
Das House of James (HOJ) in Sinich bei Meran steht für einen innovativen Geschäftsbetrieb und eine besondere Geisteshaltung.
Die Macher des HOJ verlassen bewusst etablierte Denkmuster, um ungewöhnliche und neue Ansätze zu finden. Dieses unkonventionelle Denken, das von „überflüssig“ bis „enorm innovativ“ reicht, ist die treibende Kraft hinter ihren Projekten. Ihre Stärken – neue Ideen, kritisches Hinterfragen, kreatives Weiterdenken und das Streben nach besonderen Ergebnissen – kommen nun auch bei einer bedeutenden baulichen Transformation zum Tragen. Das bestehende Betriebsgebäude beherbergt einen dynamischen Mix aus einem zweistöckigen Concept-Shop, einer Kunstgalerie und mehreren Büros. Die hier ausgeübten Tätigkeiten – Großhandel und vielfältige Dienstleistungen – spiegeln die Kernkompetenzen des HOJ wider: die Erstellung relevanter Inhalte, Social Management, zündende Kampagnen, Recruiting, Produktentwicklung und die Organisation stilvoller Come-Togethers. Doch der Erfolg und das stetige Wachstum des Betriebs stießen an räumliche Grenzen. Ursprünglich stand lediglich ein kleines Büro im Erdgeschoss zur Verfügung. Um den gestiegenen Anforderungen, insbesondere des Großhandelsbetriebs, gerecht zu werden, wurde die Schaffung neuer Büroräumlichkeiten unumgänglich. Die Gemeinde Meran genehmigte bereits im Jahr 2024 das Vorhaben einer baulichen Umgestaltung mit Erweiterung. An dieser Stelle zeigt sich die Stärke des HOJ-Teams: das kritische Hinterfragen der Gegebenheiten und das Finden innovativer Lösungen. Die örtlichen Bedingungen – das bestehende Gebäude und die angrenzende Grünfläche – ließen keine Erweiterung in die Breite zu. Anstatt das Projekt zu begrenzen, wurde der Ansatz gewechselt. Die einzig mögliche Richtung war die Vertikale. Das Ergebnis ist ein durchdachtes Variantenprojekt des Bauherrn Michael Hochkofler. Er war die treibende Kraft bei der Realisierung des Projekts und hat das gesamte Projekt – vom Concept Store über den Showroom und die Badezimmer, bis hin zu den Büros, jeder Steckdose und jedem Lichtpunkt – selbst gezeichnet und gestaltet. Das Projekt sieht vor, die maximale Gebäudehöhe auf 14 Meter zu erhöhen und das Haus um ein unterirdisches sowie vier oberirdische Stockwerke zu erweitern. Bemerkenswert ist, dass dabei die bestehende überbaute Fläche und die versiegelte Fläche unverändert bleiben – ein Zeichen für verantwortungsvolles und ressourcenschonendes Bauen. Die wertvolle Grünfläche wurde hingegen vielerorts eingebracht: auf dem Dach sowie vor und hinter der Firma.
Vom Konzept zur
Raumschaffung
Die bauliche Umgestaltung folgt einem klaren, qualitativ hochwertigen Konzept. In den neuen Büro- und Wohnbereichen im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss kommt ein warmer Teppichboden zum Einsatz, während in Küche, Gängen und Badezimmern Fliesen für Funktionalität und Langlebigkeit sorgen. In den Büros und Gängen des zweiten und dritten Obergeschosses sind Holzböden verlegt, in den Badezimmern Fliesen. Sowohl das Erdgeschoss als auch das erste Obergeschoss fungieren gleichermaßen als Concept Store und als Showroom des House of James. Jeder Mensch ist willkommen und kann dort einkaufen. Im zweiten Obergeschoss befinden sich der HOJ Club, das ROP (Wirtschaftsberater aus Bozen) sowie das Compa (Start-up aus Berlin). Der Fokus liegt jedoch eindeutig auf dem dritten Obergeschoss. Hier wurden die Veränderungen besonders an der Ostfassade sichtbar: Die Position der Fenster wurde genau an eine neue Glasfront angepasst. Diese sorgt für optimale Lichtverhältnisse und eine moderne Ästhetik. Die neu geschaffenen Räume sind großzügig dimensioniert. Die Büros im 3. Obergeschoss bieten eine Nettofläche von 110,45 m², die angrenzende Wohnung umfasst 130,65 m². Selbst auf der Terrasse wurde das Prinzip der kreativen Aufwertung umgesetzt indem ein Grünbeet angelegt wurde, das Natur in die Höhe bringt. Insgesamt beläuft sich die Erweiterung auf 1,5 Stockwerke, der Rest des Gebäudes wurde kernsaniert. Das von Hanspeter Palla eingereichte Bauprojekt soll als Betriebsgebäude der Firma Hochkofler GmbH in der Johann-Kravogl-Straße 20 in Meran dienen. Es ist darauf ausgelegt, die seit 2016 geltenden Durchführungsbestimmungen zu erfüllen, die unter anderem eine bestimmte Anzahl an Parkplätzen vorsehen. Diese Vorgabe spiegelt eine weitverbreitete planerische Herausforderung wider: Oft müssen Bauprojekte heutige Standards einhalten, die auf eine maximale Belegung ausgelegt sind, obwohl die tatsächliche Nutzung effizienter oder flexibler sein kann. Positiv hervorzuheben ist, dass die Mitarbeiterzahl trotz der neuen Büroräume nur geringfügig steigen soll. Dies deutet auf ein modernes, ressourcenbewusstes Nutzungskonzept hin, bei dem Arbeitsplätze beispielsweise geteilt oder zeitversetzt genutzt werden, wodurch Flächen effizienter ausgelastet werden und sich möglicherweise auch die verkehrlichen Auswirkungen mildern.
Innovation durch
geöffneten Geist
Die bauliche Umgestaltung und Erweiterung des „House of James“ ist weit mehr als nur eine Vergrößerung der Büroflächen. Sie ist ein architektonisches Manifest der Unternehmensphilosophie. Das Team begriff die engen Räumlichkeiten nicht als Hindernis, sondern als kreative Herausforderung und fand eine elegante und nachhaltige Lösung in der Vertikale. So ist aus dem ehemaligen Kultgebäude mit pinkfarbener Hausfassade und gelben Fenstern wiederum etwas gänzlich Neues entstanden: ein Projekt mit fröhlichen und bunten Farben im Inneren des Gebäudes und ohne eine einzige weiße Wand. Das House of James in Sinich ist damit bereit für die nächste Phase seines Wachstums – sowohl im Handel als auch im Geiste.
Markus Auerbach