

1 Sennerei Algund
Unser erster Halt führt uns zur Sennerei Algund in Mitterplars, einem Ort, an dem Milch seit weit über einem Jahrhundert zur Kunst erhoben wird. Im Jahr 1898 gründeten 18 Viehbesitzer von Algund die Genossenschaft, und seither ist sie nicht mehr aus dem Dorf wegzudenken. Heute verarbeitet die Sennerei jährlich knapp drei Millionen Liter Kuhmilch und über 300.000 Liter Ziegenmilch von 57 Viehbauern aus den umliegenden Bergfraktionen. Und wer das Sortiment einmal durchprobiert hat, schmeckt diesen Ursprung deutlich heraus. Neben dem klassischen Käse, dem Quark und der Sauerrahmbutter hat die Sennerei zuletzt auch mit einer echten Neuheit aufgewartet: Mit „Hafena“ brachte sie den ersten Südtiroler Bio-Hafer-Drink auf den Markt, hergestellt aus 100 Prozent regional und biologisch angebautem Hafer von Bauern aus dem Vinschgau und Pustertal. Eine vegane Alternative, die zeigt, wie viel Innovationsgeist in einer traditionsreichen Genossenschaft stecken kann. Wer möchte, kann dienstags und donnerstags sogar selbst zum Senner werden: Gemeinsam mit Sennerin Edith lässt sich eigener Frischkäse herstellen, ein Erlebnis, das Einheimischen wie Gästen gleichermaßen in Erinnerung bleibt.

2 Schneiderei Lösch
Unser letzter Stopp führt uns in die Handwerkerzone, und damit zu einem Betrieb, der buchstäblich maßgeschneiderte Lösungen liefert. Die Schneiderei Konfektion Lösch ist der perfekte Anlaufpunkt für alle textilen Bedürfnisse: vom Kürzen eines Hosensaums über das Flicken eines Risses bis hin zur ganz individuellen Kreation nach Maß. Besonders stolz ist das Team, heute geführt von Familie Dalkolmo, auf seine Spezialisierung auf die typische Burggräfler Männertracht, ein Handwerk, das anderswo kaum noch beherrscht wird. Wer eine solche Tracht in Auftrag geben möchte, ist hier genau richtig. Doch auch der ganz alltägliche Bedarf kommt nicht zu kurz: Die Schneiderei führt Konfektion in den Größen 48 bis 75 sowie Kurzwaren und Nähartikel, ein Sortiment, das von der Nähnadel bis zur Fertigjacke reicht. In einer Zeit, in der Fast Fashion dominiert und Reparaturen als lästig gelten, ist ein solcher Betrieb ein kleines Kulturgut. Hier wird noch genäht, geflickt, angepasst und neu gedacht, mit Erfahrung, Geduld und dem Gespür für das, was wirklich passt. Ein Besuch lohnt sich, bevor man vorschnell etwas Neues kauft.

3 Salon Habicher
Wenige Schritte weiter, in der Peter-Thalguter-Straße, warten Schere und gute Laune auf uns. Am 29. Juni 1970 eröffneten Margit und Walter Habicher ihren Friseursalon in der Alten Landstraße in Algund, und machten sich schnell einen Namen, auch weit über den Ort hinaus.
Der Spruch, der damals kursierte, „Da schneiden sie die Haare, dass sie nachher länger aussehen“, fasste den Zeitgeist treffend zusammen. 1984 zog der Betrieb in die Peter-Thalguter-Straße um, wo im Parterre des eigenen Hauses die Erfolgsgeschichte weitergeschrieben wurde. 2005 stieg Sohn Patrick mit jahrelanger Erfahrung in Wien, Berlin, Madrid und Paris in den Familienbetrieb ein. Er brachte internationales Flair in einen Betrieb, der schon immer mehr war als ein Friseursalon: Über all die Jahre konnten sich Kunden auch an der Kunst aus Walters Sammlung an den Wänden erfreuen. 2010 wurde der Salon von Designer Harry Thaler neu gestaltet und von „Salon Walter“ in Salon „habicher“ umbenannt. Heute führt Patrick den Betrieb mit seinem Team weiter, und verbindet Handwerk mit Haltung: Neben modernem Haardesign setzt man auf natürliche Pflanzenfarben und pflegt den Salon als kleinen Ausstellungsort für Südtiroler Kunst.

Philipp Genetti