

Dank der guten Busverbindung fahren wir von Bozen durch das enge Eggental direkt hinauf zur Weite von Deutschnofen bis zur Haltestelle Bar Luise am Kreisverkehr Dort sind auch Parkplätze für jene, die lieber mit dem eigenen PKW anreisen. Wir gehen zurück zu den Hinweisschildern und starten dort.
Zum Panoramaweg
Glücklicherweise führt ein breiter Gehsteig der Straße entlang, die wir nun hinaufmüssen. Bei der Haltestelle Pfösl steht ein nettes Kirchlein in der Wiese. Es ist der Muttergottes von Lourdes geweiht und daran vorbei gehen wir weiter aufwärts, bis links der Panoramaweg abzweigt. Der „Panoramaweg“ entpuppt sich zwar als asphaltierte Panoramastraße, aber auf der ganzen Strecke begegnet uns bloß zweimal ein Fahrzeug. Bald fällt uns zur Linken mitten in einer Wiese ein Bildstock auf, im Hintergrund die schneebedeckten Berge, ein schönes Fotomotiv!

Rund um das Heiligtum
Wir kommen zu einer Abzweigung, müssen nach links, leicht abwärts, sehen aber plötzlich hoch über uns den Turm des Sankt Helena – Kirchleins. Aber noch sind wir lange nicht angekommen! In weitem Bogen umgehen wir nun von unten unser Ziel, immer den linken Weg nehmend. Und dann sind wir plötzlich bei der Weißbamerschupf, einem aus Holz gebauten Neubau, direkt vor dem Weißbamerhof. Hier verlassen wir den Asphalt und wenden uns nach rechts, einen Wiesenhang aufwärts. Gänse schnattern aufgeregt, Hühner gackern lautstark, ein Kuckuck ruft verhalten. Am Ende der Wiese müssen wir durch ein Gatter nach rechts, dem nun gut markierten Waldweg entlang und dann sehen wir es ganz unvermittelt vor uns, das Kirchlein St Helena und daneben den dazugehörigen Kreuzhof.

Sankt Helena
Das Kirchlein wird erstmals 1311 im Pfarrarchiv erwähnt, dürfte aber bereits mindestens 100 Jahre älter sein. Für eine gewisse Zeit diente der Ort auch als Begräbnisstätte, fand man doch bei früheren Grabungsarbeiten zahlreiche Skelette. Viele kostbare Fresken aus der Zeit der Gotik bezeugen die Bedeutung der kleinen Kirche, zu der bis heute Bittgänge und Prozessionen stattfinden. Der auch mit Fresken ausgestattete und überdachte Vorraum diente bei Gottesdiensten als Verlängerung der Kirche. An der Außenmauer finden sich „Barbara mit dem Turm, Margareth mit dem Wurm, Kathrein mit dem Radl, das sind die drei heiligen Madl.“ Interessierte können den Schlüssel im nahen Kreuzhof erhalten.

Der Kreuzhof
Der an das Kirchlein angrenzende Bauernhof wird bereits 1318 urkundlich erwähnt. Es ist ein Erbhof, d. h. mindestens seit 200 Jahren im Besitz ein und derselben Familie und bietet als Jausenstation Pilgernden, wie Ausflüglern Speise und Trank, Rast und Information. Im Volk wird er auch „Lienhof“ genannt, was sich von „bei Sankt Helena“ ableiten lässt. Das Bozner Augustiner Chorherrenstift in der Au hatte damals den Kreuzhof und so manch andere Höfe in der weiteren Umgebung in Besitz. Wir genießen den windgeschützten, sonnigen Platz an der Kirchenmauer, die wärmende Suppe und vor allem die einzigartige Aussicht. Es ist ein Kraftplatz, von dem wir nur ungern Abschied nehmen.

In der Runde zurück
Nun gehen wir am direkten Zufahrtsweg erst über eine, mit goldgelbem Löwenzahn bestückte Wiese. Ein letzter Rückblick zum Kirchlein, dann wandern wir durch den Wald abwärts bis zur Hauptstraße. Von hier geht es nochmals am Gehsteig hinunter bis zur nächsten Haltestelle beim Pfösl, bzw. zu den Parkplätzen. Diesmal war es eine etwas kürzere, dafür äußerst interessante Wanderung, bei der wir in die Geschichte Tirols tauchen durften.
Christl Fink