

Was bisher geschah: 1911 hatte Meran bereits drei Kinos – in der Freiheitsstraße, am Rennweg und in der Cavourstraße. Nun fehlte noch eines in Untermais, das damals noch eigenständig war. Und es sollte nicht das letzte bleiben.
Dass Europa binnen eines Jahres in einem verheerenden Weltkrieg stecken sollte, ahnten am 20. September 1913 wohl die wenigsten. An jenem Samstag eröffnete in der Rathausstraße Nr. 9 das Lichtspieltheater Untermais – „sehr geräuschlos, ohne Anwendung der besonders bei Neuetablierung eines Kinos angewendeten Riesenreklame“. Es war das vierte Kino in der später zusammengelegten Gemeinde Meran, mit modernster technischer Einrichtung und allem Komfort ausgestattet. Die Premiere verlief gut. Als erster Streifen wurde der Monumentalstummfilm „Königin Elisabeth von England“ mit Sarah Bernhardt in der Titelrolle gezeigt. Die Mimin gilt als berühmteste Darstellerin ihrer Zeit und war einer der ersten Weltstars. Ausgerechnet am 28. Juni 1914, dem Tag des Mordes von Sarajewo, wurde hier der Film „Das Ende eines Königs“ vorgeführt. Wie schnell die damalige Kinoindustrie auf aktuelle Geschehnisse reagierte, beweist eine Programmankündigung des Untermaiser Lichtspieltheaters. Bereits zehn Tage danach war „Die feierliche Ueberführung Sr. k. u. k. Hoheit des Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand mit Gemahlin – Die Ereignisse in Sarajewo“ zu sehen. 1924 war dann vorerst Schluss. Die Räumlichkeiten wurden umgebaut und allem Anschein nach als Obstmagazin genutzt. Erst viele Jahre später strömte wieder Kinoluft nach Untermais. Zunächst unter der Bezeichnung Aurora und dann seit Beginn der 50er Jahre als Apollo-Kino.
Mit diesem Kino in der nun nach Giacomo Matteotti benannten Straße wird die Familie Innerhofer über Jahrzehnte hinweg mit publikumswirksamen Filmen die Meraner Kinolandschaft prägen.
Als es 1995 nach einer umfangreichen Renovierung wiedereröffnet wurde, konnte Hans Innerhofer mit einer kleinen Sensation aufwarten. Der damals teuerste Film aller Zeiten „Waterworld“ mit Kevin Kostner startete in Meran noch vor der Premiere in Deutschland und Österreich. Italienischer Starttermin plus deutsche Sprache – Südtirol nutzte seine besondere Lage. Der Film floppte, aber das Apollo schaffte es ins 21. Jahrhundert. Doch das Thema Kinoschließungen tauchte in den Medien schon seit den 70er Jahren auf. 2009 traf es auch das Apollo-Kino. Damit ging eine Ära zu Ende – und hinterließ ein kinoloses Meran.
Zu den weiteren bekannten Lichtspieltheatern in Meran gehörte das Italia-Kino in der Otto-Huber-Straße. Ende der 30er Jahre war hier ein Vorführsaal der Gioventù Italiana del Littorio (GIL) untergebracht, in dem sich Jugendliche für 50 Centesimi einen schönen Nachmittag machen konnten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden vor allem amerikanische Produktionen gezeigt, die das Publikum schon damals anzogen. Der Bau im Innenhof fiel, ähnlich dem Bozner Drusus-Kino, durch seine runde Form auf und wurde auch vom Meraner Filmklub sowie für Tagungen und die Schulausspeisung genutzt. Besonders günstig waren die Schul- und Kulturvorführungen am Mittwoch und Donnerstag, die durch Dokumentarfilme ergänzt wurden. Der spätere Filmcutter Klaus Rainer erinnert sich, wie er sich als Kind mindestens drei Mal pro Woche Filme anschaute und u.a. im Italia seine Leidenschaft für das Kino kultivierte. 1960 wurde das beliebte Etablissement von einer Einbrecherbande heimgesucht. Da die Diebe kein Geld fanden, ließen sie große Mengen an Süßigkeiten mitgehen, und beschädigten – wohl aus Ärger – die Projektionsmaschine. Der finanzielle Schaden war nicht gering, doch es ging weiter. Bis Ende der 70er Jahre. 1978 musste das Italia-Kino schließen. Das charakteristische Gebäude, in dem noch Jahre zuvor die Beatles-Filme zu sehen waren, wurde abgerissen und machte einem mehrstöckigen Büro- und Wohnhaus Platz. Nichts mehr erinnert heute daran.
Fortsetzung folgt …
Christian Zelger