisch ansprechende Ergebnisse zu erzielen. Neben dem handwerklichen Können sind auch Kenntnisse in Modetrends und Stilberatung wichtig, um Kundenwünsche bestmöglich umzusetzen. Schneidereien arbeiten häufig eng mit Designern zusammen oder nehmen Aufträge für besondere Anlässe wie Hochzeiten und Theaterproduktionen an, bei denen individuelle und maßgeschneiderte Lösungen gefragt sind.
Zudem hat sich der Beruf des Schneiders im Laufe der Zeit stark weiterentwickelt. Moderne Technologien wie computergesteuerte Schnittprogramme und innovative Nähmaschinen ergänzen das traditionelle Handwerk und ermöglichen eine noch präzisere und effizientere Herstellung von Kleidungsstücken. Trotz dieser technischen Fortschritte bleiben die manuelle Fertigkeit und das individuelle Gespür für Passform und Design unverzichtbar, denn nur so kann die Einzigartigkeit maßgeschneiderter Mode gewahrt werden.

Lehre und Praxis
Die Ausbildung zur Schneiderin bzw. zum Schneider erfolgt bei uns in Südtirol in Form einer dualen Lehre, die praktische Arbeit im Betrieb mit theoretischem Unterricht in der Berufsschule kombiniert. Während dieser Zeit erlernen Auszubildende nicht nur die technischen Grundlagen des Nähens und Konfektionierens, sondern auch den Umgang mit Kunden sowie betriebswirtschaftliche Grundlagen. Nach erfolgreichem Abschluss stehen verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten offen, etwa im Bereich Modedesign, Textiltechnik oder Maßkonfektion, die den beruflichen Aufstieg ermöglichen. Ebenso eröffnet sich die Möglichkeit, sich auf bestimmte Bereiche wie Brautmode, Herrenbekleidung oder Kostümbildner zu spezialisieren, wodurch das Berufsfeld vielfältig und abwechslungsreich bleibt.
Wie wär’s mit einer Tracht?
Trachten sind ein zentrales Element der Südtiroler Kultur und spiegeln regionale Traditionen wider, wobei jede Region ihre eigenen Farben, Schnitte und Schmuckelemente besitzt. Besonders bekannt sind die Burggräfler Tracht mit ihrer charakteristischen Joppe und die schlichtere Passeirer Tracht. Historisch entstanden Trachten im 18. Jahrhundert als Alltags- und Festkleidung bäuerlicher Bevölkerung, gefertigt aus Naturmaterialien wie Loden, Wolle oder Seide. Trotz moderner Einflüsse konnten sich die traditionelle Handwerkskunst und regionalen Besonderheiten behaupten. Heute unterscheidet man zwischen gewachsenen, erneuerten und abgekommenen Trachten; moderne Dirndl gelten eher als Mode für Feste. Die Arbeitsgruppe „Unsere Tracht“ engagiert sich für den Erhalt der Originalität und bietet Beratung zur Pflege und Herstellung authentischer Trachten an. Insgesamt bleibt die Tracht ein lebendiges Symbol für Heimatbewusstsein und kulturelle Identität in Südtirol.

Trachten verlangen eine
besondere Pflege
Die Trachtenpflege erfordert besondere Aufmerksamkeit, da viele der verwendeten Materialien empfindlich sind und spezielle Reinigungs- und Aufbewahrungsmethoden benötigen. Traditionelle Techniken wie Handwäsche oder das Lüften an der frischen Luft werden bevorzugt, um die Stoffe und Verzierungen zu schonen. Zudem spielen auch die Accessoires eine wichtige Rolle: Hüte, Schürzen, Schmuckstücke und Haarschmuck sind nicht nur dekorative Elemente, sondern tragen oft symbolische Bedeutungen, die auf sozialen Status, Herkunft oder familiäre Zugehörigkeit hinweisen. In zahlreichen Gemeinden finden sich deshalb eigene Trachtenvereine, die neben der Pflege der Kleidung auch Brauchtumspflege betreiben und dadurch das kulturelle Erbe lebendig halten.

Die Baz hat mit Frau Simone Federspiel über Ihre Erfahrung mit dem Tragen von Tracht gesprochen:

Frau Federspiel, seit fast genau einem Jahr führen Sie das Geschäft „Fadenspiel“ in Oberlana, mit Schwerpunkt „Meine Trocht“. Welche Erfahrung in Bezug auf die Beliebtheit des Tragens von Tracht konnten Sie machen?
Simone Federspiel: Erfreulicherweise kann ich feststellen, dass derzeit das Tragen von Tracht zunehmend an Beliebtheit gewinnt.

Werden von jungen Leuten noch originale Burggräfler Trachten gewünscht, bzw. bei Ihnen als Maßschneiderin in Auftrag gegeben, oder wird eher eine gebrauchte Tracht renoviert oder aufgefrischt?
In den letzten Jahren stellen wir fest, dass junge Leute sowohl an originalen Burggräfler Trachten interessiert sind als auch verstärkt gebrauchte Trachten renovieren lassen. Dieser Trend zeigt erfreulicherweise ein wachsendes Bewusstsein für Tradition und Nachhaltigkeit.

Wie sehen Sie die Zukunft in der Trachtenwelt: Mehr traditionserhaltend oder eher schon Hang zu sogenannten Modetrachten, speziell bei Frauen?
Ich schätze, dass die Zukunft in der Trachtenwelt eine Mischung aus Tradition und Modernität sein wird, wobei der Erhalt der originalgetreuen Trachten sehr wichtig ist und auch bleiben soll.

Frau Federspiel, Sie bieten in Ihrem Betrieb auch Näh- und Schneiderkurse an. Wie wird dieses Angebot angenommen?
Unsere Näh- und Schneider-Kurse erfreuen sich großer Beliebtheit. Die Teilnehmerinnen schätzen die kreative Atmosphäre und die Möglichkeit, ihre individuellen Projekte umzusetzen, wobei wir in Zukunft vermehrt Einzelkurse anbieten möchten.

Walter J. Werth