

Durch die behutsame Verbindung von sorgfältiger Restaurierung, sensibler Erweiterung und einer neuen Nutzung als Hofschank, Hofladen und Wohnraum wurde das geschichtsträchtige Anwesen in enger Zusammenarbeit zwischen der Architektin Brigitte Kauntz und der Familie Lobis zu neuem Leben erweckt. Spuren vergangener Zeiten.
Der Runsthof zählt zu den ältesten Hofstellen der Region. Bereits im Jahr 1305 wurde er erstmals urkundlich erwähnt. Sein heutiges Erscheinungsbild geht im Wesentlichen auf das 16. und frühe 17. Jahrhundert zurück. Im Vorfeld der Sanierung ließ die Familie Lobis im Jahr 2024 eine baugeschichtliche Untersuchung durchführen, um die Entwicklung des Hofes über die Jahrhunderte zu dokumentieren und die historische Substanz möglichst umfassend zu erfassen. Die Geschichte des Runsthofs spiegelt die wechselvolle Vergangenheit des Burggrafenamtes wider. Der Hof lag einst im Gericht Mayenburg-Tisens und stand im Laufe der Jahrhunderte unter verschiedenen Grundherrschaften.
Eingebettet in eine von Trockenmauern, Kastanienhainen, Obstgärten und Wiesen geprägte Kulturlandschaft besitzt der Hof nicht nur einen hohen historischen Wert, sondern prägt bis heute das Landschaftsbild oberhalb von Lana.

Verborgene Schätze der Vergangenheit
Als die Familie Lobis den Hof übernahm, befand sich das Gebäude in einem äußerst schlechten Zustand. Das Dach und zwei Geschossdecken waren teilweise eingebrochen, über Jahre hinweg war Regenwasser in das Gebäude eingedrungen. Dennoch zeigte sich rasch, dass eine Sanierung möglich war und ein Großteil der historischen Bausubstanz erhalten werden konnte. Die baugeschichtlichen Untersuchungen brachten zahlreiche interessante Details ans Licht. So erfolgte um 1616 eine Aufstockung des Gebäudes, die wesentlich zum heutigen Erscheinungsbild beitrug.
Aus dieser Zeit stammen unter anderem die repräsentative Freitreppe an der Nordseite sowie dekorative Malereien an der Ostfassade. Besonders bemerkenswert sind die Reste roter Renaissance-Malereien, die noch heute an einigen Fenstern sichtbar sind. Auch der charakteristische Zinnenkranz geht auf diese Bauphase zurück und verleiht dem ehemaligen Bauernhof bis heute einen beinahe herrschaftlichen Charakter. Weitere Veränderungen erfolgten im 18. und 19. Jahrhundert. Bei den Restaurierungsarbeiten kamen Fragmente historischer Schablonenmalereien zum Vorschein, die wertvolle Einblicke in die Wohnkultur vergangener Generationen geben.

Denkmalschutz und moderner Wohnraum
Die Herausforderung der Sanierung bestand darin, den denkmalgeschützten Bestand zu bewahren und gleichzeitig Raum für eine zeitgemäße Nutzung zu schaffen. Ein Abbruch stand dabei nie zur Diskussion. Historische Gebäude zeichnen sich durch ihre Langlebigkeit, ihre besondere Atmosphäre und ihre Nachhaltigkeit aus. Der Erhalt solcher Bauten ist gelebter Ressourcenschutz und bewahrt zugleich ein wichtiges Stück Kulturgeschichte. Heute präsentiert sich der Runsthof als harmonisches Zusammenspiel von historischer Architektur und modernem Wohnkomfort. Von außen zeigt sich das Gebäude wieder als geschlossener, dreigeschossiger Baukörper mit seinem markanten Satteldach und dem charakteristischen Zinnenkranz. Die sorgfältig restaurierten Fassaden, die traditionellen Fensteröffnungen und die behutsam instand gesetzten Bauteile lassen die Geschichte des Hauses weiterhin deutlich erkennen. Auch im Inneren blieb der historische Charakter erhalten. Besonders eindrucksvoll sind die kreuzgratgewölbten Mittelgänge, welche die Obergeschosse gliedern und dem Haus eine besondere Atmosphäre verleihen. Freigelegte Mauerstrukturen, restaurierte Oberflächen und sichtbar belassene Spuren früherer Bauphasen erzählen von mehr als sieben Jahrhunderten Baugeschichte.
Historische Malereifragmente und originale Bauteile wurden bewusst in das neue Nutzungskonzept integriert und verbinden Vergangenheit und Gegenwart auf authentische Weise. Um die neue Wohnung im Obergeschoss zu erschließen, wurde das Gebäude um einen bergseitigen Erschließungskern ergänzt. Darin befinden sich die Technikräume sowie die neue Treppe. Sämtliche neuen Eingriffe wurden bewusst auf der von der Landschaft kaum einsehbaren Westseite vorgenommen. Dadurch konnte das historische Erscheinungsbild des Hofes nahezu unverändert bewahrt werden.

Ein Ort zum Wohnen, Genießen und Begegnen
Die neu geschaffene Wohnung verbindet den Charme des historischen Gebäudes mit den Anforderungen modernen Wohnens. Helle Räume, zeitgemäße Ausstattung und der Blick auf die umliegende Kulturlandschaft schaffen eine hohe Wohnqualität, ohne den Charakter des Hauses zu beeinträchtigen. Mit ebenso viel Sensibilität wurde die neue Nutzung als Hofschank und Hofladen umgesetzt.
Die historischen Räumlichkeiten bilden einen stimmungsvollen Rahmen für Gastlichkeit und Begegnung. Südlich des Gebäudes entstand ein Gastgarten, der sich harmonisch in die Umgebung einfügt. Entlang des Parkplatzes sorgen neu gepflanzte Hecken und Stauden für eine natürliche Eingrünung. Der Hofschank ist barrierefrei zugänglich und verfügt über die notwendigen Einrichtungen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Seit 2017 wird der Runsthof von der Familie Lobis bewirtschaftet. Mit der nun abgeschlossenen Sanierung wurde die Grundlage für eine langfristige und nachhaltige Nutzung geschaffen. Der Hofschank präsentiert sich heute als kleiner, authentischer Betrieb mit besonderem Ambiente. Serviert werden bodenständige Gerichte der bäuerlichen Küche, hausgemachte Säfte und Weine sowie ausgewählte Bierspezialitäten der Pfefferlechner Brauerei aus Lana.
Ein Vorzeigeprojekt für die Zukunft
So steht der Runsthof heute nicht nur als wertvolles Baudenkmal da, sondern als lebendiger Ort, an dem Geschichte, Wohnen und Gastfreundschaft auf eindrucksvolle Weise miteinander verbunden werden. Das sanierte Anwesen zeigt beispielhaft, wie denkmalgeschützte Gebäude durch behutsame Eingriffe für kommende Generationen erhalten und gleichzeitig mit neuem Leben erfüllt werden können.

Markus Auerbach