Beautiful Business Konferenz in Athen

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Beautiful Business Konferenz in Athen

Gekommen war ich eigentlich, um mehr über Schönheit und Wirtschaft zu erfahren, über „beauty“ und „business“ – zwei Wörter, die in unserer Welt oft so klingen, als dürften sie nicht im selben Satz stehen.

Am Ende wurde daraus etwas anderes: eine Rückkehr an die Wiege unserer Kultur und der Beginn einer kleinen Liebesbeziehung mit einem Nachbarvolk, das wir oft nur aus dem Urlaub, aus der Krise oder aus dem Fernsehen zu kennen glauben. Ich schreibe diese Zeilen am Ende einer intensiven Halbwoche in Athen. Das World Beautiful Business Forum ist 2026 hier gelandet, vom 7. bis 10. Mai, als zehntes Jubiläum des House of Beautiful Business. Es nennt sich „the most human gathering for the more-than-human world“ und versammelt über 150 internationale Stimmen aus Wirtschaft, Technologie, Philosophie, Kunst, Wissenschaft und Politik. Das Programm ist kein klassischer Konferenzapparat mit PowerPoint und Kaffeepause, sondern eher ein Stadtparcours: fünf Hauptakte, lose inspiriert vom antiken griechischen Drama, dazu Diskurs zu Künstliche Intelligenz, Demokratie, Schönheit, Regeneration, Spiritualität und Zugehörigkeit. Athens Theater, Museen, Buchläden, ehemalige Börsenräume und Straßen werden selbst zur Bühne. Unter den Stimmen: der frühere griechische Premier George A. Papandreou, Oxford-Tech-Philosophin Carissa Véliz, Künstler und Technologe James Bridle, INSEAD-Professor Gianpiero Petriglieri, Inflection-AI-CEO Sean White, Philosoph Christoph Quarch, IDEO-CEO Mike Peng und viele andere. Besonders hängen bleibt aber weniger eine einzelne These als die Frage, ob Schönheit in der Wirtschaft mehr sein kann als Dekoration. Ob sie eine Strategie sein kann. Eine Haltung. Eine Korrektur an einer Ökonomie, die zu lange Wachstum mit Sinn verwechselt hat. Natürlich war auch die KI überall. Als Versprechen, als Bedrohung, als neuer Mitspieler. Aber auffällig war: Niemand wollte sich wirklich festlegen. Zu groß ist die Bewegung, zu schnell der Umbruch, zu unklar die moralische Architektur. Man spürte: Wir bauen gerade Werkzeuge, die uns selbst umbauen. Und vielleicht ist genau deshalb die Frage nach Schönheit plötzlich nicht mehr Luxus, sondern essenziell. Denn wenn alles effizienter wird, bleibt die Frage: Wofür? Auf meine Frage nach dem rechten Maß im Geschäftsleben antwortete der buddhistische Mönch Shoukei Matsumoto nicht mit einem Modell, sondern mit einer Einladung: Ich solle nach Kyoto kommen und mit ihm den Tempel putzen. Matsumoto ist nicht irgendein Wellness-Mönch, sondern ein japanischer Buddhist, Autor von Work Like a Monk und „Work Like a Monk“ und „A Monk’s Guide to a Clean House and Mind“, Mitgründer von Interbeing und Professor im Bereich Well-being. Für ihn ist Putzen keine Nebensache, sondern Praxis: Aufmerksamkeit, Demut, Ordnung im Außen als Spiegel einer inneren Klärung. Und dann Bayo Akomolafe. Schwarzer Philosoph, Yoruba-Denker, Posthumanist, Gründer des Emergence Network. Er spricht, um Risse sichtbar zu machen. Immer wieder rüttelte er das Publikum mit scharfen, poetischen Beobachtungen wach. Seine Arbeit kreist um Postaktivismus, Entanglement, Krise, Langsamkeit und die Zumutung, dass wir vielleicht nicht nur bessere Lösungen brauchen, sondern andere Arten, überhaupt in der Welt zu sein. Doch irgendwann war genug Theorie. Nach Tagen des Denkens, Zurrens, Suchens landete ich nachts in Tavernen, alten Theatern und schließlich zufällig auf einer plateía (Platz), mitten in einem griechischen Tanzabend unter freiem Himmel. Das ist vielleicht meine Magie: irgendwo falsch abbiegen und plötzlich richtig stehen. Alte tanzten mit jungen Leuten, Kinder mit Großmüttern, Fremde mit Freund:innen. Die Musik hatte diesen kreisenden, fast trancehaften Charakter. Wie bei einer meiner Techno-Veranstaltungen, nur aus einer anderen Zeit, mit anderen Instrumenten, aber derselben Kraft. Ich stand dort mit meinem Ritual-Tekno-Pullover, aß Souvlaki, trank süffiges Mamos-Bier, der Rauch der Grillbuden zog mir in die Augen. Fast hätte ich geweint. Nicht nur wegen des Rauchs. Sondern weil hier plötzlich alles da war, worüber Europa so oft abstrakt redet: Gemeinschaft, Körper, Rhythmus, Gastfreundschaft, Gedächtnis. Die europäische Idee ist nicht nur KI, Aufrüstung, Markt und Regulierung. Sie ist auch das: Menschen, die gemeinsam tanzen. Alte kulturelle Schätze, die nicht im Museum liegen, sondern auf der Piazza weiteratmen. Vielleicht liegt der Blick auf die Zukunft Europas genau dort: nicht zurück in die Vergangenheit, aber auch nicht blind nach vorne, sondern in einer Verbindung von Schönheit, Kultur, Technologie und Wirtschaft. Mit dem Menschen und seiner Umwelt im Zentrum. Athen hat daran erinnert, dass Europa nicht nur ein Projekt ist. Europa ist ein Körper. Und manchmal versteht man ihn erst, wenn man ihn tanzt.

Philipp Kieser