

Was bisher geschah: Die Kinolandschaft der Kurstadt konnte sich sehen lassen. Seit 1908 waren
zahlreiche Lichtspieltheater über die Stadt verteilt eröffnet worden, die das Publikum mit Filmen
unterschiedlichster Art versorgten.
Unser Rundgang durch das cineastische Meran führt uns nun auf die Promenade. Während des Zweiten Weltkriegs gab es für eine kurze Zeit einen weiteren Ort, an dem man sich Filme ansehen konnte.
Am 3. Juni 1942 eröffnete im großen Kurhaus-Salon das „Kino Merano“. Gezeigt wurden hier zunächst Filme in italienischer Sprache und sie trugen Titel wie „Violette nei capelli“, „La voce del sangue“ und „Catene d‘amore“. Hinter dem einen oder anderen notierten die Zeitungen, die das Kinoprogramm veröffentlichten, schon einmal ein kritisches „Abzuraten“. Schon Anfang September 1943 endeten die Vorführungen im Kurhaus. Eine Woche darauf wurde die Operationszone Alpenvorland eingerichtet und Südtirol galt de facto an das deutsche Reichsgebiet annektiert. Nach dem Krieg nutzte man das 1900 eröffnete Stadttheater, das nach den Plänen des Münchner Architekten Martin Dülfer entworfen worden war, unter dem Namen „Puccini“ als Kino. Den Namen hatte es bereits zuvor im Zuge der Italianisierungsmaßnahmen erhalten. Bereits 1918 sollte es mit einer Kinolizenz ausgestattet werden und unter dem Namen „Stadttheater Meran, Lichtspiele“ als fünftes Kino den anderen Konkurrenz machen. Die damaligen Betreiber des Theater- und Sternkinos wussten dies anscheinend zu verhindern. Als das „Puccini“ 1972 seinen Betrieb einstellte, war dies nicht krisenbedingt wie in anderen Fällen, sondern um es vor dem Verfall zu schützen. Nach einem Brand wurde das in die Jahre gekommene Jugendstilgebäude restauriert und wieder seinem ursprünglichen Zweck zugeführt. Zu erwähnen bleibt am Ende noch das Lux-Kino in der Carducci-Straße 38. Es wurde vom italienischen Geistlichen der Pfarre „Maria Aufnahme“ (heute: „Maria Himmelfahrt“) verwaltet und besaß lediglich eine Lizenz für Samstag und Sonntag. Ab Mitte der 60er Jahre wurden hier im Nebengebäude der Kirche hochwertige Filme gezeigt, meist im Rahmen von Diskussionen. Liederabende oder Vorträge zu Themen wie Organverpflanzung standen ebenfalls auf dem Programm. Auch die vom Unternehmer Benedikt Gramm († 2026) gegründete Filmrunde – ein früher Filmclub von 1967 bis 1975 – war immer wieder zu Gast im „Lux“. Es gab Einführungen und Erklärungen von Experten, um eine anschließende Diskussion zu ermöglichen. Ziel war es „das Urteil der Kinobesucher zu schärfen“. Für fünf Abende bezahlte man 1.000 Lire, die Karten erhielt man unter den Lauben beim „Zitt“. 1985 schlossen sich auch hier die Türen. Unser Rundgang durch die Kinolandschaft Merans hatte in der Meinhardstraße mit den ersten Aufführungen im Hotel „Andreas Hofer“ Ende des 19. Jahrhunderts begonnen. An mindestens acht weiteren Orten siedelten sich Lichtspieltheater an und unterhielten unter verschiedenen Namen ein ganzes Jahrhundert lang ihr Publikum.
Vor 60 Jahren gab es sieben Kinos, in den Jahren zwischen 2009 und der Wiedereröffnung des „Ariston“ 2014 kein einziges mehr. Und diese Artikelserie soll nun so enden, wie es bis in die 60er Jahre bei Filmen üblich war – mit sechs Buchstaben:
The End.
Christian Zelger