

Mobilität muss als Ganzes betrachtet werden: vernetzt, nachhaltig und zukunftsorientiert. Hier setzt der SüdtirolPlan an. Er dient als strategische Leitlinie, um alle Verkehrsträger intelligent zu verknüpfen, Lebensqualität zu steigern und gleichzeitig die Klimaziele im Blick zu behalten.
Herr Alfreider können Sie ein bis zwei konkrete, Maßnahmen nennen, die in den nächsten 12 – 24 Monaten umgesetzt werden sollen, um die Verlagerung vom privaten auf den öffentlichen Verkehr spürbar zu beschleunigen – z.B. im Bereich Taktverdichtung, neue Expressbuslinien oder Tarifintegration?
Im Burggrafenamt setzen wir in den nächsten 12 bis 24 Monaten auf Maßnahmen, die man im Alltag direkt merkt. Ein zentraler Hebel ist die Fertigstellung und Inbetriebnahme der Nordwestumfahrung Meran mit dem Küchelbergtunnel, um den Durchzugsverkehr aus dem Stadtgebiet zu nehmen und damit Busse, Radverkehr und Aufenthaltsräume in Meran spürbar zu entlasten. Parallel treiben wir die Modernisierung der Vinschger Bahn konsequent voran: Mit der Elektrifizierung, neuer Technik und dem geplanten erweiterten Angebot schaffen wir mittelfristig deutlich mehr Kapazität und Attraktivität auf der Achse Meran – Vinschgau. Während der Sperren wird ein umfassender Schienenersatzdienst organisiert, damit die Mobilität verlässlich bleibt. Zum dritten ist die Planung des zweiten Gleises der Bahnlinie Bozen – Meran ein wesentlicher und langfristiger Schritt für die Verlagerung des individuellen Verkehrs vom Auto auf die Öffis. Dies zu den Infrastrukturen, daneben haben wir mit dem FIX 365 einen neuen Tarif in der Südtirolmobil Pass Familie integriert, dessen Verkauf mittlerweilen ein voller Erfolg ist.
Ein Schlüssel für die Akzeptanz des ÖV ist die nahtlose Verknüpfung der Verkehrsmittel. Welche konkreten Schritte planen Sie, um die Kombination von Zug, Bus, Fahrrad und Sharing-Diensten praktisch so einfach wie möglich zu machen? Denken Sie hier an physische Knotenpunkte, digitale Buchungsplattformen oder verbindliche Standards?
Genau hier setzen wir im Burggrafenamt sehr konkret an: Mit dem intermodalen Mobilitätszentrum am Bahnhof Meran entsteht ein zentraler Knoten, der Bus und Bahn sowie Fahrrad und Fußmobilität miteinander verbindet und Umstiege deutlich einfacher macht. Das Projekt sieht unter anderem einen neuen Busbahnhof, eine klare Trennung der Verkehrsflüsse, eine Verlängerung der Unterführung und ein modernes Fahrradparkhaus mit rund 1.000 Stellplätzen vor. Gleichzeitig arbeiten wir daran, dass die Mobilitätskette nicht nur baulich, sondern auch organisatorisch und digital funktioniert: verlässliche Informationen, verständliche Umstiegslogik und einheitliche Standards, damit Intermodalität im gesamten Burggrafenamt nach denselben Prinzipien nutzbar ist.
Der Plan nennt mehr Sicherheit und lebenswertere Städte als Ziele. Wie soll der öffentliche Raum in Südtiroler Städten und Ortszentren umverteilt werden, um diese Ziele zu erreichen? Ist eine deutliche Reduzierung von Parkplätzen und Fahrspuren zugunsten von Radwegen, Fußgängerzonen und Grünflächen Teil der Strategie?
Unser Ansatz ist, Ortszentren Schritt für Schritt sicherer und lebenswerter zu machen, ohne die Erreichbarkeit zu verlieren. In Meran ist ein wichtiger Baustein, dass durch die Nordwestumfahrung Verkehr aus dem Stadtgebiet verlagert wird. Das schafft die Voraussetzungen, den öffentlichen Raum gezielter aufzuwerten: sichere Querungen, bessere Bedingungen für Fuß und Rad, attraktivere Aufenthaltsbereiche. Die innerörtliche Mobilität ist eine Zuständigkeit der Gemeinden, die größtenteils gerade dabei sind, ihre Mobilitätspläne im Zuge der Gemeindeentwicklung zu erarbeiten. Gerade für größere Ortschaften gilt dabei sicher: Parkplatzsuchverkehr vermeiden und mehr Raum für Radwege.
Für ein Land wie Südtirol ist die Anbindung an Nord- und Osttirol sowie das Trentino entscheidend. Welche konkreten Projekte oder Verhandlungen gibt es, um die grenzüberschreitenden Bahn- und Busverbindungen signifikant zu verbessern?
Für das Burggrafenamt sind leistungsfähige Verbindungen nach Norden und Süden essenziell, und dafür braucht es vor allem eine starke Schiene. Ein Schwerpunkt ist die Modernisierung der Vinschger Bahn mit Elektrifizierung und neuer Technik, die perspektivisch auch die Durchbindung nach Bozen und bis zum Brenner ermöglichen soll. Das ist ein konkreter Schritt, um Verbindungen über die Region hinaus attraktiver und leistungsfähiger zu machen. Kombiniert mit den neuen Zuggarnituren wird die Eisenbahn zum starken Rückgrat des öffentlichen Personenverkehrs. Parallel dazu läuft der Optimierungsprozess für den Ausbau der Bahnlinie Bozen Meran, weil wir gerade im Westen des Landes die Attraktivität der Schiene gegenüber dem Auto deutlich erhöhen müssen. Dabei wurde der Austausch mit den Gemeinden entlang der Strecke intensiviert, um die Planung bestmöglich zu vertiefen.
Wie definieren Sie den Südtiroler Ansatz im Spannungsfeld zwischen urbanen Zentren und ländlichen, peripheren Tälern? Wie kann die Mobilitätswende nicht als Einschränkung, sondern als Gewinn an Lebensqualität und Freiheit wahrgenommen werden – auch von den Menschen, die heute auf das Auto angewiesen sind?
Südtirol und besonders das Burggrafenamt bestehen aus Stadt und Tälern, und daher braucht es einen Ansatz, der überall funktioniert. In Meran schaffen wir durch große Infrastrukturprojekte wie die Nordwestumfahrung und durch Knoten wie das Mobilitätszentrum die Voraussetzungen, damit Öffis, Rad und Fußwege im Alltag wirklich konkurrenzfähig werden und die Intermodalität funktioniert. In ländlichen und peripheren Gebieten setzen wir zusätzlich auf pragmatische Lösungen, die vor Ort angenommen werden und echte Wahlfreiheit schaffen. Ein gutes Beispiel aus dem Burggrafenamt sind Projekte wie Mitfahrbänke und E-Ladestationen in strukturschwachen Tälern, die 2025 auch als überzeugender, sichtbarer Ansatz ausgezeichnet wurden. Entscheidend ist, dass Mobilitätswende als Gewinn an Alltagstauglichkeit verstanden wird: weniger Stau und Stress, mehr Verlässlichkeit und mehr Möglichkeiten je nach Lebensrealität. Wir wollen das Öffi-Angebot so attraktiv machen, dass die Menschen es ganz selbstverständlich annehmen.
Markus Auerbach