

Der Gemeinderat von Lana hat zu neuen Straßenbezeichnungen in der Fraktion Völlan zugestimmt. So soll der bisherige Winklweg künftig Kastanienweg heißen und der Zufahrtsweg zur neuen Wohnbauzone St.-Severin-Straße.
Die Gründe für die Umbenennung von Straßen sind vielfältig. Manchmal sind sie Ausdruck eines politischen Wandels, im schlimmsten Fall einer kulturellen Säuberung und Machtdemonstration. Südtirol kann davon ein Lied singen. Im Falle der jüngsten Entscheidung des Lanaer Gemeinderats sind es allerdings rein praktische Belange, wie Bürgermeister Helmut Taber erklärte. Um Verwechslungen mit dem Winklerweg in Lana auszuschließen, ersetzen nun Kastanien den bisherigen Winkl auf dem Straßenschild. Und neue Wege benötigen ebenfalls eine Bezeichnung. Hier verweist man auf Sankt Severin, genauer, den Heiligen Severin von Köln, der für den Tiroler Raum nicht alltägliche Patron der Pfarrkirche von Völlan. Der Gedenktag des Schutzpatrons der Weber wird am 23. Oktober begangen. Er wird bei Trockenheit angerufen und gilt als Fürsprecher gegen Unglück. Am 5. August 1855 um 9 Uhr vormittags während der Sonntagsmesse hätten die Völlaner seine Hilfe dringend gebraucht. Ein Blitz schlug in die Kirche ein, fuhr durch die Sakristei, in deren Paramentenkasten die darin aufbewahrten Sessel umgeworfen wurden, und wandte sich dann durch die Kirche. Neben mehreren Gläubigen, die vom Lärm und der elektrischen Entladung betäubt, einige sogar verletzt wurden, traf es den kaum sieben Jahre alten Josef Hillebrand, Sohn des örtlichen Rädermachers. Er saß neben einer zur Befestigung des Stuhles dienenden Eisenspange. Für ihn kam jede Hilfe zu spät. Er verstarb noch am Unglücksort. Der Kurat Matthias Gruber notierte im Sterbebuch „Von Blitz getroffen“ und begrub den Jungen zwei Tage später.
Kirche und Heiliger
Severin lebte gegen Ende des 4. Jahrhunderts zur Zeit des Hl. Martin von Tours, der wegen der Geschichte um seinen geteilten Mantel und dem heute noch gefeierten Laternenfest zu den bekanntesten Heiligen gehört. Über Severins Leben ist wenig bekannt. Auch dürften sich einige Legenden mit denen anderer Heiligen gleichen Namens vermischt haben. Da seine Vita erst ein halbes Jahrtausend später niedergeschrieben wurde, ist Vorsicht angebracht. Auch die Behauptung, er sei auf einem Gräberfeld südlich von Köln begraben worden, lässt sich archäologisch nicht nachweisen. Immerhin haben Untersuchungen an den Gebeinen im Reliquenschrein ergeben, dass die darin liegende Person um das Jahr 400 gelebt hat. Als Patron eines Südtiroler Gotteshauses ist er eine Ausnahme. An der Stelle der heutigen Kirche stand bereits eine romanische Kapelle. Die erste urkundliche Erwähnung lässt sich auf das ausgehende 13. Jahrhundert datieren. Eine Neuweihe der gotischen Kirche fand 1433 statt. Aus dieser Zeit stammt auch der Kirchturm. Der alte Chor, der über einen Rundbogen geöffnet ist, erinnert noch heute an die ursprüngliche Bauweise. Das Kirchenschiff erhielt schließlich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sein heutiges Aussehen. Die Kirche wurde mehrfach von Blitzen beschädigt. Im Jahr 1700 brannte nach einem Einschlag der Turmhelm ab und zerschmetterte eine der Glocken. 1822 wurde das gesamte Kirchendach zerstört und alle Glocken schmolzen. Dank Spenden von Gemeindemitgliedern konnte die Kirche wiederhergestellt und sogar noch weiter ausgeschmückt werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einer Verlängerung des Langhauses nach Süden hin. Gleichzeitig wurde die bisherige Kuratie zur Pfarre aufgewertet. Und nun, sieben Jahrzehnte später, standen die Kirche und ihr Heiliger Pate für eine Straßenbenennung.
Christian Zelger