
Vom Wallfahrtskirchlein Maria Saal über den Kreuzweg und das „Hexenbödele“ hinunter nach St. Verena und über den „Keschtnweg“ weiter nach St. Andreas in „Antlas“, um schließlich in Lengstein in den Bus zu steigen – ein verlockender Wandertipp! 
Noch liegt zu wenig Schnee für eine genussvolle Schneewanderung, dafür lockt das Rittner Hochplateau mit seiner tollen Sicht von der Plose über die Dolomiten bis zum Weiß- und Schwarzhorn, und die Kirchtürme, die wir längs unserer Wege entdecken, sind kaum zu zählen!
Auf, zum Hexenbödele (1075 m):
Gleich hinter der Wallfahrtskirche Maria Saal mit der Madonna unterm Regenschirm führt unser Pfad, mit der Markierung 8, Kreuzwegstationen entlang, erst abwärts und dann am Heidgerberhof (ehemaliger Hofsschank) vorbei, zum „Hexenbödele“. Einst sollen hier rund um die alte Lärche die Hexen getanzt haben. Der „Hexenbesen“ darauf ist eine genetisch bedingte Astwucherung, die den Hexen zugeschrieben wurde. Heute hat das Kreuz an der Lärche den alten Hexenglauben abgelöst. Zurück zum Waldweg, wandern wir diesen abwärts und dann, beim Wegweiser 8 A, durch ein Gatter rechts über Lärchenwiesen hinunter in Richtung St. Verena. Wir kommen zur Straße und wenden uns ober dem stattlichen Oberschlichterhof mit seinen schönen Fresken auf dem asphaltierten Sträßchen nach links, bis beim Vogelhauser rechts ein schöner, alter Steig abwärtsführt.
St. Verena, der Aussichtpunkt
Der Steig wird zum Weg und plötzlich grüßt von unten zum ersten Mal das St. Verena-Kirchlein! Wir erreichen eine Autostraße. Diese ist ein Teil der einstigen Kaiserstraße, auf der die deutschen Kaiser zur Krönung nach Rom gezogen waren. Diese gehen wir scharf nach rechts bis zum Penzlhof und seiner, leider dem Verfall preisgegebenen Kapelle. Wir umrunden den Hof und – an der Scheune vorbei – wenden wir uns nach links. Jetzt wandern wir zwischen Wald und Wiese, Kreuzwegstationen entlang, im letzten Teil über den uralten Pflasterweg hinauf zum Höhenkirchlein. Es dominiert den Streuweiler Rotwand.
Hier, auf dieser schon urzeitlich besiedelten Hügelkuppe, gibt es nur mehr ein Schauen und Staunen! Da die Turmuhr eben zwölfmal schlägt, halten wir auf einer Bank auf dem Porphyr-Hügel etwas oberhalb unsere Mittagsrast.
Die Dezemberluft drängt dann zum baldigen Aufbruch.
St. Andreas und der Zunerhof
Ehe wir zurück zum Penzlhof kommen, entdecken wir am Wiesenrand noch einen alten Ziehbrunnen, Ziggl genannt. Nun geht es die Straße entlang weiter in Richtung St. Andreas im Weiler Antlas. Bis zum Braunhof müssen wir über Asphalt tippeln, doch dann beginnt ein sehr schönes Wegstück. Von der anderen Talseite grüßen erst der Kirchturm von Lajen, dann jener von Kastelruth, St. Konstantin und St. Vigilius. Vom Schnitzler bis zum Weidacher wechseln wir wieder auf Asphalt, aber der letzte Teil bis zum Zunerhof ist ein Genuss. Schon grüßt das St.-Andreas-Kirchlein aus dem 14. Jh. Auch das Gasthaus Zunerhof aus dem 12. Jh. atmet eine lange Geschichte. Kurz hinauf zum Andreaskirchlein, das innen mit schönen Fresken ausgestattet ist. Dann lassen wir uns beim Zuner in der schönen, alten Stube verwöhnen.
Unser Ziel, Lengstein mit der hl. Ottilia
Nun wandern wir den Keschtenweg, dem wir seit St. Verena gefolgt sind, weiter, durch eine wahre Efeuallee bis zum Steidacherhof. Nach dem Hof führt eine Asphaltstraße aufwärts. Diese nehmen wir und schon bald grüßt links oben St. Nikolaus auf dem Mittelberg, dessen roten Zwiebelturm wir bereits am Morgen unter Maria Saal entdeckt hatten.
Binnen kurzem kommen wir nach Lengstein. Viele Neubauten stehen hier, das Dorf ist in den letzten Jahrzehnten zur Heimat zahlreicher Jungfamilien geworden. St. Ottilia, die Patronin der Augenkranken, der die Pfarrkirche geweiht ist, wacht heute noch über Groß und Klein. Wir erreichen hinter der Feuerwehrhalle direkt die Bushaltestelle und bald schon fahren wir Bozen entgegen.
Wer mit dem Auto gekommen ist, kann in Maria Saal aussteigen und im eigenen Pkw die Fahrt fortsetzen. Dankbar für die abwechslungsreiche Winterwanderung kehren wir vom Hochplateau Ritten zurück.
Christl Fink